«Irgendwann kommen wieder mehr Menschen in die Kirche»
27.07.2026 ZeiningenVor genau fünf Jahren kam Godwin Ukatu als leitender Priester in den Pastoralraum Möhlinbach. Nun zieht er weiter nach Biel und es tut ihm weh, das Fricktal zu verlassen.
Janine Tschopp
Er war richtig integriert in Zeiningen. So turnte er bei der Männerriege und war Mitglied ...
Vor genau fünf Jahren kam Godwin Ukatu als leitender Priester in den Pastoralraum Möhlinbach. Nun zieht er weiter nach Biel und es tut ihm weh, das Fricktal zu verlassen.
Janine Tschopp
Er war richtig integriert in Zeiningen. So turnte er bei der Männerriege und war Mitglied beim Schützenverein. Ursprünglich wollte er auch der Musikgesellschaft beitreten. «Drei Vereine und hundert Prozent arbeiten, wäre etwas viel gewesen», schmunzelt Godwin Ukatu, der in den letzten Jahren nicht nur intensiv arbeitete, sondern auch aktiv am Dorfleben teilnahm und viele Anlässe besuchte. Ziemlich genau vor fünf Jahren, am 1. August 2021, trat er seine Stelle als leitender Priester im Pastoralraum Möhlinbach an und zog ins Pfarrhaus in Zeiningen ein.
«Es war eine sehr bereichernde Zeit»
Wenn Godwin auf die letzten fünf Jahre zurückblickt, sagt er: «Es war eine sehr bereichernde Zeit mit zahlreichen wertvollen Erfahrungen, Begegnungen und Treffen. Ich habe vieles erlebt. Sowohl innerhalb der Kirche als auch darüber hinaus. Es war eine Phase meines priesterlichen Dienstes, in welcher ich ‹echten› Leuten begegnet bin und die Kultur erlebt hatte. Es war eine schöne, tolle Zeit.» Gab es auch Herausforderungen? «Ja, ganz am Anfang waren die Leute nicht so offen. Das hat mit der Kultur zu tun und ich habe das auch gut verstanden. Wenn sie dann aber Vertrauen gefasst hatten, waren sie viel offener.»
In Nigeria geboren
Godwin Ukatu wurde 1972 in Nigeria geboren und wuchs dort zusammen mit acht Geschwistern auf. Nach seinem Theologie- und Philosophiestudium arbeitete er während fünf Jahren in Nigeria. Später ging er nach Rom, wo er Liturgie studierte und promovierte. Von dort aus absolvierte er einen Sprachaufenthalt in Deutschland, um sich erste Deutschkenntnisse anzueignen. Als er vor sieben Jahren in die Schweiz kam, war er anfangs im Pastoralraum Region Brugg-Windisch tätig, anschliessend arbeitete er im Pastoralraum Pfaffnerntal Rottal Wiggertal. «Jede Gemeinde ist besonders», findet der Priester. Auch innerhalb des Wegenstettertals habe er Unterschiede erlebt. «Ob Möhlin, Zeiningen, Zuzgen, Hellikon oder Wegenstetten. Überall erlebte ich eine andere Kultur und eine andere Mentalität.»
«Ja, es tut weh»
«Ja, es tut weh», antwortet Godwin Ukatu auf die Frage, wie es sich für ihn anfühlt, das Fricktal zu verlassen. «Ich habe vieles erlebt. Und es war immer schön, die Menschen hier zu treffen. Was ich aber mitnehme, sind die Erfahrungen und dafür bin ich dankbar.» Es war der Bischof, der wünschte, dass Godwin Ukatu in anderen Gemeinden weitere Erfahrungen sammeln würde. «Schon als ich hier anfing, sagte der Bischof, dass ich sicher fünf Jahre da sein werde und wir dann weiterschauen würden», erklärt der Priester. Damals erwähnte er bereits gegenüber der NFZ, dass der zuständige Bischof im Arbeitsleben eines römisch-katholischen Priesters eine grosse Rolle spiele. Mit ihm werde geplant, in welche Pfarrei man als Nächstes und für wie lange entsandt würde. So wird Godwin Ukatu ab 1. August 2026 im Pastoralraum Biel-Pieterlen tätig sein. Er ist sehr zuversichtlich, dass er sich auch dort gut integrieren werde. Er hat bereits herausgefunden, dass es in Biel einen Schützenverein und im Nachbarsdorf eine Männerriege gibt. Zudem überlegt er sich, der in seiner Freizeit gerne Querflöte spielt, in Biel der Musikgesellschaft beizutreten.
Begleiten in guten wie in schlechten Zeiten
«Als Priester gibt man den Menschen viel und bekommt auch viel zurück», ist Ukatus Antwort auf die Frage, was er an seinem Beruf besonders schätzt. «Seelsorge bedeutet für mich, den Menschen als Ganzes im Blick zu haben. Mit seiner Seele, seinen Sorgen, Hoffnungen und Freuden. Ich bin sehr gerne mit Menschen unterwegs und begleite sie in guten wie in schwierigen Zeiten. Es tut gut, Menschen beistehen zu können und zu erleben, dass es ihnen dadurch besser geht.»Natürlich spüre man als Priester von einigen Menschen auch Widerstand gegen die katholische Kirche. Dazu sagt er: «Die Fehler, die in der Vergangenheit innerhalb der katholischen Kirche gemacht wurden, hätten nie geschehen dürfen. Entscheidend ist, dass daraus Konsequenzen gezogen wurden und Massnahmen ergriffen werden, um solche Vorkommnisse künftig zu verhindern.» Zudem weist er darauf hin, dass vielen Menschen, die aus der Kirche austreten, nicht bewusst sei, welche Aufgaben mit der Kirchensteuer finanziert würden. Diese trage dazu bei, das vielfältige kirchliche Leben vor Ort zu ermöglichen – von Seelsorge und Gottesdiensten über die Begleitung von Menschen in verschiedenen Lebenssituationen bis hin zu sozialen und kulturellen Angeboten der Kirchgemeinden.
Dass die Kirchen bei uns oftmals nicht voll seien, habe mit der Kultur zu tun. «In Nigeria zum Beispiel ist es Eltern wichtig, den Glauben ihren Kindern weiterzugeben», sagt Godwin Ukatu. In unseren Kulturen gebe es viele Menschen, die ihre Kinder nicht taufen, damit sie zu einem späteren Zeitpunkt selber entscheiden können, ob sie der Kirche beitreten wollen oder nicht. «So haben sie keine Beziehung zur Kirche», erklärt der Priester und meint: «Ich bin sicher, es wird irgendwann Zeiten geben, in welchen wieder mehr Menschen in die Kirche kommen werden.»
Zurück nach Nigeria?
Derzeit plant er keine Rückkehr in seine Heimat Nigeria. Ob er seinen Dienst auch weiterhin hier ausüben könne, entscheide letztlich sein Bischof. «Ich habe Respekt und eine grosse Verbundenheit mit meinem Heimatland. Gleichzeitig fühle ich mich dort zu Hause, wo ich lebe und wirke.»
Für die Zukunft wünscht er sich, in einer Pfarrei zu sein, die sich anfühle wie eine Familie und wo man Geborgenheit finden würde. «Ich möchte friedlich mit den Menschen unterwegs sein», sagt der Mann, der schon viel auf der Welt unterwegs war und sicher auch auf seiner weiteren Reise zahlreiche wertvolle Erfahrungen sammeln wird.
Morgen Samstag, 25. Juli, um 17.30 Uhr, wird Godwin Ukatu in Zeiningen den letzten Gottesdienst durchführen. Ein offizieller Abschieds-Gottesdienst gemeinsam mit seinem Nachfolger Ozioma Nwachukwu erfolgt am Samstag, 12. September, um 17.30 Uhr in der römisch-katholischen Kirche in Möhlin.
(jtz)

