Der Herzinfarkt auf der Zielgeraden

Fr, 18. Dez. 2020
Nachdem sich nach Suhr nun auch Oberentfelden aus dem Zukunftsraum Aarau verabschiedet hat, wird das Projekt abgeschlossen. Eine Fusion der fünf Gemeinden ist damit definitiv vom Tisch. Karte: zVg

Aus für «Zukunftsraum Aarau»

Die Region Aarau zu stärken, war das Ziel der am Projekt Zukunftsraum Aarau beteiligten Gemeinden. Zwei der fünf beteiligten Gemeinden sind nun ausgestiegen. Dies bedeutet das Aus für das Projekt «neue Kantonshauptstadt».

Bernadette Zaniolo

Vier Mal hatte die Stimmbevölkerung von Densbüren, Oberentfelden, Suhr, Unterentfelden sowie der Einwohnerrat Aarau Ja zum Eintritt in die nächste Projektphase des Projektes Zukunftsraum Aarau gesagt. Der nächste Schritt wäre nun die Zustimmung zur Ausarbeitung des Fusionsvertrags gewesen. Nach dem Negativ-Entscheid von Suhr an der Urne hat am letzten Sonntag nun Oberentfelden – an der Referendumsabstimmung – dem weiteren Verbleib im Projekt eine deutliche (60 Prozent) Abfuhr erteilt.

Projekt abgeschlossen
«Die Projektleitung hat unter Einbezug der Exekutiven entschieden, das Projekt Zukunftsraum Aarau abzuschliessen», heisst es in einer Medienmitteilung vom Mittwoch. Grund: Die nun im Projekt verbleibenden Gemeinden Aarau, Densbüren und Unterentfelden erreichen zusammen nicht mehr die kritische Grösse, um gemeinsam eine neue Hauptstadt zu gestalten. «Die vorgesehenen Strukturen mit den entsprechenden Gestaltungs- und Optimierungspotentialen lassen sich nicht mehr vollständig realisieren», heisst es in der Medienmitteilung weiter. Die Gemeinderäte Densbüren und Unterentfelden sowie der Stadtrat Aarau werden den Gemeindeversammlungen und dem Einwohnerrat den Verzicht auf die Ausarbeitung des Fusionsvertrags auf der vorliegenden Fusionsanalyse beantragen.

Verpasste Chance
«Ich bedaure es sehr. Es war ein qualitativ gut aufgegleister Prozess», sagt der auf Ende Jahr aus dem Amt scheidende Gemeindeammann von Densbüren, Roger Meyer, zur NFZ. Er war seit Beginn des Projekts vor elf Jahren dabei. Überrascht war er vom deutlichen Nein von Oberentfelden an der Urne, dies nachdem dort an der Gemeindeversammlung noch 66 Prozent dafür waren. Mit Erstaunen nimmt er zur Kenntnis, dass in Oberentfelden die Stimmbeteiligung für etwas so Wichtiges nur gerade 40 Prozent betrug. Meyer findet es schade, dass die Chance nicht genutzt wurde, aus der Position der Stärke zu handeln. Alle der fünf beteiligten Gemeinden seien «gesund».

Engagierte Bevölkerung
Densbüren stehe finanziell sehr gut da. Das sei vor sieben Jahren nicht so gewesen. Meyer ist überzeugt, dass sich in Densbüren auch künftig Leute für die Ämter und Kommissionen finden lassen. Die meisten Densbürer seien quasi «Ureinwohner», die sich für das Dorf engagieren. Weniger optimistisch blickt der Ammann auf die künftige Besetzung der Stellen in der Verwaltung. Aufgrund der Gemeindegrösse seien die Stellen weniger attraktiv. Eine grosse Herausforderung sind die Stellvertretungen bei Urlaub, Krankheit und Unfall.

Und was passiert jetzt mit den auf den 7. März 2021 angesetzten Urnenbeziehungsweise Referendumsabstimmungen in Aarau und Densbüren? Gemäss Sonja Baumann, Projektleitungsassistentin, wird es diese nicht geben. Grund sei der Gegenstand «Ausarbeitung Fusionsvertrag». «Diesen Gegenstand gibt es nun nicht mehr.» Angesprochen darauf, dass die Gemeindeversammlungen und der Einwohnerrat ja vorgängig den Verzicht auf die Ausarbeitung des Fusionsvertrages beschliessen müssten und diese nicht vor dem 7. März möglich sind, sagt Baumann: In Aarau sei ja das Referendum gegen den Ja-Entscheid des Einwohnerrats ergriffen worden. Wenn nun der Stadtrat und der Einwohnerrat den Verzicht erklärten, werde es diesen Vertrag nicht geben. In Densbüren sagte die Gemeindeversammlung Nein zur Ausarbeitung des Fusionsvertrages. Darauf kamen innert kurzer Zeit und ohne «Türklickenputzen» 165 gültige Unterschriften für das Referendum zusammen (nötig waren 138).

Nimmt Densbüren nun die Gespräche bezüglich einer Staffeleggtal-Lösung wieder auf? «Nachdem die Gemeindeversammlung die Ausarbeitung abgelehnt hatte, wurde das Referendum ergriffen. An der Urne ging es dann ein zweites Mal ‘bachab’. Daher wäre es gegen den Willen der Stimmbürger, jetzt wieder mit den beiden Nachbargemeinden in Kontakt zu treten. Ich glaube, dass in Densbüren für die nächsten Jahre die Eigenständigkeit im Vordergrund steht», so der scheidende Ammann Roger Meyer.

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