Die Segel bleiben auf Halbmast
14.07.2026 LeserbriefeEs gibt Momente im Leben, in denen man Entscheidungen treffen muss, die einem das Herz brechen. Für mich ist das vorübergehende Schliessen des Restaurantbetriebs im Gasthof Anker in Mumpf genauso ein Moment. Wer mich kennt, weiss, wie viel Herzblut, Leidenschaft und Liebe ich in den ...
Es gibt Momente im Leben, in denen man Entscheidungen treffen muss, die einem das Herz brechen. Für mich ist das vorübergehende Schliessen des Restaurantbetriebs im Gasthof Anker in Mumpf genauso ein Moment. Wer mich kennt, weiss, wie viel Herzblut, Leidenschaft und Liebe ich in den Gasthof Anker gesteckt habe. Die Gastronomie ist für mich weit mehr als ein Beruf – es ist seit 29 Jahren meine Berufung. Umso schwerer fällt es mir, nach den Sommerferien die Türen des Restaurants vorerst geschlossen zu lassen.
Seit über einem Jahr kämpfe ich mit einer personellen Unterbesetzung. Ich habe unzählige Gespräche geführt, Stellen ausgeschrieben und jede Möglichkeit genutzt, ein motiviertes Service- und Küchenteam aufzubauen. Trotz aller Bemühungen ist es mir nicht gelungen, genügend Mitarbeitende zu finden. Weitere personelle Abgänge haben meine Situation schliesslich so verschärft, dass ich diesen Schritt gehen muss. Bereits seit Mitte April konnte ich den Betrieb am Morgen und über die Mittagszeit nicht mehr aufrechterhalten. Das war für mich schmerzhaft, da ich wusste, dass ich viele Stammgäste enttäuschen würde. Doch ohne genügend Mitarbeitende kann ich weder die Qualität noch die Gastfreundschaft bieten, die ich meinen Gästen schuldig bin.
Die Gastronomie hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Seit der Pandemie ist es immer schwieriger geworden, Mitarbeitende zu finden, die bereit sind, an Abenden und an Wochenenden zu arbeiten. Gerade ein Betrieb wie der Anker mit seinem grossen Saal und der wunderschönen Rheinterrasse braucht eine ausreichende Grundbesetzung. Ohne diese kann ein Restaurant nicht funktionieren. Trotz allem möchte ich diesen Entscheid nicht als Abschied sehen. Die Segel bleiben zwar vorerst auf Halbmast – gestrichen sind sie aber nicht. Ich glaube fest daran, dass ich eines Tages wieder ein starkes Team an meiner Seite haben werde. An dem Tag werden wir die Segel wieder setzen und den Anker mit neuem Leben füllen.
Ein Lichtblick in dieser herausfordernden Zeit ist meine neue Aufgabe als Pächter des Clubhauses des FC Wallbach. Ich freue mich darauf, dort meine Erfahrung, meine Leidenschaft und mein Herzblut ab dem Mittwoch, 5. August 2026, einzubringen und gemeinsam mit vielen Gästen neue Erinnerungen zu schaffen.
Der Anker bleibt aber ein wichtiger Teil meines Lebens. Bereits gebuchte Gruppenanlässe werden wie vereinbart im Saal durchgeführt und auch mein Cateringangebot führe ich weiterhin mit voller Überzeugung weiter. Von Herzen danke ich meinen Gästen, meinen Mitarbeitenden, Lieferanten, Freunden und allen, die mich in den vergangenen Jahren begleitet, unterstützt und mir die Treue gehalten haben. Ihre Wertschätzung, ihre Besuche und die vielen schönen Begegnungen bedeuten mir unendlich viel.
Ich werde Sie weiterhin offen über die Entwicklung informieren. Nicht weil ich muss, sondern weil mir Ehrlichkeit und Transparenz wichtig sind. Ich wünsche mir, dass bald wieder der Tag kommt, an dem ich sagen darf: Die Segel sind gesetzt – willkommen zurück im Gasthof Anker.
SEPP HOHLER, MUMPF
