«Wir müssen unbedingt junge Leute ausbilden»

Mo, 08. Nov. 2021
Roman Schnetzler schätzt es, wenn die Mitarbeiter selber Ideen einbringen. Foto: Bernadette Zaniolo

Interview mit dem Metallbau-Unternehmer Roman Schnetzler

Roman Schnetzler führt die Schnetzler Metallbau AG in Laufenburg in vierter Generation. Die NFZ sprach mit ihm über die Nachfolgeregelung, die Auswirkungen der Pandemie und den Fachkräftemangel.

Bernadette Zaniolo

NFZ: Herr Schnetzler, Sie haben 2017 den Betrieb in vierter Generation übernommen. Wie haben Sie die Übergabe erlebt?
Roman Schnetzler:
(lacht). Es war ein emotionaler Moment, im Sinne von bewegend. Auf der einen Seite das Loslassen seitens meines Vaters und auf der anderen Seite der Druck, der auf mich zukam. Doch es braucht wohl Druck, um weiter erfolgreich zu sein. Und es war sicher ein einfacherer Weg, wenn man die Nachfolge innerhalb der Familie regeln kann. Bei uns vom Vater zum Sohn. Ziel war es, dass auch über die Pensionierung hinaus eine Win-Win-Situation besteht.

Damit haben Sie auch eine grosse Verantwortung übernommen. Fiel Ihnen der Entscheid leicht?
Der Entscheid fiel ja schon früher. Das was ich tue, ist meine Leidenschaft. Im Namen der Familie Lösungen zu finden. Der Kunde soll Freude haben. Wir haben seit Jahren gute Kunden und Mitarbeiter, das verpflichtet auch. Vieles sind langjährige Arbeitskollegen, mit denen ich gerne zusammenarbeite und die sich auch einsetzen.

Was ist aus Ihrer Sicht wichtig bei der Nachfolgeregelung?
Sich Zeit nehmen und die Planung auch früh genug angehen. Rechtliche und finanzielle Sachen müssen früh aufgegleist werden. Bei uns konnten wir dies einfach halten. Meinem Vater war es wichtig, dass es Plus/Minus in seinem Sinn weitergeht. Er sagte, es sei nicht entscheidend, was er möchte, sondern was für den Nachfolger, das Unternehmen und damit verbunden die Belegschaft mit ihren Familien im Hintergrund das Beste sei.

Wie hat sich die Pandemie auf Ihr Unternehmen ausgewirkt?
Schwankende Rohstoffpreise hatten wir schon immer. Wir erlebten es jetzt nicht als schlimm. Wir arbeiten zur Hauptsache mit Stahl, Glas, Aluminium und Kunststoff. Die meisten Kunden haben es verstanden und akzeptiert, wenn sich etwas änderte. Es ist wichtig, dass man die Kunden rechtzeitig informiert. Die Pandemie merken wir eher im mentalen und gesundheitlichen Bereich. Die Leute können nicht mehr einfach in die Ferien, Firmenausflüge sind nicht mehr möglich. Auch das Feierabendbier fehlt. Auch das Thema Impfen drückt auf die Psyche. Nur wenige Kunden haben ihre Investitionen aufgeschoben oder abgesagt. Vielleicht müssen wir aber noch mit Spätfolgen rechnen.

Ist während der Pandemie die Nachfrage nach gewissen Produkten gestiegen?
Während dem Lockdown und der Homeoffice-Zeit war die Nachfrage nach Verglasungen, heisst mehr Licht in den Räumen, gross. Vor allem von Personen in beruflich höheren Positionen. Die Sanierung sollte dann natürlich «sofort» sein. Gewerbliche Kunden haben die Investitionen eher aufgeschoben. Alles ist hektisch geworden. Ein Wintergarten ist eine Investition in die Zukunft. Er ist ein Ort, wohin man sich gerne zurückzieht und beispielsweise ein Buch liest.

Wie erleben Sie die Grenznähe beziehungsweise die Konkurrenz aus dem nahen Ausland?
Das belastet mich nicht gross. Der Schweizer hat ein anderes Qualitätsbewusstsein. Und wir wollen auch, dass der Kunde zu uns passt. Wir setzen auf ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Ich höre fast nie, dass wir teurer sind. Die Kunden schätzen unsere Erfahrung und den Service.

In Ihrem Unternehmen arbeiten alles ausgebildete Fachkräfte wie Konstrukteure und Metallbauer. Spüren Sie einen Fachkräftemangel?
Ja, sicher. Deshalb ist es wichtig, die Arbeitsabläufe zu optimieren und Fachleute «anzulocken». Man findet nicht einfach Leute aus der Region. Wir haben auch Mitarbeiter, die aus dem Baselland kommen. Wenn sie dann noch den Wohnort nach Laufenburg verlagern, dann ist dies auch ein Zeichen des Wohlfühlens. Die Arbeit bei uns ist vielseitig. Wir haben keine Serienanfertigungen, das macht die Firma auch für Mitarbeiter attraktiv. Wir bieten auch die Möglichkeit für Umschulungen. Und wir müssen unbedingt junge Leute ausbilden, sie behalten und fördern. Diese Menschen müssen wir aber auch auf ihren Kommunikationskanälen abholen.

Wo liegen die Stärken Ihres Unternehmens?
In der Vielseitigkeit und einem Optimum an Qualität. Vom Aluminiumbau bis zur Schlosser-Manufaktur stemmen wir kleinere und grössere Projekte. Wir bieten eine gute Qualität und viel Erfahrung, bis zur Problemlösung und dem Servicemonteur. Zuverlässigkeit ist uns sehr wichtig. Was abgemacht ist, gilt es einzuhalten. Wir sind bestrebt, uns zu verbessern und aus Fehlern zu lernen.

Was tun Sie, um gute Arbeitskräfte zu haben?
Es finden laufend interne und externe Schulungen statt. Eigenmotivation hat bei uns einen hohen Stellenwert. Ich schätze es, wenn die Kaderleute Ideen einbringen und diese dann auch selber umsetzen. Wir bieten aber auch sehr viel Flexibilität, etwa bei der Ferienplanung oder der Arbeitszeit. Wichtig sind motivierte Mitarbeiter. Es ist schön zu erleben, wenn Mitarbeiter von sich aus ihre Ferien verschieben, damit ein Auftrag termingerecht abgewickelt werden kann.

Gesundheit ist unser höchstes Gut. Was tun Sie persönlich, damit Sie gesund und fit bleiben?
Wenn es auf der Arbeit gut läuft, dann bin ich zufrieden und dies gibt mir Antrieb. Eine gute Arbeitsverteilung ist wichtig. Gute Planung sorgt für weniger Stress. Ich sage auch mal Nein. Mit der Familie und Freunden etwas zu unternehmen, tut gut. Sportlich bin ich vielseitig aktiv, unter anderem mit Biken und Skifahren.

Und für Ihre 18 Mitarbeiter?
Wir bieten Unterstützung etwa beim Fitness-Abo. Die Arbeitszeiten sollen möglichst eingehalten werden. Auch bei der Gesundheit setzen wir auf Eigeninitiative und -verantwortung.
Am Arbeitsplatz stehen Wasser und Früchte zur Verfügung. Manchmal hilft aber auch eine Schokolade. Im Team merkt man, wenn bei jemandem etwas nicht stimmt.

Was erwarten Sie im 2022 für Ihr Unternehmen?
Weiterhin spannende Projekte und gesunde und motivierte Mitarbeiter sowie hoffentlich stabile Verhältnisse in unserem Umfeld. Frühzeitige Planung von Projekten, damit weniger Druck bei den verschiedenen Akteuren entsteht. Und Marktpreise, die sich stabilisieren.

Und für die Fricktaler Gewerbe-Entwicklung?
Ein Bekenntnis zur Region bei Auftragsvergaben. Sehr innovative Unternehmen in der Region, dass es weiterhin gut läuft und wir genügend Fachkräfte haben.

Roman Schnetzler ist seit 2017 Geschäftsführer und Inhaber der Schnetzler Metallbau AG in Laufenburg. Der diplomierte Techniker HF Metallbau ist 34-jährig und Vater von zwei Kindern. Das Unternehmen beschäftigt 18 Mitarbeiter, davon 1 Lehrling als Metallbaukonstrukteur im technischen Büro.

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