Es ist kaum zu fassen, dass wir in der Schweiz im Jahr 2026 immer noch ein Steuersystem haben, das verheiratete Paare systematisch anders behandelt als unverheiratete. Wer heiratet und beide gehen arbeiten, zahlt in den meisten Fällen deutlich mehr Steuern als ein vergleichbares ...
Es ist kaum zu fassen, dass wir in der Schweiz im Jahr 2026 immer noch ein Steuersystem haben, das verheiratete Paare systematisch anders behandelt als unverheiratete. Wer heiratet und beide gehen arbeiten, zahlt in den meisten Fällen deutlich mehr Steuern als ein vergleichbares Konkubinatspaar – vor allem, wenn die Einkommen ähnlich hoch sind. Das ist eine Heiratsstrafe und sie trifft besonders Paare, die partnerschaftlich leben und beide berufstätig sein wollen. Die Individualbesteuerung schafft endlich gleiche Regeln für alle: Jede Person wird nach ihrem eigenen Einkommen und Vermögen besteuert – unabhängig vom Zivilstand. Das entspricht dem verfassungsmässigen Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Es beseitigt die ungerechte Progression auf dem Zweiteinkommen und macht es finanziell attraktiver, voll oder annähernd voll erwerbstätig zu sein – was dem Fachkräftemangel entgegenwirkt und vor allem Frauen mehr Wahlfreiheit gibt. Ich habe in den letzten Monaten mit vielen jungen Paaren gesprochen: Viele zögern bewusst mit der Heirat oder reduzieren das Pensum, weil sich Arbeit steuerlich teilweise kaum lohnt. Das kann nicht im Sinne einer modernen, chancengerechten Gesellschaft sein. Darum stimme ich Ja zur Individualbesteuerung und zur Abschaffung der Heiratsstrafe.
NICOLA RICHLI, GIPF-OBERFRICK