Grosse Bedeutung von Pharma für die Schweiz
20.08.2026 WirtschaftRoche-CEO Thomas Schinecker verdeutlichte auf dem Wirtschaftstreffen der FDP in Rheinfelden die Bedeutung der Pharmabranche für die Region und für die Schweiz. Nationalrätin Patricia von Falkenstein warf der Regierung zu langsame Entscheidungen bei Medikamenten vor.
Boris Burkhardt
...Roche-CEO Thomas Schinecker verdeutlichte auf dem Wirtschaftstreffen der FDP in Rheinfelden die Bedeutung der Pharmabranche für die Region und für die Schweiz. Nationalrätin Patricia von Falkenstein warf der Regierung zu langsame Entscheidungen bei Medikamenten vor.
Boris Burkhardt
Patricia von Falkenstein, LDP-Nationalrätin aus Basel, setzt sich für die Pharmaindustrie in der Nordwestschweiz ein: «Vielen Kritikern ist nicht klar, wie viele Steuern der Staat durch die Pharmabranche einnimmt. Das muss man zum Teil auch denen erklären, die in Bern im Parlament sitzen.» Thomas Schinecker, CEO der Roche Group, setzt sich für die Pharmaindustrie in der Schweiz ein: «Die Weltsituation hat sich massiv verändert. Konzerne wie Roche finden immer eine Lösung; aber ich will, dass die Schweiz als Standort stark bleibt.»
«Die Schweiz muss wettbewerbsfähig bleiben»
Mathias Zadrazil, General Counsel des Weltpharmaverbands IFPMA, setzt sich für die Schweizer Pharmaindustrie in der Welt ein: «Uns geht es gut. Aber das ist keine Garantie. Die Schweiz muss wettbewerbsfähig bleiben.» Bruno Tüscher, FDP-Grossrat und Gemeindeammann von Münchwilen, setzt sich für die Pharmaindustrie im Fricktal ein: «Wenn einer der grossen Konzerne wegzieht, brechen uns die KMU weg, die Quellensteuern der Grenzgänger fehlen und alle Einwohner spüren dies. Dann haben wir ein Riesenproblem im Fricktal.» Alle vier trafen am Dienstag zusammen auf dem Podium des diesjährigen Wirtschaftstreffens der FDP der Bezirke Rheinfelden und Laufenburg im Hotel Schützen in Rhein felden. Thema war der «Standortwett bewerb um Pharma am Beispiel Roche – was wir jetzt tun müssen». Den Abend moderierte der Unternehmensberater Niklaus Leemann. Bezirks-Präsidentin Gaby Gerber freute sich über die «zu 100 Prozent ausgebuchte» Veranstaltung und rechnete diesen Erfolg dem Roche-CEO als Hauptgast an.
«Hoffnung ist keine Strategie»
Schinecker hatte in seinem Referat zu Beginn der Veranstaltung in Zahlen die Relevanz der Pharmaindustrie für die Schweiz dargelegt: Die Branche stelle 41 Prozent des Warenexports, investiere jährlich sieben Milliarden Franken und habe ihre Arbeitsplätze in den vergangenen 20 Jahren massiv gesteigert. Um diese Zahlen zu halten, müssten in der Schweiz wieder mehr Innovation gefördert werden und politische und verwaltungstechnische Entscheidungsfindungen drastisch beschleunigt werden.
«China leg t eine massive Geschwindigkeit vor», betonte Schinecker: «Dieses Verständnis müssen wir sowohl in der Öffentlichkeit als auch auf politischer Ebene stärker verankern.» Die politische Situation werde sich in China und den USA in absehbarer Zeit nicht ändern; darauf müsse sich die Schweizer Wirtschaft einstellen: «Hoffnung ist keine Strategie.» Er fördere deshalb in seinem Unternehmen die Leistungsbereitschaft. Um im internationalen Wettbewerb erfolgreich zu bleiben, müssen vor allem jene belohnt werden, welche Spitzenleistungen erbringen.
Ob man in der Schweiz jemals zu Entscheidungen innert einer Woche kommen könne wie laut Schinecker in China, bezweifelte von Falkenstein: «In der Schweiz wird es nie ein ‹Schnell-Schnell› geben.» Aber auch die Politikerin kritisierte, dass das Bundesamt für Gesundheit (BAG) so lange braucht, um ein Medikament zuzulassen und seinen Preis festzulegen. Auch müsse zur Forschung der Datenschutz der Patienten gelockert werden: «Der Bundesrat muss sich endlich bewusstwerden, wie wichtig die Pharmaindustrie für die Schweiz ist.»
Einig waren sich die Podiumsteilnehmer über die Standortvorteile der Schweiz. «Die Ausbildung auf den Schweizer Hochschulen wie der ETH ist Weltklasse», sagte Schinecker. Damit dies so bleibe, dürfe die Politik nicht an der Ausbildung sparen und müsse die Bürokratie abbauen, um Spitzenkräfte in die Schweiz zu holen, mahnte von Falkenstein. Zadrazil warnte vor der wachsenden Konkurrenz: «Grossbritannien setzt neue Anreize, weil es keine EU-Regeln mehr beachten muss; Skandinavien lockt mit individuellen Steuern, die USA punkten mit dem Gehalt; und Singapur hängt sich enorm in die Entwicklung seines Life-Science-Standorts.»
Aus lokaler Sicht weiss Gemeindeammann Tüscher, dass Ex-Pats Wert auf eine gute Erreichbarkeit ihres Arbeitsplatzes legen: «Viele, die mit ihren Familien hier sind, ziehen sehr gerne aufs Land.» Top-Arbeitsplätze könne eine Gemeinde wie Münchwilen selber nicht bieten: «Aber alles drumherum.» Sorgen machen Schinecker die finanziellen Rahmenbedingungen. Der starke Franken habe den Standort Schweiz im weltweiten Vergleich zu den Zahlen vor 20 Jahren um mehr als 20 Prozent verteuert. Die niedrigen Steuern seien ein Grund, dass sich die Pharmakonzerne in der Schweiz niederliessen; aber die Einführung der OECD-Steuer und «massive Subventionen» anderer Länder nivellierten diesen Vorteil derzeit. Von Falkenstein stimmte zu: «Die Mischung aus Anreizen muss stimmen. Konzerne können heute ganz einfach den Standort wechseln.»

