Während vier Jahren war die Welt seine Heimat. Am Samstag kehrte der Zimmermann Dionys Soder, in Begleitung einer grossen Schar Wandergesellen, wieder nach Zeiningen zurück.
Janine Tschopp
Am Samstagnachmittag besammelten sich ein paar Hundert Zeiningerinnen und ...
Während vier Jahren war die Welt seine Heimat. Am Samstag kehrte der Zimmermann Dionys Soder, in Begleitung einer grossen Schar Wandergesellen, wieder nach Zeiningen zurück.
Janine Tschopp
Am Samstagnachmittag besammelten sich ein paar Hundert Zeiningerinnen und Zeininger beim Ortsschild Richtung Mumpf. Alle wollten sie den ganz speziellen Moment erleben, wenn Dionys Soder wieder in seine Heimat zurückkehrt. Während vier Jahren war er als Freier Vogtländer auf Wanderschaft.
Irgendwann hörte man von weit weg einen Böllerschuss. «Sie kommen», hiess es und die freudige Aufregung steigerte sich. Dann hörte man Gesänge von Männerstimmen. Dionys Soder war nicht allein, sondern er wurde bei seiner Heimkehr von über 40 Gesellen begleitet. Im Gänsemarsch kamen sie in Schlangenlinien singend den Berg hinauf und näherten sich der Gemeindegrenze. An zweiter Position war der Heimkehrer Dionys Soder, der traditionsgemäss nicht nur seinen Bündel, sondern auch die seiner Gesellenbrüder tragen musste. Immer noch lauthals singend bildeten die Zimmermänner mit ihren Stöcken eine Leiter und «ebneten» Dionys Soder so den Weg zum Ortsschild. Er kletterte darüber, machte ganz oben einen Halt und liess sich dann in die Arme seiner Brüder fallen. Sie hatten in der Zwischenzeit auf der Zeininger Seite des Ortsschilds eine Kolonne gebildet und «beförderten» den jungen Zimmermann in seine Heimat.
Viele herzliche Umarmungen
Nach vierjähriger Walz wieder auf Zeininger Boden angekommen, kam es zu vielen herzlichen Umarmungen mit seiner Familie und seinen Freunden. Die Erste, die den Heimkehrer in die Arme nehmen durfte, war seine Mutter. Anschliessend grub Dionys Soder die Flasche Schnaps aus, die er vor vier Jahren in die Erde vergraben hatte. Bei einem speziellen Trinkritual teilte er den Inhalt dann mit seinen Gesellenbrüder. «Es ist wichtig, dass er sich nun viel Zeit dafür nimmt, sich von ihnen zu verabschieden», sagte seine Mutter Andrea Körkel Soder während des Rituals zur NFZ. Anschliessend pilgerten die Gesellenschar und das grosse Empfangskomitee ins Dorf, wo Familie und Freunde für den Heimkehrer ein riesiges Fest veranstaltet hatten.
«Es war die beste Zeit»
«Ich würde es jederzeit wieder tun. Es war die beste Zeit», fasst Dionys Soder seine Reise zusammen. «Es ist schön, wenn man auf der ganzen Welt ein neues Daheim findet», sagt der 24-jährige Zimmermann, der in den letzten vier Jahren in 17 verschiedenen Ländern unterwegs war. «Das Schönste ist, dass nun alle mit den schwarzen Hüten meine Familie sind.»
Wie es jetzt weitergehen wird, weiss er noch nicht ganz genau. «Wer Pläne macht, wird ausgelacht.» Dies habe er während seiner Wanderschaft gelernt. Vermutlich brauche er zuerst zwei, drei Wochen, um die ganze Heimkehr, bei welcher auch viele Emotionen im Spiel waren, zu verarbeiten. Wahrscheinlich werde er sich beruflich weiterbilden und irgendwann den Schritt in die Selbständigkeit wagen. Wie auch immer sein Weg weitergehen wird: Was Dionys Soder in den letzten vier Jahren bei seiner Wanderzeit als Freier Vogtländer erlebt hat, ist eine Erfahrung fürs Leben, die ihm niemand nehmen kann.