«Wir wollen keine Toten»

Do, 21. Jan. 2021
Die Kantonsstrasse zwischen Mumpf und Obermumpf blieb bis Montagnachmittag geschlossen. Immer wieder knickten Bäume unter der Last der Schneemassen um – einige fielen auf die Strasse. Foto: zVg

Seit Donnerstagnacht wegen umgestürzter Bäume gesperrt, wurde die Kantonsstrasse zwischen Mumpf und Obermumpf erst am Montagnachmittag wieder geöffnet. Eine frühere Öffnung wäre in den Augen des kantonalen Strassenmeisters fahrlässig gewesen.

Ronny Wittenwiler

Der Schnee von vergangener Woche brachte Bäume zu Fall. Viele landeten direkt im Wald, einige mitten auf der Strasse. Bis zu sechzig Streckenabschnitte im ganzen Aargau mussten kurzzeitig gesperrt werden, auch das Fricktal war betroffen und davon am längsten der Abschnitt zwischen Mumpf und Obermumpf. Mehrere Bäume legten sich dort über die Strasse (die NFZ berichtete), der Abschnitt blieb von Donnerstagnacht bis Montagnachmittag gesperrt. Obermumpf von unten? Unerreichbar. Wer von Mumpf her nach Obermumpf wollte, musste den Umweg via Möhlin nehmen.

Kontroverse
Noch am Sonntagmorgen – während der Totalsperrung – wandte sich ein Obermumpfer per Mail an die NFZ. Die Gefahr, dass weitere Bäume auf die Strasse fallen könnten, sei sehr «sehr gering», kam der Mann nach einem Augenschein am Vortag zum Schluss. Weshalb also die Strasse nicht bereits am Freitag oder spätestens am Samstag wieder hätte geöffnet werden können, sei «nicht nachvollziehbar».

Sowas wäre fahrlässig gewesen, sagt stattdessen der für diesen Abschnitt zuständige kantonale Strassenmeister Roland Jegge. Denn noch am Samstag seien weitere Bäume auf die Strasse gefallen – weshalb das von Jegge beauftragte Forstpersonal aus Sicherheitsgründen entschieden hatte, die Räumung vorerst zu stoppen. «Wenn mir ein Fachmann erklärt, seine Arbeit sei aufgrund der Umstände zum Zeitpunkt zu gefährlich, dann werde ich diesem Fachmann nicht widersprechen», sagt Jegge. «Wir wollen keine Toten.» Die NFZ hat bei Urs Steck, Revierförster für den dort zuständigen Forstbetrieb Region Möhlin, nachgefragt. Er bestätigt Jegges Schilderungen. «Ich habe mir das am Freitagmorgen gegen sechs Uhr vor Ort angeschaut. Immer wieder krachten Bäume zu Boden.» Auch am Nachmittag bei einem erneuten Augenschein sei nach wie vor immer wieder zu hören gewesen, wie Bäume unter der Last des Schnees nachgegeben hätten. Für Steck ist klar: Die Räumungsarbeiten fürs Forstpersonal wären unter solchen Umständen zu gefährlich und deshalb nicht zu verantworten gewesen.

«Es braucht viel, bis wir sperren»
Die Strasse zwischen Mumpf und Obermumpf ist seit Montag gegen 16 Uhr wieder geöffnet. Vorübergehend gesperrt war auch die Strasse zwischen Eiken und Schupfart. Dort zeigte sich das Ausmass an Unwägbarkeiten. «Nachdem dort die Strasse geräumt und freigegeben worden war, kam erneut ein Baum zu Fall.» Auch auf dem Abschnitt zwischen Obermumpf und Schupfart krachten Bäume wie Streichhölzer unter der Schneelast. «Wir wollten aber unbedingt verhindern, dass Obermumpf komplett eingekesselt wird», sagt Jegge rückblickend. «Es braucht wirklich viel, bis wir eine Strasse sperren lassen.» Zuerst setze man alles daran, sie offenhalten zu können. Aber eben: nicht zu jedem Preis.

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