Ein Weinbauverein für Geniesser

So, 13. Sep. 2020
Die vier Rebbauern aus Bözen und Effingen zusammen mit Ueli Widmer (Mitte): Hans Amsler (von links) und Reto Pfister (sie betreiben daneben eine vielschichtige Landwirtschaft), Rolf Heuberger und Peter Büchli (sie sind reine Rebbauern). Foto: zVg

Vor 30 Jahren wurde der Verein Bözer Reb- und Weinfreunde gegründet. Gränichen übernahm unter der Leitung des damaligen Gemeindeammanns Edi Kaufmann die Weinpatenschaft, mit dem Ziel, an den Vereinsveranstaltungen nicht ausschliesslich über Techniken zu reden, sondern vor allem den Wein zu geniessen.

Gränichen, eine Grossgemeinde ohne Weinbau – Bözen, eine Kleingemeinde mit Weinbau. Diese Partnerschaft entwickelte sich prächtig. Die Bözer Rebleute wollten keinen simplen Verein, bei welchem nur über technisches Wissen, über Maschinen, Kelterung und Spritztechniken gefachsimpelt wird. Hier sollen die Weingeniesser im Zentrum stehen, und gleichzeitig konnte damit einer breiten Interessensgemeinschaft die Arbeit der Rebbauern, ihrer terroirs (Böden), ihre Anstrengungen und vor allem auch die Natur näher gebracht werden. Die vier angeschlossenen Winzerbetriebe, Rolf Heuberger (Post), Peter Büchli (Rebbetrieb Effingen), Reto Pfister (Lindenthal) und Hans Amsler (Söhrenhof ), lassen ihre neuesten Weine anlässlich der jährlichen Generalversammlung degustieren und kommentieren diese.

Die vier Fricktaler Winzer tun das mit profundem Wissen und Herzblut in ihrer angeborenen Winzersprache. Dabei benutzen sie die Gelegenheit, das vergangene Rebjahr allenfalls mit Trockenheit, Frost oder gar Hagel Revue passieren zu lassen und eindrücklich zu dokumentieren, dass die Natur ihr wichtigster Partner ist – auf Gedeih und Verderben.

Selbsthilfe war angesagt
1988 wurde den Bözener Rebleuten die Traubenübernahme-Kontakte von VOLG aufgekündigt. Die Selbstvermarktung wurde zum Thema und ist es heute noch. Als Hans Peter Joss 1989 als Gemeindeammann demissionierte, wurde er damit beauftragt, die Gründung eines Vereins von Weinliebhabern zu initiieren, und so erkor Hans Pfister-Amsler (Ursi Hans) an der ersten Vorstandssitzung vom 3. Dezember 1989 die «Bözer Reb- und Weinfreunde». 65 Interessierte erklärten an der Gründungsversammlung vom 19. Januar 1990 spontan, sich als Mitglieder eintragen zu lassen. Der Aargauer Rebbaukommissär Peter Rey leitete die erste Degustation mit dem Vermerk: «Schön, dass es diese Vereinigung gibt!» Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sie die nächsten drei Jahre überdauert. Heute ist sie 30 Jahre alt.

Hans Peter Joss hat mit dem damaligen Gränicher Gemeindeammann Edi Kaufmann die Verbindung zwecks Gründung einer Weinpatenschaft hergestellt. «Leider wurde diese Patenschaft von Seite des Gränicher Gemeinderates per 31. Dezember 2018 aufgelöst», heisst es in einer Medienmitteilung des Vereins Bözer Reb- und Weinfreunde.

Die Gränicher Vereinsmitglieder halten jedoch nach wie vor die Treue zu ihren Rebleuten im Fricktal, dafür sorgt der Gränicher Ueli Widmer mit grossem Engagement. Nach dem Rücktritt des ehemaligen Präsidenten hielt er den Verein zusammen und konnte die vier jungen Rebbauern dazu animieren, neue Strukturen zu schaffen. Drei Veranstaltungen im Jahr werden nach wie vor durchgeführt, Generalversammlung im Januar, Rebumgang im Juni und eine Vereinsreise im September.

Apéro am 15. September mit Mitgliederwerbung
«Dem Verein liegt viel daran, neue Mitglieder zu werben, denn heute wird der direkte Bezug zu den Rebleuten mehr denn je geschätzt: Zurück zur Natur, zur regionalen Produktion. Echte Weingeniesser wollen wissen, wo ihre bevorzugten Tropfen wachsen und wie diese von den Rebleuten verfeinert werden», heisst es in der Medienmitteilung weiter. So wird am Dienstag, 15. September, um 19 Uhr, mitten im Rebberg, unter den Terrassenreben in der Grueb in Bözen, ein Werbeapéro für jedermann durchgeführt. An diesem beteiligen sich alle vier Rebbetriebe, in der Hoffnung, neue Mitglieder zu gewinnen. Die Winzer benutzen die Gelegenheit, ihre Weine und vor allem auch ihre sorgfältig gekelterten und gepf legten Spezialitäten vorzustellen. Den Besuchern wird dabei durch motivierte junge Rebbauern – ihre Betriebe sind seit Generationen im Familienbesitz – der einheimische Rebbau näher gebracht, um die Sensibilität zu einheimischen Provenienzen zu fördern. Dies in einer Zeit, wo das Urchige und Naheliegende wieder vermehrt geschätzt wird. «Wer von Üppigkeit und Eitelkeiten genug hat, dem sei empfohlen, hier mitzumachen», so Hans Peter Joss, der Initiant des Vereins Bözer Rebund Weinfreunde. (mgt)

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