Jugendliche und Politik: Das passt. Und wie!
02.06.2026 LeserbriefeLiebe Nika, lieber Finlay, Leander, Janis und Cedric
Ihr engagiert euch in verschiedenen Jungparteien. Am Polittag der Bezirksschule Rheinfelden hattet ihr den Mut, eure politischen Überzeugungen an einer Podiumsdiskussion vor den Augen von zahlreichen ...
Liebe Nika, lieber Finlay, Leander, Janis und Cedric
Ihr engagiert euch in verschiedenen Jungparteien. Am Polittag der Bezirksschule Rheinfelden hattet ihr den Mut, eure politischen Überzeugungen an einer Podiumsdiskussion vor den Augen von zahlreichen Jugendlichen der Abschlussklassen zu vertreten. Das habt ihr mit grosser Überzeugung und spürbarer Lust (und ein bisschen schlottrigen Knien, aber nur anfänglich) gemacht.
Wir hatten zuvor vereinbart, dass ich euch als Moderator das Feld weitgehend überlasse und mich nur bei Bedarf einmische. Tatsächlich hat es mich dann kaum gebraucht, denn eure Fairness machte es möglich: Zuhören, ausreden lassen und mit Respekt auf die Voten der politischen Gegner eingehen.
Und auch wenn euch das eine oder andere Argumente eines Kontrahenten sauer aufstiess: Es ging ganz gut ohne die (etwa aus der TV-Arena) sattsam bekannten Methoden (Diffamieren, Desavouieren, Dreinreden). Denn zum Debattieren braucht es keinen Dreschflegel. Stattdessen galt etwa das Motto: Ich bin zwar ganz und gar nicht mit dir einverstanden, muss dir jetzt in diesem und jenem Punkt widersprechen, aber dennoch bist du ja als Mensch ganz ok.
Als es um das (leider auch in unserer Region präsente) Thema der häuslichen Gewalt ging, wart ihr sogar der gleichen Meinung: Es wird viel zu wenig dagegen unternommen. Und dass es in unserem Kanton (mit einer Bevölkerungszahl von rund 740 000 Personen) gerade einmal ein einziges Frauenhaus gibt (das zudem mit dem Kanton Solothurn geteilt wird), findet ihr genauso empörend wie die Tatsache, dass es fast 10 Jahre gedauert hat, bis die Schweiz endlich mit der Umsetzung der eingegangenen Verpflichtungen (aus dem Istanbuler Abkommen, unterzeichnet 2017) begann: Verbesserungen bei der Gewaltprävention, beim Opferschutz und bei der Strafverfolgung. Seit dem 1. Mai gibt es die lange erwartete, rund um die Uhr erreichbare landesweite Notrufnummer 142 der Opferhilfe. Dass die Ursachen von Gewalt an Frauen und Mädchen ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem sind, um das die politisch Verantwortlichen jedoch gerne einen Bogen machen, hat euch zu einem gemeinsamen Appell bewogen: Es geht uns alle etwas an. Und weibliche Stimmen und solche von jungen Menschen werden zu wenig gehört. Und es muss in diesem Bereich viel mehr getan werden. Denn gegen Gewalt in ihren zahlreichen (zunehmend auch digitalen) Erscheinungsformen und ihre Entstehung braucht es ein gemeinsames, entschlossenes Handeln.
Euer Engagement in der Schule (anschliessend an das Podium ging es an verschiedenen Info-Ständen weiter) ist von grossem Wert. Und findet hoffentlich Nachahmende bei den Schülerinnen und Schülern. Und stösst auf offene Ohren in deren Familien, bei politisch Interessierten und Aktiven. Denn es braucht Leute wie euch, vor allem auch junge, als Alternative zu Gleichgültigkeit, Schulterzucken und Weitermachen wie bisher.
Ich danke euch herzlich für euer Engagement. Und ich wünsche euch für euren weiteren politischen und persönlichen Werdegang Durchhaltevermögen und Erfolg.
PETER SCHMID, RHEINFELDEN
