Die Ueker Natur als Lehrmeisterin
08.04.2026 Herznach-UekenDie Kinder der Ueker Primarschule erhielten am Gründonnerstag einen besonderen und einmaligen Einblick in die Natur.
«Seht ihr die Nester der Mehlschwalben?», fragte Ralph-Peter Wagner, Lehrer der 5. Klasse. Die Blicke richteten sich nach oben, wo sich einige ...
Die Kinder der Ueker Primarschule erhielten am Gründonnerstag einen besonderen und einmaligen Einblick in die Natur.
«Seht ihr die Nester der Mehlschwalben?», fragte Ralph-Peter Wagner, Lehrer der 5. Klasse. Die Blicke richteten sich nach oben, wo sich einige künstliche Nester befinden, oder wie Lehrer Wagner sagte, von Menschenhand gemachte Unterkünfte. «Warum hat es ein Gitter davor?» Die Kinder der Primarschule Ueken überlegten nicht lange. Nachdem sie schon herausgefunden hatten, dass der Turmfalke ein Todfeind des Seglers ist, ist es klar: Das Gitter dient der Abwehr des Raubvogels.
Die Mehlschwalben sind aber noch nicht in Ueken angekommen. «Sie befinden sich momentan noch etwas südlicher, treffen aber bald ein.» Da der elegante Vogel mit seinem weissen Bürzel noch nicht da war, zeigte der Lehrer seiner versammelten Mannschaft ein Bild des Ueker Luftreisenden. Währenddessen hielten zwei Lernende einen kleinen Vortrag über den Zugvogel, den der Lehrer, wo nötig, fachkundig ergänzte, ist er nebenbei doch auch Experte auf dem Gebiet der Ornithologie und ein begeisterter Naturliebhaber.
Die Natur als Schulzimmer
Es war etwas los an diesem Gründonnerstag in Ueken, denn hier fand ein Naturtag statt. Die ganze Primarschule und der Kindergarten waren auf den Beinen, insgesamt 83 Kinder, besuchten im Dorf fünf Posten, die ein besonderes Naturschauspiel bereit hielten. Begleitet wurden die Klassen von ihren Lehrpersonen, unterstützt von Fachleuten umliegender Naturvereine und einigen Grauschnäppern, denn so heissen die älteren Naturfreunde.
In unterschiedlicher Reihen folge wurden die Posten besucht. Verena Kläusler, Präsidentin des Naturvereins Herznach-Ueken (NVHU), initiierte und organisierte den Anlass, der den ganzen Morgen dauerte und bewies, dass die Natur doch auch ein ideales Schulzimmer ist, vielleicht ein amüsanteres und spannenderes. Der Anlass stiess jedenfalls auf grosse Begeisterung, auch wenn die Kinder etwas zum Gelingen beitragen mussten: Sie hielten an den jeweiligen Stationen kurze Referate, denn Schule ist Schule. Mit Lehrer Wagner ging es auf dem Rundgang durchs Dorf und den Gemeindebann, auch einmal bis tief in den Forst hinein, so dass der Postenlauf doch einer kleinen Schulreise glich.
Der Besitzer des Rauchschwalbenhauses erklärte bei der Erkundung wie der Turmfalke die Mehlschwalben zur Strecke bringt: Mühelos könne er sich unten am Nest festkrallen und darauf lauern, bis ein unvorsichtiger Jungvogel seine Reise antrete. Doch das Gitter wird ihm nun das makabre Vorhaben verwehren.
Motivierte Schüler
Die weiteren Stationen waren alle ebenfalls lehrreich. Nachdem der NVHU, ebenfalls in einem Projekt mit der Schule Ueken, vor zwei Jahren eine Nisthilfe für den Eisvogel am Lauf des Staffeleggbaches montiert hatte, ist der bunte Vogel auch in der Gemeinde Herznach-Ueken angekommen. Auf die Wasseramsel müsse man noch warten, und ob die Bergstelze schon da sei, werde sich bald offenbaren, hiess es vom Experten, der sich auch dem Biber annahm, dessen Spuren am Bachlauf nicht zu übersehen sind.
Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich motiviert und genossen den Naturtag, so dass es doch auch einmal hiess: «Seid nicht so laut, sonst hört ihr die Mönchsgrasmücke und den Zipzalp nicht.» Diesen Gesang, den der kundige Führer aus dem Wald heraushörte, wollte sich niemand entgehen lassen. Nebst den Vogelstimmen bewunderten alle die Graureiher, die zurzeit mit Baumaterial im Schnabel eine imposante Kolonie mit riesigen Nestern errichten.
Am Weiher im Ueker Forst galt es schliesslich, auf den Spuren des Glögglifroschs zu wandeln. Die Geburtshelferkröte, wie man das kleine und stark bedrohte Amphibientier auch nennt, ist ja mittlerweile bekannt. (mgt)

