Ein Buch über den aussergewöhnlichen Münzschatz von Ueken

  26.10.2026

Mit über 4000 Münzen einer der grössten Hortfunde aus der heutigen Schweiz 

Im Sommer 2015 machte ein Landwirt in Ueken einen spektakulären Fund: Er entdeckte einige römische Münzen in seiner Kirschbaumplantage. Die nachfolgende Untersuchung der Kantonsarchäologie brachte über 4000 Münzen zum Vorschein. Nun ist die Publikation zu diesem aussergewöhnlichen Münzschatz erschienen. 
Die Entdeckungsgeschichte des Münzschatzes von Ueken liest sich wie eine Abenteuergeschichte. Ein Landwirt entdeckte im Sommer 2015 auf seiner Kirschbaumplantage einige römische Münzen in einem Maulwurfshügel und meldete den Fund der Kantonsarchäologie. In der Folge wurde der Fundort zusammen mit der Kantonsarchäologie mit dem Metalldetektor abgesucht. In einem Bereich von etwa 10 x 6 Metern konnten tatsächlich mehrere Signale aufgezeichnet werden. Die anschliessende Sondierung der Kantonsarchäologie erfolgte noch vor dem Wochenende und dauerte bis in die Abendstunden. Dann war klar: Hier liegt ein römischer Münzhort im Boden. 

Einmal umgelagert 
Nur dank der Unterstützung des Landwirts konnte die nachfolgende archäologische Untersuchung im Geheimen durchgeführt werden. An jenem ersten Freitagnachmittag bargen die Ausgräber einen Grossteil des Horts trotz Zeitdruck vorsichtig und dokumentierten den Fundzustand. So wurden die ersten 1600 Münzen in mehreren Handabträgen geborgen. Bei der darauffolgenden Untersuchung wurden die restlichen Münzen in feinen Abstichen abgetragen und deren Fundlage genau dokumentiert. Dabei zeigte sich, dass dieser Münzhort bereits in den 1970er-Jahren bei Arbeiten für eine Drainageleitung unbemerkt freigelegt und umgelagert wurde. Zusätzlich zu den Münzen wurden Fragmente von zwei Keramikgefässen gefunden. Aufgrund der Kupferkorrosion im Innern des einen Gefässes, einem Krug, kann davon ausgegangen werden, dass in römischer Zeit zumindest ein Teil der Münzen darin aufbewahrt und vergraben wurde. 
Bestimmungsmarathon 
Die Auswertung des Hortfunds begann schon 2016 und erfolgte als Forschungskooperation zwischen der Kantonsarchäologie und dem Inventar der Fundmünzen der Schweiz (IFS). Von September 2015 bis Mai 2016 wurden die Münzen inventarisiert und durch die Restauratorinnen und Restauratoren einer Grundreinigung unterzogen. Die Erstbestimmung der Münzen wurde in sechs Workshops unter Mitarbeit mehrerer Fachleute des IFS und Freiwilligen zwischen 2016 und 2018 vorgenommen. Am IFS in Bern wurden alle Münzen 2019 bis 2020 fotografiert. Anschliessend erfolgten die detaillierte numismatische Auswertung der über 4'000 Münzen und die Text- und Abbildungsarbeiten für die geplante Dokumentation.

Gezielte Auswahl an Münzen
Der Hortfund von Ueken ist mit insgesamt 4130 Münzen – abgesehen vom Fund in Orselina im Tessin – der bisher umfangreichste erhaltene Hort des 3. Jahrhunderts n. Chr. aus dem Gebiet der heutigen Schweiz. Zu 84 Prozent besteht der Fund aus sogenannten aureliani, das heisst nach der Münzreform von Kaiser Aurelianus im Jahr 274 geprägten Münzen. Wenige Altstücke älterer Kaiser-prägungen sind von aussergewöhnlicher Qualität und stehen im Kontrast zum damals üblichen Münzgeld. Die jüngsten Münzen des Funds wurden im November oder Dezember 293 geprägt, kurz vor der Münzreform des Kaisers Diocletian im Sommer 294. Dies zeigt, dass der Hort eine gezielte Auswahl «guter» Münzen war, nur aureliani mit einem Feingehalt an Silber von 4 Prozent.
Die gezielte Auswahl steht zweifellos in Zusammenhang mit dem Misstrauen der Besitzer gegenüber der ab 294 durch Kaiser Diocletian eingeführten neuen Münzen und deren ungünstigem Wertverhältnis gegenüber des aurelianus. Der Gesamtwert des Münzhorts betrug etwa 10 aurei (Goldmünzen); eine stattliche Summe, aber kein enormes Vermögen. Dass der Münzhort von seinen Besitzern nie gehoben wurde, hängt entweder schlicht mit deren Schicksal zusammen – Tod oder Flucht – oder aber mit wirtschaftlichen Überlegungen. Nach einem ersten Wertverlust in der diocletianischen Reform 294 erfolgte später eine weitere Reform, die erneut zu einer Änderung der Münzwerte führte. Die verborgenen Münzen hatten ihren ursprünglichen Wert eingebüsst: eine Bergung lohnte sich kaum mehr.

Buchvernissage in Ueken
Die Auswertungsresultate sind soeben in einer Publikation des IFS erschienen. Das Buch fasst die Entdeckungs- und Bergungsgeschichte zusammen, präsentiert Erkenntnisse aus den Restaurierungsarbeiten und legt einen Katalog aller Münzen vor. Da nicht alle über 4000 Münzen abgebildet werden konnten, sind repräsentative Typen auf Farbfotos vorgelegt. Die Publikation ist in der Reihe «Inventar der Fundmünzen der Schweiz» als Band 19 gedruckt erhältlich sowie als digitale Publikation kostenfrei im Download zugänglich. Die Vernissage findet am Mittwoch, 4. November 2026, um 19 Uhr in der Turnhalle der Schule Ueken statt. Nach einer Begrüssung durch den Kantonsarchäologen und die Gemeinde berichten Rahel Ackermann und Markus Peter, IFS, von den Erkenntnissen zum Münzschatz. Im Anschluss wird ein Apéro serviert. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

 


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