Hiddigeigei
21.08.2026 Bad SäckingenWas wenige vermuten werden, auf der anderen Rheinseite, gegenüber von Stein in Bad Säckingen, hat sich eine Liebesgeschichte zugetragen, die Romeo und Julia nicht nachsteht, aber glücklich endete. Eine zentrale Rolle in dieser Geschichte kommt dabei einem Kater zu.
Petra Schumacher
...Was wenige vermuten werden, auf der anderen Rheinseite, gegenüber von Stein in Bad Säckingen, hat sich eine Liebesgeschichte zugetragen, die Romeo und Julia nicht nachsteht, aber glücklich endete. Eine zentrale Rolle in dieser Geschichte kommt dabei einem Kater zu.
Petra Schumacher
Es ist die längste gedeckte Holzbrücke Europas, die das Fricktal mit dem Badischen verbindet. Verborgen hinter dieser Brücke hat sich eine Geschichte zugetragen, die noch heute von sich reden macht. Aufgegriffen hat die historisch belegte Begebenheit Joseph Victor von Scheffel der, 1849 als frisch promovierter Doktor der Rechte, nach Bad Säckingen kam und dort von dem Liebesdrama hörte.
Das Liebesdrama
Die lokale Sage wird in Versform erzählt, ähnlich, wie man es von Cyrano de Bergerac kennt. Die Geschichte besagt, dass der junge Werner Kirchhofer, ein begnadeter Trompeter, öfter mit seinem Ensemble im Säckinger Schloss der Freiherren von Schönau spielte. So lernt Werner die Tochter des Freiherren kennen und auch lieben. Als der Vater dies bemerkte, schickte er seine Tochter als Hoffräulein an den kaiserlichen Hof in Wien. Werner erfährt von seiner Liebsten, dass sie getrennt werden, und begibt sich mit seinem Musikensemble auf Wanderschaft, die ihn letztlich auch nach Wien führt. Dort wird sein musikalisches Talent erkannt, was ihm die Stelle eines Hofkapellmeisters eröffnet. Durch das Zutun des Kaisers wird Werner in den Adelsstand erhoben und die eheliche Verbindung der zwei Liebenden ermöglicht, die dann gemeinsam an den Rhein zurückkehren.
Der Kater hat die Hauptrolle
Natürlich handelt es sich um eine rührende Liebesgeschichte, doch der eigentliche Star in dieser Erzählung ist jemand anderes. Joseph Victor von Scheffel hat die Hauptrolle nämlich einem Kater gegeben. Das Besondere: Der schlaue, sprechende Kater Hiddigeigei führt als Erzähler durch die Geschichte und macht sich dabei mit frechen Sprüchen über das Liebesdrama der Menschen lustig. Und nicht nur das, er bewegt sich auf den Dächern oberhalb der Stadt, von wo aus er den Leuten «ufs Muul luegt» und so manche Sache beobachtet, die nicht mit rechten Dingen zugeht. Hiddigeigei ist alles, nur kein Schmusekater. Er ist ein stolzer, grünäugiger, schwarzer Kater mit mächtigem Schweif. Der arme Kater fürchtet sich vor dem Alter und beschreibt den Niedergang der Menschen und der Dichtung. Und er fragt sich stets auch dies: «Warum küssen sich die Menschen?»
Aus dem Gesang des Katers:
Von des Turmes höchster Spitze
Schau’ ich in die Welt herein,
Schaue auf erhab’nem Sitze
In das Treiben der Parteien
Und die Katzenaugen sehen,
Und die Katzenseele lacht,
Wie das Völklein der Pygmäen
Unten dumme Sachen macht.
Im Verborgenen
«Der Trompeter von Säckingen» prägt noch heute das Stadtbild. Gerade die Abbildung des Trompeters begegnet einem vielerorts. Beim Kater ist es etwas anders, den muss man suchen. So steht verborgen hinter dem Rathaus der Katerbrunnen und versteckt im Schlosspark, seitlich vom Schloss, befindet sich das Figurenensemble «Hiddigeigei». In der Rheingasse, neben der ehemaligen Tabacceria, schaut der Kater als Skulptur von oben herab und unvermutet findet man auf dem Bahnhofsvorplatz 13 Kalkstein-Stelen, die in Wort und Bild philosophische Ansichten des Katers Hiddigeigei über die Menschen aufzeigen.
Am besten begibt man sich zu Fuss auf die Spuren des Katers Hiddigeigei. Ein Rundgang lässt sich selbst zusammenstellen oder im Tourismusbüro als Stadtführung oder als Nachtwächterführung buchen. Für den Familienausflug bietet sich die Kater-Rallye durch die Altstadt an. Die Unterlagen hierfür bekommt man kostenfrei.
Hat man als Besucher seine geschichtsträchtige Runde durch das «Städtli» gemacht, lässt es sich in einer der Gelaterias oder im Café im Schlosspark verweilen. Vom Café aus hat man übrigens einen wunderbaren Panoramablick über den Rhein rüber aufs Fricktal.
Frei zugänglich
Der Schlosspark und das Café sind im Sommer täglich geöffnet. Der Park ist kostenfrei zugänglich.
Informationen zu Rundgängen und der Rallye gibt es in den beiden roten Telefonzellen in der Innenstadt oder im Tourismusbüro, wo auch Stadtführungen gebucht werden können oder unter www.badsaeckingen.de





