Wir wollen leben können

Di, 19. Jan. 2021

Die Sicht der Jugend

Der Schutz der Gesellschaft steht an erster Stelle, keine Frage. Aber die Massnahmen gegen Corona haben trotzdem einen grossen Einfluss auf die Jugend. Viele sind im vergangenen Jahr 18 geworden und freuten sich auf die Geburtstagspartys, das Reisen ohne Eltern und die Freiheit, die man als Jugendlicher geniessen kann und erleben möchte. Durch den Lockdown und die strengen Coronaregeln wurde uns dies weggenommen. Man konnte seine Freunde kaum treffen, welche zu unseren wichtigsten Bezugspersonen gehören. Wir mussten den ganzen Tag zuhause bleiben. Das Lernen über den Computer war nicht für jeden einfach. Klar hatte das Zuhause-Bleiben auch positive Aspekte. Ich zum Beispiel genoss, dass ich mir mehr Zeit für mich nehmen konnte und ich sparte mir jeden Tag drei Stunden Schulweg.

Dennoch: Es fühlt sich an, als ob die letzten 12 Monate verschwendet worden sind und wir können sie nicht nachholen. So viele Möglichkeiten wurden uns genommen. Wir konnten nicht feiern gehen, nicht reisen und Erfahrungen sammeln, Abschlussfeiern und Klassenfahrten wurden abgesagt. All dies klingt für manche vielleicht nicht tragisch, doch die jungen Leute wollen Abenteuer erleben und Erfahrungen sammeln. Wir wollen leben können.

Dieser Schritt des Erwachsenwerdens wurde uns genommen und keiner kann sagen, wie lange es noch andauern wird.

Sobald die Zahlen steigen, heisst es von einigen sofort: «Das sind die Jugendlichen, die immer noch Party machen und sich nicht an die Regeln halten.» Diesen Satz musste ich mir oft anhören. Ich leugne nicht, dass es Menschen gibt, aus allen Altersklassen, die sich nicht an die Regeln halten. Aber die Älteren vergessen oft, dass die Ansteckungszahlen wahrscheinlich dadurch steigen, dass wir jeden Tag in vollen Öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule oder Arbeit müssen, und dort nicht immer 2 Meter Abstand zu anderen halten können.

Wir sorgen uns um unsere Zukunft. Es ist schwierig, Arbeitsplätze und Praktika zu finden. Der Lebenslauf füllt sich nicht von allein. Trotzdem werden die Ansprüche der Gesellschaft an uns nicht gesenkt. Wir haben unser Leben noch vor uns, aber können uns nicht richtig darauf vorbereiten. Mir ist bewusst, dass die Pandemie für die Erwachsenen und Senioren sehr furchteinflössend sein kann. Sei es die Angst, dass man den Virus bekommen könnte, die Trauer um die Liebsten, die verstorben sind, oder Existenzängste durch die Schliessung von Läden, Restaurants und anderen Geschäften. Ich habe grosses Verständnis dafür. Für keinen ist die momentane Situation einfach.

Die Schuld an der Pandemie soll aber auf niemanden geschoben werden, genauso wenig kann man uns Jugendliche für ein unperfektes Verhalten beschuldigen.

Alles, was ich mir wünsche, ist etwas mehr Verständnis.

Delia Bedon, 18, besucht die Fachmittelschule Basel und absolviert ein zweiwöchiges Praktikum bei der NFZ.

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