Aargauer Wirtschaft trotzt den Turbulenzen
08.03.2026 WirtschaftTrotz erheblicher konjunktureller und handelspolitischer Belastungen ist die Stimmung in der Aargauer Wirtschaft grundsätzlich gut. Aus fast allen Branchen berichten die befragten Unternehmen über ein zumindest befriedigendes Geschäftsjahr 2025. Auch für das laufende Jahr 2026 ist eine Mehrheit optimistisch.
Die Lage ist allerdings für die Unternehmen im Aargau aufgrund unterschiedlicher Spannungsfelder herausfordernd. Zu Beginn des Jahres befragt die Aargauische Industrie- und Handelskammer (AIHK) jeweils ihre Mitglieder über deren aktuelle wirtschaftliche Lage. An der diesjährigen Umfrage im Januar haben 449 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen teilgenommen. Gewichtet werden die Resultate nach Anzahl der Beschäftigten eines Unternehmens. Das heisst, dass Antworten von Unternehmen mit mehr Mitarbeitenden höher gewichtet werden als von kleineren Firmen.
Exportorientierte Branchen negativer
In der Gesamtbetrachtung fällt auf, dass die Dienstleistungsbranchen die allgemeine Entwicklung des Geschäftsjahres deutlich besser bewerten als die Industrie. Alice Paula, Betriebswirtin und Immobilienökonomin bei Fahrländer Partner Raumentwicklung, erklärt dies so: «Die Industrie ist stark exportorientiert und ist damit überproportional von der Nachfrage in Europa und den USA abhängig. Sie leidet deshalb besonders unter der Kombination aus global schwachem Wachstum, anhaltenden Handelskonflikten und dem strukturell starken Schweizer Franken.» Der Dienstleistungssektor profitiere hingegen stärker von der robusten Binnennachfrage und von einer weniger ausgeprägten Wechselkursabhängigkeit. Eine zentrale Branche der Aargauer Wirtschaft ist die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM). Die Resultate dieser Branche fallen heterogen aus. Während die Elektroindustrie das Geschäftsjahr 2025 als gut beurteilt, sind die Unternehmen mit Metallerzeugungund bearbeitung sowie der Maschinenbau deutlich weniger optimistisch. Die jüngste Protektionsmus-Welle, angetrieben durch die US-Zölle sowie die Einführung von EU-Grenzausgleichszöllen, stellt eine erhebliche Bedrohung für die kleine, offene Schweizer Volkswirtschaft dar.
Arbeitsmarkt in einer Abkühlungsphase
Die angespannte konjunkturelle Lage zeigt sich auch auf dem Arbeitsmarkt. Nach Jahren des Stellenaufbaus hat die Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr zugenommen. Zwischen Januar und Dezember 2025 ist die Arbeitslosigkeit von 2,6 auf 3,0 Prozent gestiegen. Die Teilnehmenden im Industriesektor meldeten einen Abbau der Stellen um 1 Prozent im vergangenen Jahr, während der Dienstleistungssektor eine Zunahme von 2,5 Prozent für 2025 bekanntgibt. Fürs laufende Jahr wird im Durchschnitt mit einem Plus von 0,6 Prozent gerechnet.
Grosse Herausforderungen
Zunehmender Protektionismus, anhaltend schwaches Wachstum bei den wichtigsten Handelspartnern sowie der strukturell starke Franken und das hohe Lohnniveau erhöhen den Druck auf den Wirtschaftsstandort Aargau. Die Standortqualität muss folglich ständig verbessert werden, damit die Bewertung auch künftig positiv ausfällt. Dabei gilt es insbesondere auch die Interessen der lokalen KMU zu berücksichtigen. Es sollen nicht nur internationale Konzerne im Fokus stehen, sondern auch bei den Interessen der lokalen KMU sollten die Behörden mehr Flexibilität und Gestaltungswillen zeigen, teilt die AIHK mit. (nfz)

