Unter dem Motto «D’Stärne füehre eus zum Hübstel» führte Schauspieler und Autor Kaspar Lüscher am Samstagabend eine stattliche Gruppe nächtlicher Wandervögel mit seinen Geschichten aus dem Staffeleggtal in die Nacht.
Simone Rufli
War die Wanderung allein in zunehmender ...
Unter dem Motto «D’Stärne füehre eus zum Hübstel» führte Schauspieler und Autor Kaspar Lüscher am Samstagabend eine stattliche Gruppe nächtlicher Wandervögel mit seinen Geschichten aus dem Staffeleggtal in die Nacht.
Simone Rufli
War die Wanderung allein in zunehmender Dunkelheit schon speziell, wurde sie durch die Erzählungen von Kaspar Lüscher zu einem einzigartigen Erlebnis. Und daran wollten junge und ältere Fricktalerinnen und Fricktaler nicht nur aus Herznach-Ueken teilhaben. So wie sich die grosse und altersdurchmischte Gruppe vom Geschichten erzählenden Gipf-Oberfricker durch die Nacht leiten liess, so liess dieser sich in dieser ersten Nacht der Sterne, initiiert vom Jurapark Aargau, führen – von der Jungfrau, dem Sternzeichen, das bald an die Waage übergibt. Führen liessen sich schon viele andere, so Lüscher, «die drei Weisen aus dem Morgenland, die Seefahrer».
Lüschers Erzählungen begannen bei den Tal-Geistern, Gespenstern und Seelenwanderern, liessen die Gruppe teilhaben an einer Zeit ohne Sonnenlicht, verursacht durch Vulkanasche in der Atmosphäre (1815), an Hungersnot und Hoffnungslosigkeit und weckten Verständnis für die drauffolgende grosse Auswanderungswelle über den Atlantik nach Amerika. Er nahm die Schar wieder zurück in ein vermeintlich glückliches Leben in der Heimat, liess sie aber auch wissen, dass die Reblaus mit an Bord war, ins Staffeleggtal kam, die Reben in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts vernichtete und die Bevölkerung bald wieder vor dem Nichts stand. Er führte die Wandernden zum Eisen-Bergwerk mit der einst längsten Seilbahn Europas, schilderte anschaulich das Leben der Gastarbeiter, die dort schufteten und trotzdem nicht in die Dorfgemeinschaft aufgenommen wurden.
Die Nacht war längst über das Staffeleggtal hereingebrochen, als Lüscher Licht in die Dunkelheit brachte: Auf die Reblaus folgte die BÖB – die Bözbergbahn. Ein Glück für die Arbeit suchenden Talbewohner.
200 Jahre durchlebt
Bis hinauf zum Hübstel, wo der Gemeinderat Speis und Trank offerierte, gewann die andächtig lauschende Wandergruppe nicht nur an Höhe, sie durchlebte von 1815 über die Industrialisierung bis in die Neuzeit auch rund 200 Jahre wechselvoller Geschichte. Beim Blick hinunter ins Tal brauchte es dann nur zwei Stichworte, um die Gruppe zurück ins 2026 zu holen: Lastwagenverkehr und Lichtverschmutzung.
Doch was hat der Geschichtenerzähler bei jedem Halt gesagt: «Alles läuft und geht, nichts bleibt stehen. Alles muss gehen, auch der Mensch. Aber die Natur bleibt.»