Larika steht für kunstvolle Stickereien

Mo, 01. Mär. 2021
In der Stickerei von Larissa Kramer kommen sowohl die Verspieltheit als auch ein ironisches Augenzwinkern zum Ausdruck. Foto: Clara Willers

Larissa Kramer: vom rebellischen Kind zur begabten Modedesignerin

Die Modedesignerin Larissa Kramer hat sich mit ihrem Label Larika in den vergangenen 20 Jahren einen Namen gemacht. Schon in jungen Jahren Preisträgerin des bekannten Prix Bolero, verkauft sie heute ihre Kreationen an Ausstellungen, auf dem Swiss Design Market, online, im Textilmuseum Sankt Gallen und ab März 2021 im Heimatwerk Zürich.

Clara Willers

Im Atelier von Larissa Kramer, die mit ihrem Label Larika seit zwanzig Jahren selbstständig ist, begegnen uns Blumen, Bienen, Vögel und Quallen. Nicht in realer Form, sondern sorgfältig gestickt auf Kleidern, aber auch Wohngegenständen wie Kissen und Vorhängen. Letztere sind mit filigranen Quallen versehen, die Larissa Kramer durch das «Ausbrennen», einer Technik, die unter anderem in der Sankt Galler Stickerei verwendet wird, erreicht.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten konnte die mehrfache Modepreisgewinnerin und Absolventin der Pariser Modedesignschule «École de stylisme de mode Studio Berçot» ihre Textilkunst an zahlreichen öffentlichen und privaten Modeevents der Schweiz vorstellen. Gleichzeitig zieht sie zusammen mit ihrem Mann drei Kinder gross. Das älteste ist heute 15 Jahre alt.

Eine verspielte, naive Stickerei als Handschrift von Larika
2002 gewann die Oberhoferin, die seit 15 Jahren in Effingen zu Hause ist, den Prix Bolero mit einem Preisgeld von 25 000 Schweizer Franken sowie einem Praktikumsangebot bei Marni in Mailand. Als Absolventin der Modedesignschule Studio Berçot und durch vielfältige Praktika in Paris, Mailand und Zürich hätten ihre Wege in ein Unternehmen oder ein eigenes Kleiderlabel münden können, doch es kam anders. «An einem Event der Schweizer Marke Bernina erhielt ich eine Stickmaschine und es war um mich geschehen», erinnert sie sich. Unter dem eigenen Label Larika bestickt sie seit fast 20 Jahren Stoffe. Ihre Sujets beschreibt die Fricktalerin als verspielt, naiv und rudimentär. Die Naivität bezieht sich dabei auf einen unvoreingenommenen, offenen Blickwinkel, den sie ihren Eltern und zahlreichen Reisen und Auslandaufenthalten zuschreibt.

Ihre Sujets entstehen in der Fantasie oder durch inspirierende Bilder und Fotos. Ein unbearbeitetes Stück Stoff habe für sie denselben Effekt wie eine weisse Leinwand für ihre Mutter, die Malerin Susi Kramer. «Es bedeutet für mich eine Einladung, eine neue kreative Welt zu erschaffen. Ich bearbeite Stoffe, besticke sie, lasse sie fallen oder zerschneide sie.» Nach dem Aufzeichnen auf Papier «puncht», sprich digitalisiert sie die Striche am Computer, worauf schlussendlich der Prozess der Stickmaschine folgt. Ganze 15 000 bis 25 000 Stiche brauche es, bis ein grösseres Sujet wie jenes auf den Kissen entstehe. Pandemiebedingt gibt es im Moment wenig Ausstellungen. Letzten Sommer konnte sie ihre Kunst gemeinsam mit Werken ihrer Mutter Susi Kramer in der Kunstgalerie «Artune» in Frick zeigen. «Wir haben eine ähnliche Sprache, die ich als harmonisch, lieblich, freundlich und auf keinen Fall düster beschreiben würde», schildert sie. Ihre Kunst schreie nicht und beinhalte immer ein Augenzwinkern, eine positiv zu interpretierende Ironie. Perfekt symmetrische, geometrische Figuren finden sich weder bei Mutter noch Tochter. «Ich mag den ungeschickten Handstrich», erklärt Larissa Kramer. «Es ist für mich schön, wenn ein Strich einfach so aus einem herausfliesst.» Allzu aufgeräumt sei langweilig, denn es müsse irgendwo «ein bisschen kratzen».

Schweizer Modelabels und Fairtrade Stoffe sichtbar machen
Neben ihrem eigenen Onlineshop und der Mitarbeit an Ausstellungen und Modeshows, schätzt Larissa Kramer seit vier Jahren die Zusammenarbeit mit der Textilunternehmerin Martina Unternährer. Die Zürcherin ist zusammen mit Stefan Egli Inhaberin des Swiss Design Markets mit dem Ziel, Schweizer Mode sichtbar zu machen und dabei biologische und Fairtrade-zertifizierte Baumwolle zu verwenden. Neben dem Verkauf über ihren eigenen Online-Shop larika.ch kann Larissa Kramer ihre Textilprodukte in Unternährers Pop-Up-Stores in Baden, Zürich und Bern verkaufen, ein Geschäft, das sich besonders in den drei Monaten vor Weihnachten lohne. Die Zusammenarbeit mit Martina Unternährer beschreibt die Fricktalerin als inspirierend und wertvoll. Vor knapp einem Jahr nahm sie mit drei anderen Designerinnen an der Charity-Aktion «Spuren lassen» teil. Bei der limitierten Kissenedition kooperierte Martina Unternährer mit der Manja Gideon Foundation (MGF), die sich für Frauengesundheit grundsätzlich und Eierstockkrebs im Besonderen engag iert. Ru nd d ie Häl fte des Verkaufsbetrags pro Kissen ging an die Designerinnen und die andere Hälfte an die Stiftung MGF.

Mit ihren Eltern, der Malerin Susi Kramer und dem Ingenieur Hans Kramer sowie ihrem Bruder kam Larissa Kramer in ihrem Leben viel in der Welt herum. Von 1984 bis 1988 arbeitete Hans Kramer für die ABB in Hong Kong, wo die Familie vier prägende Jahre erlebte. Larissa und ihr Bruder, der heute als Sounddesigner in Finnland lebt, gingen in Hong Kong in die Swiss German International School. 1988 folgten eine einjährige Weltreise und die Rückkehr nach Oberhof. «Reisen führen zu einer Weltoffenheit, die ich auch meinen Kindern wünsche», bilanziert die Künstlerin. «Man sollte nicht verbohrt sein, denn es gibt überall etwas zu werken, egal, wo man gerade ist.» Larissa Kramer verdankt ihrer Familie und insbesondere ihren Eltern Werte wie die Freude und das Fokussieren auf die persönlichen Begabungen sowie das Verfolgen einer Idee bis zum Abschluss. «Ich war ein rebellisches Kind, frühreif und eine echte Aufgabe», sagt sie. Dass ihre Mutter oft stunden- und tagelang an einem Bild oder Acryllglas-Kunstwerk arbeiten konnte, habe sie geprägt.

Als Künstlerin sich in die Arbeit vertiefen können
Ihr Ausdrucksmittel sei schon immer das Bearbeiten von Textilien gewesen, sagt Larissa Kramer und erzählt von einer befreundeten Mitarbeiterin bei Liluca Pronuptia Suisse, deren alte Hochzeitskleider sie als Kind mit Schere, Nadel und später der Nähmaschine umkreierte.

Modedesignerin sei gewiss nicht der einzige Berufswunsch gewesen als Jugendliche. «Aber etwas Kreatives und der Wunsch, möglichst weit zu reisen, standen im Zentrum meines Interesses.» So zog es sie nach Abschluss der Bezirksschule nach San Francisco, wo sie in der Vorklasse für Mode an der Academy of Art College ein Jahr «Fashion Design» studierte. «Amerika war aber doch zu gross und schlussendlich zu weit weg», fügt sie lachend hinzu und wirft einen Blick hinaus auf das verschneite Effingen. «Für mich ist jetzt ein Neuanfang, da die Kinder nun älter und selbstständiger sind», schildert sie. Das Vertiefen in die Arbeit führe sie zu neuen Wegen und Ausdrucksformen. Auf die daraus resultierende Textilkunst darf man gespannt sein.

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