Ausstrahlungskraft und Attraktivität stärken

Di, 01. Dez. 2020
Redimensioniertem Projekt zugestimmt: Gemeindeland an der Bahnhofstrasse wird erschlossen. Foto: Paul Roppel

Sissler Gemeindeversammlung stimmte Landverkauf und Erschliessung zu

Die Gemeinde Sisseln ist sich ihrer privilegierten Situation bewusst, welche mit 80 Prozent den zweittiefsten Steuerfuss im Fricktal erlaubt, aber auch subtiles Engagement in der Landpolitik verlangt. Die Gemeindeversammlung stimmte einem reduzierten Erschliessungsprojekt zu und verkauft Industrieland.

Paul Roppel

«Wir sind komfortabel unterwegs. Finanziell sind wir privilegiert. Die Jahresrechnung 2019 ist schlichtweg hervorragend und der Überschuss mit 653 000 Franken super», freute sich Gemeindeammann Rainer Schaub an der erstmals am späteren Samstagnachmittag durchgeführten Gemeindeversammlung in der Mehrzweckhalle. Budgetiert war ein Defizit von 126 000 Franken. «2018 war ein Topjahr, 2019 ein Superjahr, aber lassen wir uns nicht darob blenden. Es entbindet uns nicht vor Massnahmen für die Zukunft. Der Handlungsspielraum auf der Ausgabenseite ist klein, aber auf der Einnahmenseite müssen wir aktiv bleiben», informierte er die 59 Teilnehmer (6 Prozent der 971 Stimmberechtigten) an der etwas über zwei Stunden dauernden Gemeindeversammlung mit 9 Traktanden und striktem Gesundheitsmanagement wegen der Corona-Pandemie.

Sorgenkind ist das Hallenbad
Die Pandemie werde in der Rechnung 2020 sicher eine Delle hinterlassen, warnte er schon mal vorzeitig. So zeigte das Sorgenkind Hallenbad bereits vor der Pandemie eine beunruhigende Entwicklung und das Defizit verharrte im 2019 wie im Vorjahr schon trotz eingeleiteter Massnahmen bei knapp 0,5 Millionen Franken. Ein Votant bemängelte den stetig höheren Beitrag (463 000 Franken gegenüber 374 000 Franken im Vorjahr) den die Gemeinde in den Finanzausgleichsfonds zahlen müsse. «Das ist ausgleichende Solidarität, nicht alle Gemeinden sind in unserer privilegierten Lage», erwiderte Schaub. Zum beneidenswerten Mix an Steuern mit 2.9 Mio. Franken von natürlichen Personen, 1,3 Millionen Franken aus Quellensteuern und 1 Mio. Franken aus Aktiensteuern, müsse Sorge getragen werden. Dazu gehöre auch die Führung des Familienzentrums Elfe, womit das Image und die Ausstrahlungskraft der Gemeinde für Zuzüger erhöht werde.

Budget 2021 mit roter Null
Das schuldenfreie und mit 36 Millionen Franken an Eigenkapital ausgestattete Sisseln, darunter für 14 Millionen Franken Bauland, müsse sein Finanzvermögen bewirtschaften, um den hochattraktiven Steuerfuss von 80 Prozent erhalten zu können, unterstützte auch Ralf Dümpelmann von der Finanzkommission die Exekutive. Der Finanzplan sieht für die nächsten fünf Jahre knapp fünf Millionen Franken an Investitionen vor. Für 2021 ist bei einem Aufwand von 10 Millionen Franken ein Defizit von 5700 Franken budgetiert. Rechnung 2019 und Budget 2021 wurden mit grossem Mehr genehmigt. Ganz im Kontext der Strategie «dosierter Verkauf von Bauland» stand der Antrag, die Industrieparzelle Grossmatt mit einer Fläche von 6097 Quadratmetern an die kaufwillige Firma Busch AG, weltweit agierender Hersteller von Vakuumpumpen, für 2.134 Mio. Franken zu veräussern. Schon zweimal hatte der Souverän zu einem Verkauf an andere Interessenten die Zustimmung gegeben, was aber nicht zustande kam. «Die Firma mit ihrem Projekt und 30 Arbeitsplätzen passt hervorragend in unsere Gemeinde», zeigte sich Schaub zuversichtlich und erhielt die Zustimmung des Souveräns. Den vor einem Jahr abgelehnten Kredit von 2.8 Mio. Franken zur Erschliessung des Baugebietes Rütistrasse/Bahnhofstrasse rollte Gemeinderat Jean-Marc Rechsteiner nun in der sehr stark redimensionierten Version auf, die keine Verlegung der Bahnhofstrasse mehr vorsieht und für 0,95 Mio. Franken erfolgen soll. Damit ermöglicht Sisseln gemeindeeigenes Land für das knapp werdende Bauland für sechs Einfamilienhäuser anbieten zu können. Es bedingt aber den Strassenrichtplan neu aufzulegen. Vizeammann Kurt Bächtold beantragte den Kredit für 305 000 Franken für die Beschaffung von neuen Stromzählern, welche in drei Tranchen in der Gemeinde bis 2027 installiert werden sollen, was kommentarlos genehmigt wurde.

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