Eine Gemeindeversammlung mit vielen Emotionen
12.06.2026 ZeiningenVerabschiedung der ehemaligen Gemeindepräsidentin Gisela Taufer
Es war ein böses Ende für 24 Jahre harte Arbeit im Gemeinderat, davon ein Drittel als Präsidentin. Vergangenen Herbst in Zeiningen wurde Gisela Taufer (FDP) sowohl als Präsidentin wie als Gemeinderatsmitglied ...
Verabschiedung der ehemaligen Gemeindepräsidentin Gisela Taufer
Es war ein böses Ende für 24 Jahre harte Arbeit im Gemeinderat, davon ein Drittel als Präsidentin. Vergangenen Herbst in Zeiningen wurde Gisela Taufer (FDP) sowohl als Präsidentin wie als Gemeinderatsmitglied überraschend abgewählt. Das traf sie derart hart, dass sie tief enttäuscht per sofort zurücktrat. Um die Wunden wenigstens ein bisschen zu heilen, fand als Traktandum 11 an der Gemeindeversammlung am Mittwoch nun eine offizielle Verabschiedung und Ehrung statt.
Edi Strub
Es sei in den Wochen vor den Wahlen eine regelrechte Kampagne gegen sie geführt worden, klagte Gisela Taufer damals. Jetzt sei genug. Sie könne diese Niederlage nicht verstehen. In beiden Wahlen davor war sie mit einem Glanzresultat völlig unbestritten gewählt worden. Und nun das. Taufer sei eine Politikerin gewesen, die alles gab, die mit Herzblut kämpfte für das, woran sie glaubte, sagte Ralf Wunderlin als Vertreter des Gemeinderates in seiner kurzen Ansprache am Mittwoch. Ihr Engagement und Arbeitseifer seien fast grenzenlos gewesen. Sie sei zudem eine Brückenbauerin gewesen, die immer versucht habe, den manchmal auseinanderstrebenden Gemeinderat und die Gemeinde zusammenzuhalten. Er selbst verdanke ihr viel. Sie habe ihm eines Tages vorgeschlagen, doch für ein Amt in der Gemeinde zu kandidieren. Und er sei ihr dankbar dafür, er habe es nie bereut.
Das sagt Gisela Taufer
Gisela Taufer musste vor ihrer Dankesrede zuerst mal tief durchatmen. Es seien sehr viele Emotionen mit diesem Augenblick verbunden. Dann aber mahnte sie ihre ehemaligen Kollegen und die neuen Gemeinderäte, füreinander Respekt zu zeigen und sich an die Rechtsstaatlichkeit zu halten. Sie dankte allen für die vielen guten, manchmal aber auch nicht so guten Stunden im Rat. Ganz besonders stolz sei sie, dass die neue Mehrzweckhalle, für die sie gekämpft habe, im Sommer dem Betrieb übergeben werden könne. Sie hätte das gerne im Amt erlebt, obschon gerade dieses Vorhaben zu vielen Diskussionen und Konflikten geführt hat. Denn eigentlich ist sie zu teuer für die kleine Gemeinde und belastet die Gemeindefinanzen auf Jahre hinaus sehr stark. Für eine Anhebung des Steuersatzes fand sich nie eine Mehrheit. Und so wurde denn auch an der Gemeindeversammlung am Mittwoch beraten, wie man die alte Mehrzweckhalle durch einen Verkauf zu Geld machen könne, um die angeschlagenen Gemeindefinanzen zu entlasten. Der neue Gemeinderat schlug vor, sie an die Ortsgemeinde zu verkaufen, damit diese daraus zum Beispiel eine genossenschaftliche Wohnsiedlung machen könne. Doch die Meinungen darüber, ob das zielführend sei, gingen in der nachfolgenden chaotischen Diskussion weit auseinander. Das letzte Wort ist da offenkundig noch nicht gesprochen.
Einbürgerung künftig in Händen des Gemeinderats
Bei den anderen Geschäften an der Gemeindeversammlung war man sich dagegen weitgehend einig: Unter anderem bewilligte die Gemeindeversammlung 427 000 Franken für die vom Gesetz in Zukunft geforderten Smartmeter. Bis Ende 2027 müssten in 80 % der Haushalte Smartmeter installiert sein. Das sei vor allem für die Besitzer von Solarpanels unerlässlich und habe sich im Pilotbetrieb bewährt. Die Kosten dafür würden dem Stromtarif zugeschlagen, was verkraftbar sei, da der Strompreis ja gesunken sei.
Zugestimmt hat die Gemeindeversammlung ebenfalls der neuen Gemeindeordnung, die die Verleihung des Gemeindebürgerrechts ganz in die Hände des Gemeinderats legt, der ohnehin für die Prüfung der Gesuche zuständig sei. In anderen Gemeinden wie Rheinfelden, Kaiseraugst, Stein und Magden sei dies bereits früher so beschlossen worden. Und so wurden an diesem Abend denn noch zum voraussichtlich letzten Mal von der Gemeindeversammlung einer Anzahl Deutschen, einem Kosovaren und einem Iraker das Gemeindebürgerrecht zugesichert. Dass zwei der Einzubürgernden der Zeremonie nicht beiwohnten, löste bei einigen Zeiningern Ärger und als Folge davon Neinstimmen aus.

