Ein zweites Leben für liebgewonnene Dinge
02.10.2026 LeserbriefeDas erste Repair Café Kaiseraugst war für mich als Reparateur eine besondere Erfahrung. Rund 45 Reparaturaufträge und mehr als 50 Besucherinnen und Besucher an einem einzigen Anlass – damit hatte wohl niemand gerechnet. Für mich aber war nicht die Zahl das ...
Das erste Repair Café Kaiseraugst war für mich als Reparateur eine besondere Erfahrung. Rund 45 Reparaturaufträge und mehr als 50 Besucherinnen und Besucher an einem einzigen Anlass – damit hatte wohl niemand gerechnet. Für mich aber war nicht die Zahl das Wichtigste, sondern das, was dahinterstand.
Menschen brachten Gegenstände mit, die ihnen etwas bedeuten: Dinge, die nicht einfach weggeworfen werden sollten, nur weil sie nicht mehr funktionierten. Als Reparateur bekam ich die Möglichkeit, solchen Dingen eine zweite Chance zu geben. Und manchmal war es mehr als nur eine technische Reparatur: Es war die Wiederherstellung einer kleinen Beziehung zwischen einem Gegenstand und seinem Besitzer oder seiner Besitzerin.
Besonders schön waren die Gesichter der Menschen, wenn ihr Gerät plötzlich wieder funktionierte. In solchen Momenten merkt man, dass eine Reparatur weit mehr sein kann als das Ersetzen eines defekten Teils. Man gibt einem liebgewonnenen Gegenstand ein weiteres Stück Leben
– und seinem Menschen einen Grund zur Freude.
Ein solcher Anlass funktioniert allerdings nur, wenn hinter den Kulissen vieles stimmt. Das Kaiseraugster Organisationsteam hat das Repair Café hervorragend organisiert: von der Koordination der Reparateurinnen und Reparateure über die Arbeitsplätze bis zur Verpflegung. Auch an die Besucherinnen und Besucher wurde gedacht. Wer warten musste, konnte bei Kaffee und Kuchen gemütlich ins Gespräch kommen und die Zeit angenehm verbringen.
Die Idee mit der lokalen Bibliothek hat mir besonders gut gefallen. Sie haben nicht nur das Repair Café unterstützt, sondern gleichzeitig für Bücher geworben und den Besucherinnen und Besuchern eine grosse Auswahl zum Stöbern angeboten. Reparieren und Lesen – beides passt erstaunlich gut zusammen: Beides bedeutet, Dingen Aufmerksamkeit zu schenken, statt sie vorschnell aufzugeben.
Für mich war dieses erste Repair Café Kaiseraugst deshalb eine sehr positive Erfahrung. Es hat gezeigt, wie viel Freude entstehen kann, wenn Menschen ihr Wissen und ihre Zeit teilen und gemeinsam versuchen, etwas zu erhalten, statt wegzuwerfen.
Ich hoffe, dass diesem ersten Repair Café weitere folgen. Denn manchmal braucht es gar nicht viel, um etwas zu retten: ein wenig Wissen, etwas Geduld – und die Bereitschaft, einer alten Sache noch eine Chance zu geben.
SERHII DOLHOZHYV (AKA SEGED)
