«Harmonie im Team ist das A und O»

Sa, 19. Dez. 2020
1994 gewinnt das Team eine olympische Silbermedaille in Lillehammer: Guido Acklin (von links), Janis Kypurz Letischer (Trainer), Reto Götschi (Pilot).

Der ehemalige Bob-Anschieber Guido Acklin erinnert sich

Es sind schon ein paar Jahre vergangen, seit Guido Acklin aus Herznach zum letzten Mal einen Bob angestossen hat. Trotzdem fasziniert ihn diese Sportart noch immer gleich wie zu Beginn und er blickt gerne auf die erfolgreiche und erlebnisreiche Zeit zurück.

Miriam Häusler

Begonnen hat damals alles mit der Überzeugungskraft seines älteren Bruders Donat Acklin. «Donat war schon seit längerer Zeit im Bob-Sport mit dabei, als er mich überzeugte, an einem Schweizer Bob Test teilzunehmen», erklärt Guido Acklin, ehemaliger Bob-Anschieber aus Herznach. Obwohl er zu dieser Zeit Zehnkämpfer und gelegentlicher Handballer war, reizte es ihn trotzdem stark, den Anschieber-Test zu machen, welchen er darauf auch auf Anhieb mit guten Resultaten absolvierte. «Kurze Zeit nach dem erfolgreichen Test rief mich Reto Götschi, ein Pilot, an und fragte mich, ob ich mit ihm ein Training fahren würde, was ich darauf tat», erinnert sich der Sportler. «So war für mich der Einstieg in den Bob-Sport geschafft. Ich war nicht der schnellste Sprinter bei den Anschiebern, aber ich war in allem gut. Sprint, Explosivität und Kraft, die Leichtathletik und das Handball hatten mich gut darauf vorbereitet.» Platz, um den Zehnkampf sowie das Bob-Fahren gleichzeitig erfolgreich auszuüben, blieb allerdings wenig, das war Guido Acklin schnell klar. So musste er sich für eine der beiden Sportarten entscheiden: «Ich wusste, dass es mit dem Bob-Fahren für mich schneller möglich war, international mit dabei zu sein, ausserdem reizte mich der Gedanke, an einer Olympiade teilzunehmen stark», begründet er seine Entscheidung für den Wintersport.

Bereut hat er diese bis heute nicht. Ganz im Gegenteil. Während seiner Zeit als Anschieber durfte er so viele Erfolge erleben, verschiedene Länder bereisen und verschiedenste Menschen kennenlernen, was ihn nicht nur im Sport, sondern auch heute in seinem Alltag weitergebracht hat. «Es ist ein schönes Gefühl, mit dem Team umherzureisen», findet Guido Acklin. «Mit der Zeit wird man zu einer grossen Familie und man steht sich nahe. Es gibt so viele tolle Erlebnisse, die man miteinander teilen kann», findet Guido Acklin. Ausserdem war es für ihn auch ein sehr interessanter Sport, da das Team teilweise selber an der Technik des Bobs herumbastelte und er sehr viel dabei lernen konnte.

«Wie ein Rennross in der Box»
«Bob-Fahren ist eine kurze und schnelle Sportart», erklärt Guido Acklin. Der Start selber sei enorm wichtig, um ein gutes Resultat zu erzielen. Ein Drittel des Erfolgs bestehe aus der Fahrtechnik, ein weiterer aus dem Material des Bobs und den Kufen und ein Drittel mache die Startzeit aus. «Das Anstossen dauert knapp vier bis fünf Sekunden», erklärt er. «Das ist eine extrem kurze Zeit, in welcher man von null auf hundert gehen und alles aus sich herausholen muss. Man fühlt sich wie ein Rennross in der Startbox und muss vollkommen bereit sein.»

Mit einem Lächeln auf den Lippen erzählt er, wie sich die Teammitglieder wenige Minuten vor dem Start gegenseitig aufzupeitschen versuchen. «Man versucht sich aggressiv zu machen, damit man eine noch bessere Leistung bringen kann», erklärt er weiter. «Es wird geschrien und man schlägt sich gegenseitig auf die Helme. Jedes Team hat da seine eigene Taktik. Für Zuschauer muss es sehr verrückt aussehen», schmunzelt Guido Acklin.

Die grosse Liebe
Während elf Jahren betrieb Guido Acklin Intensivsport. «In den Wintermonaten waren wir Profis, während dem Rest des Jahres arbeiteten wir ganz normal und trainierten nebenbei», erinnert sich der Sportler. Zusammen mit seinen Teamkameraden hat er während elf Jahren etliche Auszeichnungen und Medaillen an Bord holen können. Darunter die Olympia Silbermedaille im 2er Bob, oder den Europa- und Weltmeistertitel im 2er und Europameister im 4er Bob. «Zwischen all diesen Erfolgen gibt es aber ein spezielles Highlight, welches von nichts getoppt werden kann», erzählt Guido Acklin glücklich. Denn während seiner Zeit als Anschieber hatte er seine heutige Frau kennengelernt, welche ebenso im Bob-Sport unterwegs war. «Ich kann mich noch gut daran erinnern, als wir uns das erste Mal gesehen haben. Es war an einem Einladungsrennen in Deutschland. Da sie das erste Mal auf dieser Bahn fuhren, haben wir ihrem Team, welches als Spurbob im Einsatz war, im ersten Trainingslauf bis in die erste Kurve geholfen und dann losgelassen. Kurze Zeit später vermeldete der Speaker, dass ihr Bob auf der Strecke gekippt war und wenige Zeit darauf kam sie wieder den Hang heraufgelaufen», erzählt er, froh darüber, dass er sich für den Bob-Sport entschieden hatte.

Hoffnung im Nachwuchs
Nachdem Guido Acklin seine Karriere als Anschieber im Jahr 2002 beendet hatte, fokussierte er sich auf die Arbeit und die Familie. Nebenbei leitete er im Turnverein in Herznach die Leichtathletik. So trainierte er auch die Gebrüder Roger und Marco Leimgruber aus Herznach, welche sich momentan im Bob-Sport versuchen und bereits im Weltcup mitfahren. Mit Sandro Michel, welcher sehr erfolgreich mit dem Team Vogt unterwegs ist, hat das Fricktal nun gleich drei Anschieber, welche international unterwegs sind. «Durch diese Fricktaler verfolge ich den Bob-Sport wieder mehr als früher», so Guido Acklin. «Es freut mich wirklich sehr, dass es Nachwuchs aus dem Fricktal gibt, in solch einer aufwändigen und nicht alltäglichen Sportart wie dem Bob-Fahren», erklärt er. Für die Zukunft hoffe er für all diese Athleten, dass sie genauso eine schöne und aufregende Zeit erleben dürfen, wie er damals und wünscht ihnen nur das Beste.

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