Eine lohnende Broschüre zum ökologischen Zustand
22.05.2026 LeserbriefeMan kennt sie kaum, – und weiss nicht warum: Unser Kanton veröffentlicht immer wieder in einem gut lesbaren und illustrierten Heft Artikel zu unserer Umweltsituation. Das Heft «Umwelt Aargau» ist unkompiziert und gratis zu abonnieren. Im Vorfrühling dieses Jahres ...
Man kennt sie kaum, – und weiss nicht warum: Unser Kanton veröffentlicht immer wieder in einem gut lesbaren und illustrierten Heft Artikel zu unserer Umweltsituation. Das Heft «Umwelt Aargau» ist unkompiziert und gratis zu abonnieren. Im Vorfrühling dieses Jahres erschien die Jubiläumsausgabe Nr. 100, und diese allein lohnt schon die Lektüre.
In der Lokalpresse werden wir über Ereignisse unserer Region informiert, diese werden aber in «Umwelt Aargau» in einen grösseren Zusammenhang gestellt. Ein Beispiel: Die Burgunderblut-Algen bedrohen nicht nur unser Rheinufer, sie führen auch immer wieder zu den Algenblüten im Hallwilersee. Diese müssen mit einer teuren Belüftungsanlage bekämpft werden: Der Grund: Die giftigen Blaualgen werden mit der luzernischen Gülle gedüngt.
Jeder Artikel ist vom verantwortlichen Autor samt seiner Telefonnummer gezeichnet. Man kann also Fragen direkt an die betreffende Fachperson stellen. Auch hier ein Beispiel: Es wird die Frage jucken, warum der Kanton dem schädlichen Ammoniak aus der Gülle nur mittels «Schleppschuh» fertig werden will – und nicht mit den in Deutschland üblichen und viel wirksameren Biogasanlagen. In Kaisten steht eine solche Anlage – das Beispiel hat keine Schule gemacht. Warum zieht man im Aargau die halbe Lösung einer ganzen vor?
Ein weiteres Thema im erwähnten Heft betrifft die Waldwirtschaft. Diese führt ja nicht nur im Bözberggebiet zu oft heftigen Protesten. «Umwelt Aargau» publiziert dazu interessante Daten und Befunde:
– Neophyten gedeihen im gelichteten Wald weit besser als bei geschlossener Walddecke.
– Seit 1998 nahm der stehende Holzvorrat um 20 % ab (Ausdünnung).
– Seit 1998 haben sich die Mengen von verkauftem Stamm- und Industrieholz halbiert.
– Seit 1998 hat sich die Menge von E-Holz (Holzschnitzel) verdreifacht (!).
– Seit 60 Jahren hat sich die Aare (und damit auch der Rhein) um 2 Grad erwärmt.
Diese Angaben müssen im Zusammenhang gesehen werden: Deutlich wird, dass die Ortsbürgergemeinden mit der eindrücklichen Fokussierung auf E-Holz-Verkäufe die «Karboniserung» (Verbrennung) fördern – statt die zeitgerechte «De-Karbonisierung». Hier muss auch wieder erwähnt werden, dass die Holzverbrennung das Doppelte an CO2 freisetzt wie die entsprechende Gasverbrennung. Aber die Forderung des Klimas ist eindeutig: Wir müssen unsere Wärme nicht mehr aus Verbrennungen beziehen, sondern aus direkter Nutzung der Sonnenenergie (z. B mit Wärmepumpen). Der Boom der E-Holz-Produktion ist also ein Weg in die Sackgasse. Hier muss der Befehl eines Filmtitels zur Anwendung kommen: «Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück!»
Das Ökosystem Wald wird es danken!
JÜRG KELLER, RHEINFELDEN
