Achtsam und mit Vollgas vorwärts
17.03.2026 HottwilSpielleute Hottwil begeisterten bei Premiere von «Achtsam morden»
Mit der rabenschwarzen Kriminalkomödie nach dem Roman von Karsten Dusse wagten sich die Spielleute Hottwil unter Regisseur David Imhoof an etwas Neues. Gekonntes Spiel und temporeiche Wendungen zogen das ...
Spielleute Hottwil begeisterten bei Premiere von «Achtsam morden»
Mit der rabenschwarzen Kriminalkomödie nach dem Roman von Karsten Dusse wagten sich die Spielleute Hottwil unter Regisseur David Imhoof an etwas Neues. Gekonntes Spiel und temporeiche Wendungen zogen das Premierenpublikum in ihren Bann.
Susanne Hörth
Die Erwartungen waren hoch – und wurden am Premierenabend in der Turnhalle Hottwil sogar übertroffen. «Wir sind restlos begeistert», sagte eine Besucherin, die gemeinsam mit ihrem Mann zuvor das Buch gelesen hatte. Besonders das reduzierte, präzis gesetzte Bühnenbild in Form von einfachen Holzwürfeln habe sie überzeugt: «Es hat nie von den Schauspielerinnen und Schauspielern abgelenkt, sondern sie immer in den Mittelpunkt gestellt.» Auch andere Stimmen klangen ähnlich euphorisch. «Unglaublich, wie viel und wie gut die Spieler geleistet haben – insbesondere der Hauptdarsteller», meinte eine Zuschauerin. Ein älteres Ehepaar fasste es knapp und treffend zusammen: «Ich habe viel erwartet und noch mehr bekommen. Chapeau.» Und selbst Regisseur David Imhoof zeigte sich sichtlich bewegt: «Ich bin richtig zufrieden und glücklich. Sie haben das richtig, richtig gut gemacht.»
Die Begeisterung galt der Premiere von «Achtsam morden», der bitterbösen Kriminalkomödie nach dem Roman von Karsten Dusse. Die Spielleute Hottwil wagten sich damit erneut an ein Stück, das alles andere als gewöhnlich ist. Was der Titel zunächst nach einem entschleunigten Wohlfühlabend klingen lässt, entpuppt sich schon in den ersten Minuten als temporeiche, rabenschwarze Achterbahnfahrt inklusive bitterbösem Vergnügen. Im Zentrum steht Philipp Röthlisberger (Beat Wormstetter), der eine wahre Mordsleistung abliefert. Über mehr als zwei Stunden hinweg ist er nahezu ununterbrochen präsent – als Erzähler, als überforderter A nwalt, als gestresster Familienvater und schliesslich als überraschend effizienter Strippenzieher im Unterweltmilieu. Sein Weg vom Achtsamkeitsseminar bei Lukas Bachmann (Frank Stoll) bis zum Beschaffer eines Kita-Platzes für seine Tochter ist ebenso absurd wie komisch.
Doch nicht nur der Hauptdarsteller beeindruckte. Das elfköpfige Hottwiler Spielleute-Ensemble zeigte eine bemerkenswerte Wandlungsfähigkeit. Mehrere Darstellerinnen und Darsteller schlüpften in gleich mehrere Rollen – und taten dies mit einer Leichtigkeit, die das Publikum immer wieder staunen liess. Die schnellen Szenenwechsel blieben stets klar und nachvollziehbar.
Das Publikum dankte es mit herzhaftem Lachen, hörbarem Staunen und immer wieder mit Applaus.
Tödlich effektiv
«Achtsam morden» lebt von der Gratwanderung zwischen schwarzem Humor, kriminalistischer Spannung und der ironischen Überzeichnung eines Mannes, der versucht, sein Leben mittels dem von Ehefrau Katharina (Petra Marbot) verordneten Achtsamkeitsseminar neu zu ordnen und künftig fokussiert zu handeln. Seine eigene Interpretation von achtsam und fokussiert entwickelt sich dabei immer mehr zum wahrhaften Mordsvergnügen.
Die Turnhalle Hottwil wird während des Stückes zu einem Ort, an dem Achtsamkeit und Mord für einmal erstaunlich gut zusammenpassen. Es passte ebenfalls gut, dass Achtsamkeitstherapeut Lukas Bachmann das Publikum vor dem Start des zweiten Aktes aufstehen und ein paar tiefe Atemübungen machen liess. So konnten sich die Zuschauerinnen und Zuschauer ganz fokussiert dem zweiten Teil der temporeichen Kriminalkomödie widmen. Die Spielleute Hottwil haben einmal mehr bewiesen, dass sie Neues nicht nur wagen – sondern mit Bravour meistern.


