Glühende Leidenschaft für ein altes Handwerk

  08.09.2022 Kaisten, Kommende Events

Die letzten Monate wurde auf dem Köhlerplatz in Kaisten intensiv gearbeitet. Auch im Hintergrund liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Mit Beginn des Aufschichtens des Meilers am Dienstag rückt nun auch der Start des Köhlerfestes in greifbare Nähe. Das «Anzünden» des Kohlenmeilers ist einer von vielen Höhepunkten eines programmreichen Festes.

Susanne Hörth

«Und jetzt stehen wir wieder da!», ist Andi Gertiser am Dienstagnachmittag voller Vorfreude. Der OK-Präsident des Kaister Köhlerfest 2022 befindet sich auf dem Platz beim Kaister Forsthaus Äsple. Ein Ort, der fast genau vor zehn Jahren im Rahmen des damaligen Köhlerfestes zu einem grossen Publikumsmagneten wurde. Dass sich das nun auch im Hier und Heute wiederholen soll, dafür stehen die Vorzeichen gut. Zwei Jahre Vorbereitung-, Planungsund Auf bauarbeit liegen hinter dem OK. Was aus einer spontanen Idee zweier Fasnachtsvereine entstanden ist, ist nun fassbar und kann zwei Wochen lang aktiv erlebt werden.

Die zahlreichen Bauten, darunter das Baumhaus für die Köhlerin (die NFZ berichtete mehrfach), die gedeckte Bühne, eine Raucherlunch, Festwirtschaften und eine Bar sind bereit für das Fest, das am Freitag um 18 Uhr offiziell beginnt. Ein Blick in das Programm bestätigt, was Andi Gertiser auch mit «Wir haben für jeden Geschmack etwas dabei» bereits angetönt hat. Damit meint er nicht nur die diversen musikalischen Bühnendarbietungen, sondern auch das Rahmenprogramm allgemein. Ein wichtiger Bestandteil dabei ist die Demonstration des alten Köhlereihandwerkes. Mehrere Schulklassen lassen sich die Gelegenheit, selbst einmal ein Stück Kohle herzustellen nicht entgehen. In der Festwirtschaft mit ihren 450 Sitzplätzen besteht nicht nur abends Gelegenheit, sich kulinarisch zu verpf legen. Ab sofort steht täglich ebenfalls ein Mittagsmenü auf dem Speiseplan.

Ein Meiler wächst
Mit dem Aufschichten des Kohlenmeilers wurde am Dienstagmorgen begonnen. «Wir kommen schnell vorwärts. Dank der vielen Helfer, einige von ihnen sind spontan dazugekommen, sind wir wahrscheinlich schneller fertig als gedacht.» Die Aussage des OK-Präsidenten bestätigt später auch Köhlerin Doris Wicki, die beim Meileraufbau tatkräftig mitanpackt. Rund 35 Ster Kirschholz aus dem Kaister Wald werden am Schluss einen Meiler von zirka drei Meter Höhe und einem Durchmesser von rund acht Metern ergeben. Mit Tannenreisig werden als nächstes alle Ritzen und Löcher verschlossen. Über alles packt Doris Wicki schliesslich die mitgebrachte »Löschi», ein Kohle-Erde-Gemisch. Fertig muss der Meiler allerspätestens am Samstagabend sein. Dann steht nämlich um 21 Uhr das Anzünden auf dem Plan. Wobei Anzünden nicht ganz korrekt ist. Die Köhlerinnen, Doris Wicki wird von ihrer Kollegin Heidi Moy unterstützt, machen zuerst ein kleines Feuer. «Davon nehme ich dann zwei Schaufel Glut und kippe sie in den Schacht oben im Meiler. Das reicht, um die Köhlerei in Betrieb zu nehmen», erklärt Doris Wicky. Dann wird mit einem Eisendeckel der Schacht verschlossen. Die nächsten zwei Wochen werden die Köhlerinnen im Zweistundentakt den Verkohlungsprozess überwachen und wo nötig mit Luftzufuhr oder -entzug eingreifen. «Am 24. September sollte die Kohle dann gar sein», so Wicki. «Geerntet» kann aber noch nicht. Der Meiler wird in eine luftdichte Folie gehüllt und bis zirka anfangs November so gelassen. Ab dann können die erwarteten rund 2000 Kilogramm Kohle abgepackt und verkauft werden. «Wir haben bereits diverse Bestellungen», macht OK-Chef Gertiser deutlich, dass auch der Vorverkauf schon gut angelaufen ist.


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