Börsentipp: Chancen niedriger Zinsen
25.06.2026 RatgeberMarkus Haefliger, Vorsitzender der Bankleitung und Leiter Anlagekundenberatung, Raiffeisenbank Wegenstettertal
Chancen niedriger Zinsen
Die Schweiz ist einzigartig, in vielerlei Hinsicht: Imposante Berge, feine Schokolade und niedrige Franken-Zinsen. Dass die ...
Markus Haefliger, Vorsitzender der Bankleitung und Leiter Anlagekundenberatung, Raiffeisenbank Wegenstettertal
Chancen niedriger Zinsen
Die Schweiz ist einzigartig, in vielerlei Hinsicht: Imposante Berge, feine Schokolade und niedrige Franken-Zinsen. Dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Leitzins vergangene Woche bei 0 % belassen hat, erstaunt deshalb kaum jemanden. Trotz dieser vermeintlich unattraktiven Ausgangslage mögen ausländische Investoren Schweizer Staatsanleihen. Das liegt daran, dass Eidgenossen und der Franken als sichere Häfen gelten und im aktuellen Umfeld gefragt sind und bleiben. Die niedrige Rendite spiegelt dabei nichts anderes als den Preis von Sicherheit und Qualität.
Wer auf der Suche nach einer höheren Rendite länger laufende Anleihen erwirbt, profitiert nur bedingt. Die Rendite 10-jähriger Schweizer Staatsanleihen ist seit Anfang Jahr nur geringfügig von 0,32 % auf 0,35 % angestiegen. Allerdings lag sie temporär im Jahresverlauf kurz bei 0,6 %. Solche Ausschläge gilt es zu nutzen, mit dem richtigen Timing lässt sich bei Obligationen eine höhere Rendite für mehrere Jahre sichern.
Mit einem Leitzins von 0 % will die SNB einerseits den Franken schwächen und der Exportindustrie unter die Arme greifen, andererseits die Konjunktur stützen. Das gelingt ihr mindestens bedingt. Immerhin erwartet die SNB für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1 %, das im kommenden Jahr auf 1,5 % anwachsen soll. Wie ausgeprägt die Vorteile sind, welche die hiesige Konjunktur durch die lockere Geldpolitik geniesst, zeigt der Blick ins Ausland. In Europa liegt der Leitzins bei 2,25 %, in den USA bei 3,75 %.
Zwar sind der Euro und der US-Dollar gegenüber dem Franken jüngst etwas angestiegen – zur US-Valuta auf den höchsten Stand seit acht Monaten. Dennoch ist diese Entwicklung aufgrund des absolut niedrigen Wechselkursniveaus stark zu relativieren. Noch Anfang 2025 handelte der Greenback um 90 Rappen zum Franken. Die europäische Einheitswährung notierte letztmals 2023 paritätisch zum Franken.
Daraus geht wohl auch einer der grössten Vorteile für Herrn und Frau Schweizer hervor: Die starke Währung federt die Inflation ab, weil ausländische Waren günstiger werden. Daran dürfte sich so rasch auch nichts ändern. Die SNB geht nach neuesten Prognosen davon aus, dass die Inflation bis 2028 unter 1 % liegen wird. Das heisst im Umkehrschluss, dass grössere Leitzinserhöhungen noch länger kein Thema sein dürften.
Im Gegensatz dazu erwartet der Markt in Europa und den USA in den kommenden Monaten eine restriktivere Geldpolitik. Dadurch erhöht sich kurzfristig zwar der Zinsvorteil von Dollar und Euro gegenüber dem Franken. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass sich daraus eine nachhaltige Frankenschwäche entwickelt. Ein gewichtiger Grund, weshalb der Franken weiterhin als sicherer Hafen gesucht bleiben dürfte, ist die geopolitische Unsicherheit, die vorerst anhalten dürfte.
Für Anleger bedeuten die niedrigen Zinsen zwar eine grosse Herausforderung, wenn es um festverzinsliche Investitionen geht. Gleichzeitig werden andere Anlageklassen wie Aktien, Immobilien oder Gold dadurch attraktiver. Und auch Hypotheken können zu günstigeren Konditionen refinanziert werden.
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