«Fährmann, führ rüber»
05.05.2026 MumpfMumpfer Fähre eröffnet die Saison mit neuem Fährihüsli
Sie hat eine wechselhafte Geschichte und schon einige stürmische Zeiten erlebt – ursprünglich als wichtiges Transportmittel gebraucht, dient die Mumpfer Fähre heute gelebter Heimatkunde.
...Mumpfer Fähre eröffnet die Saison mit neuem Fährihüsli
Sie hat eine wechselhafte Geschichte und schon einige stürmische Zeiten erlebt – ursprünglich als wichtiges Transportmittel gebraucht, dient die Mumpfer Fähre heute gelebter Heimatkunde.
Petra Schumacher
Die Fähre startet mit Neuigkeiten in die neue Saison. «Das ganze Fährhäuschen, inklusive Boden, wurde erneuert und der Holzsteg ebenfalls», erklärt Gemeinderat Urs Müller. «Traditionell wird bei uns in Mumpf die Saisoneröffnung der Fähre gefeiert. Wir freuen uns, dass die Kulturkommission den Anlass immer wieder organisiert.» Die «Alphorngruppe Kaisten» liess zur Freude aller Anwesenden am 1. Mai ihre Alphörner am Rhein erklingen. Bei schönstem Wetter waren zahlreiche Gäste gekommen, die sich am Grill verköstigten, um dann die erste Fährfahrt zu geniessen.
Fährgeschichte
Für einen geschichtlichen Exkurs lohnt der Blick in das Buch «Mumpfer Fähri» von Hans Widmer. Das Mumpfer Fährrecht ist seit 1535 verbrieft, wie die vorhandene Originalurkunde aufzeigt. Dieser Urkunde ist auch zu entnehmen, dass das Fährrecht noch viel älter sein muss. So geht die Entstehungsgeschichte wohl auf das frühe Mittelalter, als Verbindung mit dem Stift Säckingen für den Markt- und Wallfahrtsverkehr, zurück. 1810 entstand die erste Fährordnung. Die Fähre verkehrte zu dieser Zeit täglich und führte mindestens je 198 Personen «über de Bach», wie es in Mumpf heisst. Der Fährmann musste in ständiger Bereitschaft stehen und auf den Ruf «Fährmann, führ rüber» reagieren. 1928 wurden die Fähröffnungszeiten geändert, aber nach wie vor war die Fähre das ganze Jahr durch bedient und wurde rege von den in Säckingen beschäftigten Fabrikarbeitern aus Mumpf, Obermumpf, Zuzgen und Zeiningen genutzt.
Mumpfer Fährmänner
Das Fährgeschäft wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der Ortsbürgergemeinde jährlich versteigert. Die Ersteigerer waren Mumpfer, die mehrheitlich auch den Dienst als Fährmänner versahen. Und so alt wie der Fährbetrieb ist, so lang sind auch die bürokratischen Anweisungen. Die zuletzt bekannte «bezirkspolizeiliche Vorschrift für den Betrieb der Rheinfähren im Bezirk Rheinfelden des Badischen Bezirksamtes Säckingen» stammt vom 1. November 1935 und besagt unter anderem: «Als Fährleute dürfen nur sachkundige, kräftige, dem Trunke nicht ergebene Männer mit normalen Gesichts- und Gehörorganen verwendet werden».
Von den Pontonieren im Ehrenamt geführt
Wie im Ersten wurde auch im Zweiten Weltkrieg der Fährbetrieb eingestellt und erst 1951 wieder eröffnet. Seit 1960 betreibt der Pontonierfahrverein Mumpf ehrenamtlich die Fähre vom 1. Mai bis 30. September an Sonn – und Feiertagen für einen Fahrpreis von 1 Franken oder 1 Euro. Mit diesen Einnahmen können die Betriebskosten nicht gedeckt werden. Von dem alljährlichen ungedeckten Ausgabenüberschuss tragen in nachbarlicher Übereinkunft die Stadt Bad Säckingen zwei Drittel und die Gemeinde Mumpf ein Drittel.
Frag mal «de Fährimaa»
Die Fähre wird schon lange nicht mehr von Fabrikarbeitern benutzt, dafür umso mehr von Wanderern und Velofahrern und ist vielmals eine Attraktion für Auswärtige. Auch zum jährlichen Fischessen der Mumpfer Pontoniere Anfang August gehört der Fährbetrieb traditionell dazu. «Zu den Fischknusperli braucht es für viele die Fahrt über den Rhein. ‹De Fährimaa› bringt die Leute nicht nur auf die andere Rheinseite, sondern gibt Auskunft über Wissenswertes aus der Region oder erzählt die alten Geschichten. Das mögen die Leute. Unsere Fähre ist gelebte Heimatkunde», so Urs Müller.

