Das Wunder von Rheinfelden
07.07.2026 Leserbriefe«Regional heizen, nachhaltig brauen». NFZ vom 25. Juni.
Feldschlösschen «dekarbonisiert» mit Holzverbrennung (NFZ 25.6.). «Durch den Ersatz fossiler Brennstoffe (gemeint ist Gasverbrennung durch Holzverbrennung) können ...
«Regional heizen, nachhaltig brauen». NFZ vom 25. Juni.
Feldschlösschen «dekarbonisiert» mit Holzverbrennung (NFZ 25.6.). «Durch den Ersatz fossiler Brennstoffe (gemeint ist Gasverbrennung durch Holzverbrennung) können künftig rund 3500 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden». (Zitat) Chapeau, Feldschlösschen, da muss ein seltenes Wunder am Werk sein – und wie bei jedem Wunder braucht es hier nur noch die Wundergläubigen. Feldschlösschen glaubt hartnäckig, in Rheinfelden und Umgebung würden sich diese auch finden.
Zur Sache: Dekarbonisierung heisst Verzicht auf Verbrennungsprozesse, weil diese allesamt das vorgängig gespeicherte Klimagas CO2 freisetzen. Das gilt für alle unsere Brennstoffe, weil alle gleich (nämlich durch Photosynthese) entstanden sind. Holz unterscheidet sich dabei also prinzipiell nicht von Kohle, Erdöl, Erdgas. Es gibt aber Unterschiede: Die Holzverbrennung ist dabei besonders ungünstig: Sie setzt pro gleicher Wärmemenge doppelt so viel Kohlendioxid frei wie die Gasverbrennung (Faktor 1.9). Wenn also Feldschlösschen seine Gasverbrennung durch Holzverbrennung ersetzt, jagt es die doppelte Menge an Kohlendioxid in die Luft. Es spart also mit seiner Umstellung von Gas- zur Holzverbrennung kein Kohlendioxid, sondern macht das Gegenteil. Erzählt wird dann aber das Gegenteil dieses Gegenteils: Wundergläubige sind also gefragt: Credo quia absurdum! (Je unglaubwürdiger es tönt, desto eher glaube ich es).
Nun zum Lieferanten der Holzschnitzel: der Ortsbürgergemeinde Rheinfelden. Dass diese zu ihrem Waldeigentum ein sehr spezielles Verhältnis pflegt, weiss man seit dem «Projekt Wäberhölzli» zur Genüge. Nach ihren Satzungen sollten die Ortsbürger die Gemeinde aber auch in ökologischen Belangen unterstützen.
Gemäss einer kantonalen Statistik wird die Produktion von E-Holz für die aargauischen Waldbesitzer immer wichtiger – dies natürlich aus finanziellen Gründen. Mit der maschinellen Gewinnung von Brennholz wird aber das Ökosystem Wald arg beschädigt: Die Fahrspuren und die brutalen Lochbildungen im Wald sprechen dabei für sich. Regierungsrat Stephan Attiger scheint mehr vom Wald zu verstehen als seine Förster und Waldeigner: Aus Holz kann man Gescheiteres gewinnen als Verbrennungswärme: «Kaskadennnutzung» nennt er dies: Bäume sollen Bauholz liefern, verbrannt werden darf nur Holz, das nicht mehr anders genutzt werden kann. Auch er ein Rufer in der Wüste, dem die ökologischen Wundergläubigen entgegenstehen. Forstwirtschaft hat mit Wald aber immer weniger zu tun, da können seine Funktionen als Temperaturdämpfer sowie Feuchtigkeits- und CO2-Speicher noch so sehr gelobt werden.
Es wäre also ökologischer, wenn Feldschlösschen bei seiner Gasverbrennung geblieben wäre: Beiden, Wald und Klima, ginge es damit besser. Nun müssen die Rheinfelder wieder mindestens 25 Jahre auf ihren «Naturnahen Wald» warten. Für solange haben nämlich die 300 Ortsbürger den Liefervertrag für Holzschnitzel unterzeichnet. Vielleicht wird in dieser Zeitspanne aber der Status des Ortsbürgers abgeschafft, dies gemäss §8 der Bundesverfassung (Diskriminierungsverbot).
JÜRG KELLER, RHEINFELDEN
