Jeder Tag bringt Neues

Do, 04. Mär. 2021

Wenn auch der Tierlignadenhof in Kaisten erst ab April wieder für Besucher öffnen wird, so ist dort trotzdem auch jetzt immer viel los. Aktuell häufen sich gerade die Anfragen für Notfallplatzierungen. Betreiberin und Wildtierpflegerin Stefanie Sutter steht vor den Abschlussprüfungen zur Tierheilpraktikerin. Vor einigen Tagen war auch SRF-Moderatorin Nicole Berchtold für einige Drehstunden auf dem Hof.

Susanne Hörth

Seit Montag sind die Läden wieder geöffnet. Zu den ersten, durch den Bundesrat beschlossenen Lockerungsmassnahmen gehört auch, dass Zoos und Tierparks in den Aussenbereichen wieder Gäste empfangen dürfen. Damit könnte ebenfalls der Tierlignadenhof in Kaisten seine Tore für Besucher öffnen. Stefanie Sutter, die zusammen mit ihrer Schwester Janina den Hof betreibt, winkt aber ab. «Sofern es die Situation zulässt, planen wir die Wiedereröffnung auf April.» Die Gründe für das vorläufige Zuwarten schiebt sie gleich nach. So wäre mit den auf dem Hof helfenden Leuten schon mit wenigen Besuchern die erlaubte Anzahl von 15 Personen schnell erreicht. «Ausserdem möchten unsere Besucher jeweils auch gerne ins Haus kommen, um hier die Katzen und Hunde streicheln zu können. Das ist aber vorläufig noch nicht erlaubt.»

Ein weiterer Grund, mit der Wiedereröffnung zuzuwarten, sei aber auch die aktuelle Häufung von Tierplatzierungs-Anfragen und diversen Neuzugängen auf dem Hof. So ist am letzten Freitag Mala eingezogen. Die eineinhalbjährige, aus einem rumänischen Tierheim stammende Hündin wird so sehr von Ängsten beherrscht, dass ihre bisherigen Besitzer daran scheiterten. Sie braucht nun viel Zeit und Zuwendung, um Vertrauen fassen und Selbstsicherheit aufbauen zu können. An Selbstsicherheit fehlt es dem grossen Schimmel, der seit Samstag auf dem Hof lebt, zwar nicht. Trotzdem braucht auch dieses, für den Springsport «ausgediente» und damit bei den früheren Besitzern nicht mehr gewollte Pferd viel Aufmerksamkeit, bis es sich in das harmonische Gefüge auf dem Tierlignadenhof eingelebt hat. Die Angsthündin und das Springpferd stehen exemplarisch für die immer dringenden Notfälle. «So gern wir allen Tieren helfen möchten, so wichtig ist es aber auch, dass wir die Vernunft walten lassen», weist Stefanie Sutter auf die Verantwortung hin, die sie den schon auf dem Hof lebenden Tieren gegenüber haben. Jedes davon hat Anspruch auf eine gute Pflege, genügend Platz, einen sauberen Stall, weite Auslaufgehege, Weiden und so weiter. Dessen sind sich die Zwillingsschwestern Sutter sehr bewusst. Um den Hof mit seinen vielen tierischen Bewohnern, Teilzeitangestellten, Tierarzt und Futter finanzieren zu können, braucht es neben den Lohn der beiden Schwestern aus ihren Berufen auch Spenden und Patenschaften. Tierliebe allein genügt nicht. Das müssen sie auch den Anrufern sagen, die sich regelmässig an sie wenden, weil es doch eine schöne Idee wäre, selbst einen Gnadenhof mit vielen Tieren zu eröffnen. Oftmals aus einer spontanen Laune heraus.

Ein weiterer Grund für die Wiedereröffnung erst im April hängt mit Stefanie Sutters zusätzlicher Ausbildung zusammen. Die ausgebildete Wildtierpf legerin steht nach bald zweijähriger Schule (parallel zum Tierlignadenhofalltag und Teilzeitarbeit als kaufmännische Angestellte) mitten in den Vorbereitungen für die Abschlussprüfung zur Tierheilpraktikerin. «Diese Prüfung will ich natürlich unbedingt schaffen. Dafür brauche ich Zeit zum Lernen.»

Tierlignadenhof bei SRF
Dass trotz Corona kein Stillstand, geschweige Ruhezustand auf dem Tierlignadenhof herrschte, davon konnten sich im vergangenen Jahr die Zuschauer der SRF-Serie «Echte Tierhelden» überzeugen. Das Fernsehteam begleitete neben weiteren Akteuren auch Stefanie und Janina Sutter ein paar Wochen lang bei ihren vielen Aufgaben rund um die Tiere. Wie es den beiden Hofbetreiberinnen zwischenzeitlich ergangen ist, wollte nun SRF-Moderatorin Nicole Berchtold von den beiden erfahren. Sie weilte deshalb vor einigen Tagen mit einem kleinen Fernsehteam auf dem Kaister Hof. Ausgestrahlt wird die Sendung am Samstagabend, 10. April.

Kein Tag wie der andere
Stefanie Sutter legt die Bürste, mit der sie eben noch ein Pferd gestriegelt hat, zur Seite. Es ist wieder «Schöppeli»-Zeit. «Gestern wurden uns frischgeborene Kaninchen gebracht, deren Mutter kurz nach der Geburt gestorben ist. Der Besitzer des Muttertieres hat dieses eben erst übernommen und wusste gar nicht, dass es trächtig war.» Die Kleinen müssen nun alle zwei Stunden geschöppelt werden. Stefanie Sutter hat sich vom Tierarzt beraten lassen und hofft, dass es die Kleinen schaffen und sie in absehbarer Zeit in das grosse Gehege zu den Artgenossen ziehen können.

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