«Es ist eine sehr grosse Ehre»
26.07.2026 Herznach-UekenIn Ueken, im Wohnzimmer von Hanspeter Leuenberg, hängt seit kurzem ein ganz besonderer Wandschmuck: die Fahne des Eidgenössischen Jodlerverbands. Kommt sie zum Einsatz, steht der Fricktaler an ihrer Seite.
Simone Rufli
Ein Foto mit der Fahne? «Gerne», sagt Hanspeter Leuenberg, ...
In Ueken, im Wohnzimmer von Hanspeter Leuenberg, hängt seit kurzem ein ganz besonderer Wandschmuck: die Fahne des Eidgenössischen Jodlerverbands. Kommt sie zum Einsatz, steht der Fricktaler an ihrer Seite.
Simone Rufli
Ein Foto mit der Fahne? «Gerne», sagt Hanspeter Leuenberg, bindet noch schnell die Krawatte um und knöpft das Gilet seiner Aargauer Sonntagstracht zu. Dann trägt er das von Hand bestickte Werk aus Seide sorgfältig hinaus in den Garten.
Als am Abend des 28. Juni das Eidgenössische Jodlerfest in Basel zu Ende ging, war Hanspeter Leuenberg zur Stelle. Der Eidgenössische Fähnrich hat die Fahne des Jodlerverbands eingerollt und verpackt mit dem Zug ins Fricktal transportiert, wo sie auf dem Platz vor dem Gemeindehaus in Frick zum Empfang des örtlichen Jodlerklubs noch einmal zum Einsatz kam, bevor Leuenberg sie mit nach Ueken nahm. Dort bleibt die Fahne nun bis zum nächsten Eidgenössischen Jodlerfest in Burgdorf im Jahr 2029.
Auf Vorschlag des Basler OK
Zum Eidgenössischen Fähnrich gewählt wurde Hanspeter Leuenberg bereits im Jahr 2019, als Corona noch kein Thema waren und die Vorfreude aufs Eidgenössische Jodlerfest in Basel im Jahr 2020 ungetrübt. Es kam anders, aus Basel 2020 wurde Basel 2026. «Gewählt wurden der Vize-Fähnrich Sepp Laube und ich damals von den Delegierten des Eidgenössischen Jodlerverbands auf Vorschlag des Organisationskomitees in Basel.» Er lacht. «Eine Kampfwahl gab es nicht.» Beziehungen und Netzwerke seien wichtig, um vorgeschlagen zu werden, die Wahl an sich am Ende meist Formsache. «Eidgenössischer Fähnrich zu sein, ist eine sehr grosse Ehre, aber das Amt ist auch mit vielen Anlässen verbunden. Darum teilen der Vize und ich uns die Aufgaben.»
Schwingen, Hornussen, Musik – wenn diese Verbände ein eidgenössisches Fest haben, kommt die Fahne zum Einsatz, aber auch bei traurigen Anlässen. «Stirbt ein Jodler, ein Fahnenschwinger oder ein Alphornbläser mit eidgenössischer Auszeichnung, werden die Angehörigen angefragt, ob die Fahne beim Abschied dabei sein soll», erklärt Hanspeter Leuenberg. Eidgenössische Feste stehen in nächster Zeit nicht an, das nächste ist das Schwingfest im August 2028 in Thun. Einsätze an Beerdigungen hoffe er, möglichst wenige zu haben.
Mit 47 zum Fahnenschwingen
Der Fähnrich ist entweder ein Fahnenschwinger, ein Jodler oder ein A lphornbläser. Hanspeter Leuenberg ist Fahnenschwinger. Wobei er das erst im Alter von 47 Jahren geworden sei, so der 68-Jährige. Gelernt hatte er Koch, später war er viele Jahre lang als Lastwagenchauffeur unterwegs, bevor er im Jahr 2005 das Fahnenschwingen zum Hobby machte. «Damals habe ich durch meine Partnerin einen Alleinunterhalter aus dem Wallis kennengelernt, der auch ein begeisterter Fahnenschwinger ist.»
Anstatt lange andere zu beobachten und die Kunst des Fahnenschwingens zu studieren, riet ihm Walter Schwarz aus Frick, gleich zur Tat zu schreiten. «Mein Glück war, dass ich fünfmal pro Woche in der Turnhalle in Ueken trainieren konnte.» Bereits zwei Jahre später, im Jahr 2007, nahm er erfolgreich am Nordwestschweizerischen Jodlerfest in Frick teil, im Jahr darauf am Eidgenössischen in Luzern. Seither hat Hanspeter Leuenberg an vielen Wettkämpfen teilgenommen, viele Podestplätze gewonnen und vor vielen Juroren im Einzel oder im Duett die Aargauer Fahne geschwungen. «Für mich ist es die schönste Kantons-Fahne. Es ergibt sich ein wunderschönes Bild, wenn sie durch die Luft gewirbelt wird.»
Tracht und Fahne eine Einheit
Es gibt 49 verschiedene Schwünge, von denen Leuenberg ca. 30 beherrscht; jeweils drei Minuten dauert eine Darbietung vor den Juroren. Jeden Schwung, den er rechts ausführt, muss er auch links beherrschen und ganz gleich, ob er die Fahne zwei oder drei Mann hoch wirft, auf einen Ausfallschritt beim Auffangen verzichtet er besser, denn das gibt einen Abzug. Juroren sind jeweils drei am Werk, der eine mit Blick auf den Boden, der zweite folgt mit dem Blick der Fahne und der dritte achtet auf die Einhaltung der Regeln bei den Schwüngen. «Ganz wichtig ist, dass die Tracht zur Fahne passt. Ich trage immer die Aargauer Sonntagstracht.»
Drei Jahre lang – bis zum Eidgenössischen Jodlerfest 2029 in Burgdorf – ist die Eidgenössische Fahne nun also im Fricktal zu Gast. «Aber an der Wand hier will ich sie nicht so lange», Hanspeter Leuenberg schmunzelt. «Das hat meine Partnerin gesagt.» Ihr Wunsch wird sich bald erfüllen. Ist der Fahnenkasten bereit, bekommt das edle Stück Tuch einen Platz im Eingangsbereich der Turnhalle in Ueken.
Leihfahnen zum Probeschwingen
Wichtiger als Kraft seien beim Fahnenschwingen Technik und Konzentration, erklärt Hanspeter Leuenberg. Mit einer Fahne der Grösse 80 mal 80 Zentimeter könnten daher auch Kinder ausprobieren, ob sie Gefallen finden am Fahnenschwingen. Die Fahnenschwinger-Vereinigung Nordwestschweiz stellt Leihfahnen in unterschiedlichen Grössen zur Verfügung.
Trainiert wird am Montagabend in Liestal, am Donnerstagabend in Wildegg (Möriken-Wildegg) und am Sonntagmorgen in Villmergen. Mitfahrgelegenheiten bestehen ebenfalls. Weitere Infos und Anmeldung zum Probetraining unter: www.fahnenschwingen-nwsjv.ch
(sir)

