Parteilos, aber mit klaren Meinungen und Prinzipien

Mo, 14. Sep. 2020
Stefan Grunder versucht immer, möglichst viele Personen in Entscheidungen einzubeziehen. Foto: Edi Strub

Seit drei Jahren ist Stefan Grunder Gemeindeammann in Eiken, achtzehn Jahre lang war er Präsident des Fussballclubs. Sich zu engagieren, ist sein Leben. Und Stefan Grunder ist ein Teamplayer. Besonders wichtig ist ihm, dass auch Frauen in Gemeinde- und Vereinsangelegenheiten mitreden. Sie seien oft weitblickender.

Edi Strub

«Es tut mir leid, ich muss immer wieder auf mein Handy schauen. Denn ich werde heute wahrscheinlich zum zweiten Mal Grossvater», sagt Gemeindeammann Stefan Grunder, als wir uns im Gemeindehaus von Eiken an einen Tisch setzen. Enkelkinder sind sein Hobby. Sie sind ihm sehr wichtig. Mit der dreijährigen Emilia geht er immer in den Garten, wenn sie bei ihnen ist. Sie hat dort ihr eigenes «Bettli» und schaut immer gespannt, was seit dem letzten Besuch aus ihren Pflänzchen geworden ist. Gerne pflückt sie auch die Sachen.

Gemeindeamman, Job und Fussballclub
Stefan Grunder ist ein vielbeschäftigter Mann. Er ist eigentlich jeden Tag im Gemeindehaus – etwa zwei Stunden oder je nach Bedarf auch mehr. Dazu hat er einen 100 Prozent Job bei Swiss Life als Vorsorge-Berater. Von Swiss Life hat er ein Budget, das er erreichen muss. Er hat es bisher immer geschafft, aber es ist happig, achthundert Kunden muss er betreuen. Und da ist noch der Fussballclub. Grunder ist jetzt Ehrenpräsident, das ist nicht mit viel Arbeit verbunden, aber der Gemeindeammann ist doch immer wieder auf dem «Netzi», wenn die 1. Mannschaft spielt. Da trifft er Leute und erfährt, was sie beschäftigt.

Stefan Grunder gehört keiner Partei an. Er kann auch nicht sagen, welcher Partei er am nächsten steht. Sein Programm als Politiker fasst er mit drei Begriffen zusammen: Gerechtigkeit, Gleichbehandlung und Respekt. Das sind seine Grundüberzeugungen. Es sei nicht möglich, es allen «recht zu machen», sagt er. Aber Respekt verdienten sie alle. Entscheidungen führten fast immer auch zu Enttäuschungen. Als Gemeindeammann braucht es daher einen breiten Rücken. Seine Frau und seine Familie haben ihn dabei immer unterstützt. Ohne das würde es nicht gehen.

Nicht einfach für sich entscheiden
Als sich 2016 die Frage stellte, ob er in einer schwierigen Phase in der Gemeinde Ammann werde wolle, habe er die ganze Familie inklusive Schwiegertochter und -sohn um den Tisch versammelt und gefragt, ob er das machen soll. «Ja klar, mach das, probiere es», hiess es einstimmig. Auch wenn es nun darum geht, ob er in den Gemeinderats-Wahlen im kommenden Herbst wieder kandidieren soll, werde er nicht alleine einfach für sich entscheiden. Für diesen Herbst hat er im Gemeinderat bereits eine Klausur einberufen, um zu entscheiden, ob alle weitermachen oder wer allenfalls aufhört. Sie würden das gemeinsam klären, denn er sieht den Gemeinderat als ein Team. Mit viel Arbeit und Engagement haben sie die Gemeinde in den vergangenen Jahren wieder auf Kurs gebracht. Nun stellt sich die Frage, ob Neue übernehmen sollen oder ob die jetzigen Räte ihr Werk vier Jahre weiterführen sollen.

Im Eikener Gemeinderat sitzen vier Männer und eine Frau. «Ich bin froh, dass eine Frau im Gremium ist. Frauen denken einfach anders, meist ein bisschen weiter. Sie nutzen beide Gehirnhälften.» Auch im Fussballclub war eine Frau im Vorstand, obschon es keine Frauensektion gab und gibt. Mit einer Frau im Gemeinderat herrsche einfach eine andere Atmosphäre als mit nur Männern, sagt Stefan Grunder. Er habe sich gefreut, als Sandra Adamek in den Gemeinderat gewählt wurde. Sie mache ihre Arbeit sehr gut, sie kümmere sich unter anderem um das Soziale.

Ein paar Tage in die Berge
«Haben sie auch manchmal genug und denken, nun möchte ich es ein bisschen ruhiger nehmen?» – Ja, das komme schon vor. Aber dann fährt er mit seiner Frau für ein paar Tage in die Berge nach Arosa und gehe wandern. Dort sei er ganz weit weg und könne sich entspannen. Dieses Jahr ist er allerdings kaum dazu gekommen. Er hat nicht einmal seine Ferien bezogen. Der Grund: Corona. «Das ganze Vereins- und Dorfleben ist eingebrochen», sagt Grunder. Die Leute haben sich kaum mehr getroffen, weil sie nicht mehr singen, Theater und Fussball spielen konnten. Alle dieses Kontaktflächen hat es auf einmal nicht mehr gegeben. Die Leute – vor allem die älteren – sind zuhause geblieben und haben zum Teil nur noch Fernsehen geschaut. Sie waren verunsichert und verängstigt und haben nicht verstanden, was da vor sich geht. Ständig neue Hiobsbotschaften, oft übertrieben und aus dem Zusammenhang gerissen. Eines hat allerdings sehr gut funktioniert: die Nachbarschaftshilfe. Die Gemeinde hat Hilfe angeboten, um Leuten aus der Risikogruppe Lebensmittel und andere Dinge nach Hause zu bringen. Das ist nur sehr wenig in Anspruch genommen worden. Alle hatten offenbar Verwandte, Bekannte und Freunde, die ihnen spontan beistanden.

Als ich nach dem Interview nach Hause komme, blinkt mein Handy. Stefan Grunder teilt mir mit, dass er eben zum zweiten Mal Grossvater geworden ist. Eine Viola habe das Licht der Welt erblickt.

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