In Zeiningen sind die eigenen Trinkwasserreserven gefährdet. In Möhlin keineswegs. Warum eigentlich?
Ronny Wittenwiler
«Der Grundwasserstand ist auf ein historisches Tief gesunken», liess die Gemeinde Zeiningen vor wenigen Tagen verlauten. Die Versorgung mit eigenem ...
In Zeiningen sind die eigenen Trinkwasserreserven gefährdet. In Möhlin keineswegs. Warum eigentlich?
Ronny Wittenwiler
«Der Grundwasserstand ist auf ein historisches Tief gesunken», liess die Gemeinde Zeiningen vor wenigen Tagen verlauten. Die Versorgung mit eigenem Trinkwasser sowie die Sicherstellung der vorgeschriebenen Löschwasserreserve seien dadurch gefährdet. Ein paar Kilometer weiter unten, in Möhlin, ist von Wasserknappheit keine Spur – die Brunnen sprudeln dort schon den ganzen Hitzesommer hindurch.
Unterschiedliche Ausgangslagen
Michael Berger ist Leiter der Wasserversorgung Möhlin, diese ist zuständig auch für die Gemeinden Zeiningen, Zuzgen, Hellikon sowie Mumpf und Wallbach. Berger nimmt eine Karte hervor, darauf eingezeichnet: blau schraffierte Zonen. Sie markieren die Grundwasserströme im Versorgungsgebiet. «Was wir seit Jahren wissen: In den Gebieten am Rhein sind die Grundwasservorkommen sehr stabil, in den Seitentälern gehen sie zurück.» Überspitzt formuliert: Geografisch liegt Möhlin beim Grundwasser goldrichtig, Zeiningen nicht. «Auch in Wallbach zum Beispiel drückt vom Rhein her Grundwasser, genau wie in Möhlin», sagt Berger.
So sehr Grundwasservorkommen in Rheinnähe auf der Hand liegen, umso komplexer ist die Situation anderswo. «Der genaue Ursprung der Grundwasservorkommen ist in den Seitentälern schwieriger zu lokalisieren.» Markant dabei sind die Unterschiede: Zuzgen verfüge im Gegensatz zu Zeiningen über ein geradezu mächtiges Grundwasservorkommen. Geologe ist Berger nicht, doch er weiss, dass von allen Wegenstettertal-Gemeinden in Zeiningen die geringsten Grundwasservorkommen existieren – und dass sie derzeit nicht ausreichen.
Die Problematik
Der Grundwasserspiegel sei dort derart tief gesunken, dass schon nach kurzer Förderung Luft in die Pumpen gelange und just diese Luft die Pumpen beschädigen würde, erklärt Berger. Eine Pumpe fünf Minuten laufen zu lassen, um sie dann gleich wieder abstellen zu müssen – «so ist keine Bewirtschaftung eines Dorfes mit Wasser möglich.» Deshalb liefert nun Möhlin Wasser nach Zeiningen. «Gestützt auf eine vertragliche Vereinbarung speist die Gemeinde Möhlin Trinkwasser aus der Siedlungszone Möhlinerfeld nach Zeiningen ein», erklärte der Gemeinderat Zeiningen – bei gleichzeitigem Erlass eines Bewässerungsverbots (die NFZ berichtete). Dieses Verbot ist nun ein nächster, deutlich drastischerer Schritt, nachdem die Gemeinde bereits seit dem 24. Juni sämtliche Brunnen im Dorf abstellen liess und damals – noch als Appell – auf einen haushälterischen Umgang mit Trinkwasser hingew iesen hatte. Trotzdem hatte sich die Situation zugespitzt, wie auch Berger bestätigt. Die Versorgung aus Möhlin stellt jetzt sicher, dass Zeiningen über genügend Trinkund Löschwasserreserven verfügt. Diese Massnahme dürfte andauern. «Wasser, das im Erdreich versickert, bahnt sich seinen Weg langsam. Das kann zwei bis drei Monate dauern, bis der Grundwasserspiegel in Zeiningen wieder auf ein stabiles Niveau gelangt und wir dieses Wasser wieder über längere Zeit nutzen können.»
Verbrauch sinkt
Immerhin: Jüngst hat der Gemeinderat Zeiningen verlauten lassen, dass nach einer Woche Wassersparen die Verbrauchsstatistik bereits Wirkung zeige. Auch das kann Michael Berger bestätigen. Er sitzt im Kontrollraum der Wasserversorgung am Standort Möhlin, über ihm ein grosser Bildschirm, der den Verbrauch in den Vertragsgemeinden ähnlich einem Aktienkurs anzeigt. Hier ist quasi die Quelle für sicheres Trinkwasser in den Gemeinden. Einziger Unterschied zum Aktienkurs: Geht die Verbrauchskurve weiter runter, ist das gerade für Zeiningen ein gutes Zeichen.