In Kaisten hat mit dem Tschättern die fünfte Jahreszeit begonnen
Es ist ein Weckruf der besonderen Art. Noch viel mehr ist es gelebte Tradition in Kaisten. Die Sprache ist vom Tschättern. Am 1. Faissen fand morgens um 5 Uhr die erste Tour dieses schaurig-schönen Getöses durch das Dorf ...
In Kaisten hat mit dem Tschättern die fünfte Jahreszeit begonnen
Es ist ein Weckruf der besonderen Art. Noch viel mehr ist es gelebte Tradition in Kaisten. Die Sprache ist vom Tschättern. Am 1. Faissen fand morgens um 5 Uhr die erste Tour dieses schaurig-schönen Getöses durch das Dorf statt.
Susanne Hörth
Nein, einen Wecker braucht es für einen überzeugten Fasnächtler nicht, sind sich der Kaister Narrenvater Marco Zaugg und die Journalistin am gestrigen Donnerstagmorgen einig. Die Kirchenuhr hat eben erst 5 Uhr geschlagen. Der letzte Glockenschlag geht bereits unter in einem monotonen, nichtsdestotrotz sehr lauten Trommeln, Schlagen und Klirren. Es ist der 1. Faisse und damit zugleich der Start der Fasnacht 2023. Das frühmorgendliche Tschättern blickt in Kaisten auf eine lange Tradition zurück. Eine gelebte Kultur, die zum Dorf gehört, betont Narrenvater Marco Zaugg. Und: «An dieser Tradition wollen wir festhalten, sie pflegen.» In Kaisten wird während der Fasnacht zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder getschättert. Es gebe in der Gemeinde zahlreiche Personen, die zu den langjährigen, regelmässigen Teilnehmenden gehören, so Zaugg. «Wir freuen uns natürlich immer auch über weitere Leute, die mitmachen.» Schliesslich soll diese gelebte Dorfkultur auch gut hörbar sein. Wer glaubt, es sei ein wildes Durcheinander von Trommeln, Schlägen auf rostige Sägescheiben und anderen «klingenden Tschätter-Instrumenten», der irrt.
Taktvoll
Das Ganze folgt einem bestimmten Takt. Der Narrenvater beginnt den Kaister Fasnachtsspruch in einem bestimmten Rhythmus zu zitieren: «d’Mülleri het, si het…»! Stimmt! Es ist tatsächlich der gleiche Takt wie die Kaister Tschättermusik. Das frühmorgendlich Fasnachtsritual endet nach rund 45 Minuten jeweils mit dem Mehlsuppen-Essen. Auch das ist gelebte Fasnachtskultur.