Stadt plant Ein- und Auszonungen im grossen Stil
18.08.2026 WirtschaftIm Osten von Rheinfelden sollen im Gebiet Chleigrüt 8,2 Hektaren Arbeitszone ausgezont und in der Neumatt 7,9 Hektaren eingezont werden. Dies beabsichtigt der Stadtrat im Rahmen der Revision der Nutzungsplanung.
Valentin Zumsteg
Im Gebiet Chleigrüt in Rheinfelden treffen ...
Im Osten von Rheinfelden sollen im Gebiet Chleigrüt 8,2 Hektaren Arbeitszone ausgezont und in der Neumatt 7,9 Hektaren eingezont werden. Dies beabsichtigt der Stadtrat im Rahmen der Revision der Nutzungsplanung.
Valentin Zumsteg
Im Gebiet Chleigrüt in Rheinfelden treffen unterschiedliche Interessen aufeinander – dessen ist sich der Stadtrat bewusst. «Es hat sich gezeigt, dass die Zonierung gemäss geltender Nutzungsplanung von 2004 unpraktikabel ist», heisst es in der Dokumentation zur laufenden Nutzungsplanrevision. Um Raum und Boden sinnvoll zu nutzen, soll deshalb die bestehende Arbeitszone Richtung Osten in das Gebiet Neumatt verschoben werden.
Ein- und Auszonungen halten sich die Waage
Konkret sieht das so aus: Von heute 10 Hektaren A rbeitszone im Chleigrüt, die sich im Besitz der Einwohnergemeinde (85 Prozent) und der Ortsbürger (15 Prozent) befinden, sollen insgesamt 8,2 Hektaren ausgezont werden; 6 Hektaren in die Landwirtschaftszone und 2,2 Hektaren in die Naturschutzzone. Damit verbleiben im Osten des Gebiets 1,8 Hektaren in der Arbeitszone. «Diese wird nach Osten erweitert; 7,9 Hektaren werden eingezont zur Arbeitszone», so die Absicht des Stadtrats. Unter dem Strich sollen dort also 0,3 Hektaren weniger eingezont als ausgezont werden. Dazu betont der Stadtrat aber: «Die ungenutzte Arbeitszonenfläche wird für Arrondierungen im übrigen Siedlungsgebiet genutzt.» Über den gesamten Gemeindebann betrachtet, sollen sich also Ein- und Auszonungen die Waage halten.
Der Stadtrat sieht verschiedene Vorteile bei diesem Vorgehen:
«Mit der Umlagerung des Arbeitsplatzgebietes wird zum einen der grüne Gürtel entlang des Rheins mit seinem Wildtierkorridor gestärkt und zum anderen das Arbeitsplatzgebiet Rheinfelden Ost zu einer kompakten Siedlung zusammengefasst.» Dies erleichtere die Erschliessung und Versorgung des Gebietes und ermögliche Synergien zu den bestehenden Arbeitsplatzarealen.
Fruchtfolgefläche muss kompensiert werden
Das Gebiet, das in die Arbeitszone eingezont werden soll, besteht heute aus Fruchtfolgeflächen. Diese müssen laut Bundesgesetz kompensiert werden. «Mit der Auszonung in die Landwirtschaftszone und der Aufwertung bestehender Böden ist es möglich, die Fruchtfolgeflächen fast vollständig in unmittelbarer Nähe zu kompensieren», hält dazu der Stadtrat fest. Andererseits ist der Oberboden im Chleigrüt nach lang jähriger Nutzung als Kiesgrube nicht ideal. Mit dem guten Oberboden aus dem nahen Gebiet Neumatt könne im Chleigrüt aber eine Fruchtfolgef läche aufgebaut werden; dies ohne lange Transportwege.
Ein Thema im Zusammenhang mit der Diskussion um das Chleigrüt ist der Wildtierkorridor, der durch das Gebiet führt. «Die teilweise Auszonung in eine Naturschutzzone unterstützt dessen Funktion als Wandergebiet und Lebensraum für Tiere und Pf lanzen», sind die Verantwortlichen der Stadt überzeugt. «Die Nutzungsplanung enthält konkrete Bestimmungen, die sicherstellen, dass die Durchgängigkeit für Wildtiere auch in der Landwirtschaftszone bleibt», heisst es weiter. Künftig benötigen permanente Barrieren wie Maschendrahtzäune, Tiergehege und Folientunnel eine Baubewilligung.
Gemäss Stadtrat handelt es sich bei diesem Vorschlag um die beste Variante aus einem Dialogprozess, an dem die Ortsparteien, Vertretungen von Gewerbe, Landwirtschaft und Wirtschaft sowie der Verein Chleigrüt und der Natur- und Vogelschutz Rheinfelden beteiligt waren.
Der Verein Chleigrüt und auch der Natur- und Vogelschutz Rheinfelden wünschen sich aber etwas anderes, als der Stadtrat vorschlägt: «Mit unserem Anliegen, das gesamte Chleigrüt unbebaut zu belassen und der Natur zu widmen, richten wir uns nicht gegen das Gewerbe, vielmehr möchten wir eine Gesamtlösung finden, die der Natur, der Bevölkerung und dem Gewerbe langfristig am besten dient», hat Albi Wuhrmann, Präsident des Natur- und Vogelschutz Rheinfelden, kürzlich in einem Newsletter festgehalten. Die Diskussion geht also weiter.

