«Ich möchte, dass man die Musik auch fühlt»
03.08.2025 RheinfeldenValerian Alfaré spielt auf dem Inseli
Nächste Woche findet das vierte Open Classics am Rhein auf dem Rheininseli statt. Am Samstag steht der aus Rheinfelden stammende, junge Euphonium-Spieler, Valerian Alfaré gemeinsam mit dem Sinfonieorchester Biel Solothurn auf der Bühne. Was bedeutet ihm dieser Auftritt?
Herr Alfaré, was bedeutet es Ihnen als Rheinfelder, beim Open Classics am Rhein mitzuwirken – noch dazu an einem solch besonderen Ort auf der Brücke zwischen zwei Ländern?
Es ist immer schön in der Stadt zu spielen, in der ich aufgewachsen bin. Rheinfelden ist seit über 20 Jahren meine Heimat und ich freue mich, wenn ich diesem Ort etwas zurückgeben kann mit meiner Musik. Die Konzerte auf dem «Inseli» imponierten mir schon die letzten Jahre sehr durch ihre stimmungsvolle Atmosphäre. Nun selbst ein Teil davon sein zu können, freut mich demnach umso mehr.
Das Euphonium ist ein eher selten solistisch eingesetztes Instrument in klassischen Konzerten. Was fasziniert Sie persönlich an diesem Instrument und was kann es, was andere Blechblasinstrumente nicht können?
Das Euphonium begeistert mich einerseits mit seinem unglaublich warmen und runden Klang in allen Lagen. Andererseits ermöglicht es auch eine spielerische Flexibilität zwischen lyrischen Qualitäten wie auch virtuoser Präzision. Zudem fasziniert mich der Gedanke, dass es meiner Meinung nach noch viele Möglichkeiten des Instruments zu entdecken gibt. Das Instrument hat in den letzten Jahren bereits einen grossen Fortschritt in Sachen Popularität und Repertoire gemacht, doch ich denke, wir haben noch lange nicht das gesamte Potenzial des Euphoniums ausgeschöpft.
Sie waren 2024 im Finale des Eurovision Young Musicians (EYM) in Bodø. Welche Bedeutung hat der EYM als Plattform für klassische Nachwuchstalente – und was bringt er speziell für ein seltenes Instrument wie das Euphonium?
Insgesamt ist der Wettbewerb natürlich eine riesige Chance für junge Talente, ihre Musik sowie ihre künstlerische Persönlichkeit auf einer grossen Bühne mit einem breiten Publikum teilen zu können. Gerade der Punkt der Sichtbarkeit ist in der Musikbranche enorm wichtig und zugleich sehr schwierig zu erreichen. Mir gab es somit unter anderem die Möglichkeit, das Euphonium als solistisches Instrument mit all seinen Qualitäten an ein neues Publikum zu vermitteln. Zudem fördert der EYM durch seine mehr «Show- und Performance-orientierte» Aufmachung auch Aspekte des Bühnenauftrittes vor Publikum, was in anderen klassischen Wettbewerben oft etwas verloren geht.
Beim Open Classics am Rhein spielen Sie ein Solo-Stück von Rossini – «Napoletana». Was erwartet das Publikum bei diesem Werk und wie passt es zum Motto des Abends «Cabaret d’été»?
Das Stück mit vollem Namen «La Danza Tarantella Napoletana» ist ursprünglich ein Lied vom italienischen Dichter Carlo Pepoli, komponiert von Gioachino Rossini. Meistens mit Gesang umgesetzt, erwartet das Publikum an diesem Abend eine Interpretation mit Blechblasinstrument. Dabei versuche ich insbesondere die Energie sowie die Leichtigkeit des Stückes hervorzuheben. Mit seinem fröhlich tänzerischen Charakter passt das Stück perfekt in die sommerliche Abendstimmung des abwechslungsreichen Programmes und ergänzt weitere gespielte Stücke von Rossini. Darunter mein zweites Solo-Stück, «Introduction, Theme and Variations for Clarinet and Orchestra», aus dem ich zwei Sätze spielen werde.
Was ist für Sie persönlich die grösste Herausforderung bei einem Open-Air-Konzert wie diesem und wie unterscheidet sich ein Sommerkonzert wie dieses von anderen klassischen Auftritten in Konzertsälen?
Aspekte wie das Wetter, Temperatur oder sogar Luftfeuchtigkeit können einen grossen Einfluss auf das Spielen haben. Ist es beispielsweise zu kalt, verändert sich die Intonation des Instrumentes und die Finger sind kalt und steif. Ist die Luft zu trocken, haben wir Bläser oft Probleme mit unseren Lippen. Auch die Akustik kann Open Air eine Herausforderung darstellen. Eine andere Resonanz der Instrumente, Verschwimmen von Details und mehr Störgeräusche sind alles Dinge, an die man sich etwas gewöhnen muss. Für mich ist jedoch die zauberhafte Stimmung, die man mit einem Konzert unter freiem Himmel hat, unvergleichlich und überwiegt jegliche Herausforderungen.
Was möchten Sie dem Publikum an diesem Sommerabend mitgeben – über die Musik hinaus?
Insgesamt möchte ich mit meiner Musik ein Teil eines Erlebnisses sein, bei dem das Publikum nicht nur hört, sondern auch fühlt. Denn meiner Meinung nach geht es in einem guten Konzert um mehr als nur richtige Noten. (mgt/nfz)
Programm
Freitag, 8. August, 20 Uhr:
Movie Classics: «Chicago»
Samstag, 9. August, 11 Uhr:
Open Stage, argovia philharmonic brass (Aarau), Jugendorchester Freiamt (Boswil)
Samstag, 9. August, 20 Uhr:
«Cabaret d’été», Sinfonieorchester Biel Solothurn TOBS! Yannis Pouspourikas, Leitung, Florence Losseau, Mezzosopran, Ouverture régional: Valerian Alfaré.
Die Konzerte finden auf dem Inseli unter freiem Himmel statt. Bei unsicherer Witterung wird in den Bürgersaal Rheinfelden (Baden) ausgewichen.

