Der Apfel hat’s in sich

So, 13. Sep. 2020
Die Äpfel werden angeliefert – und mit Wasserkraft zum Pressen transportiert. Dann ruft die Arbeit. Fotos: zVg

Mit der Kraft des Bachwassers produzieren sie goldenen Saft: ein Prost auf den Helliker Apfelmost.

Ronny Wittenwiler

Dieser Tropfen tut den Fricktaler Fledermäusen richtig gut. Das ist ein schöner Nebeneffekt, den dieses alte und wiederbelebte Handwerk mit sich bringt. Hier am Sagiweg, wo einst auch die Späne f logen, perlt derzeit wieder der goldene Saft. Es wird gemostet und dabei das Beste herausgeholt. Dafür sorgt der Verein Fledermosti Hellikon seit ein paar Jahren.

Neues Leben eingehaucht
Schon seit 1949 wird die Infrastruktur des Sägereibetriebs auch für’s Mosten genutzt. Zum Einsatz kommt die Kraft des Wassers, abgeleitet vom Möhlinbach über einen Kanal. Nach dem Tod des Besitzers der Sägerei standen die Maschinen plötzlich still. Zwei Jahre danach und auf Initiative von «Pro Natura» liessen sich ein paar fleissige Helliker finden, die dem stillgelegten Brauchtum wieder Leben einhauchten. Als Förderverein «Fledermosti Hellikon» sorgen die Macher dafür, dass die Äpfel auf den Feldern von Hellikon und der Region nicht einfach links liegen gelassen werden. Heuer plätscherte das Wasser des Kanals erstmals am 17. August durch die einstige Sägerei und der süsse Most begann zu sprudeln.

Damit alles seine Richtigkeit hat, und wirklich das Beste aus den Äpfeln herausgeholt wird, dafür sorgt Ernst Schlienger, der vereinseigene Mosti-Meister. «Pro Stunde können wir tausend Liter produzieren», sagt er, mittlerweile ein richtiger Meister seines Fachs. «Und wir holen mit dieser Anlage bis 85 Prozent der Flüssigkeit aus den Äpfeln.»

Nachhaltigkeit in Reinkultur
Wenn Ernst Schlienger und seine Mitstreiter jeweils die Anlage in Betrieb nehmen, dann hat das etwas Nostalgisches. Doch nicht nur das. Amandus Brogle, Vizepräsident des Vereins, sagt es so: «Es wäre schade, wenn die vielen Äpfel nicht verarbeitet würden und unter den Bäumen verrotten. Wir stellen ein hochwertiges Nahrungs- und Genussmittel her, das auch aus ökologischer Sicht wegen kurzer Transportwege ein Top-Produkt ist. Und letztlich ist die Fledermosti auch ein Beitrag an die Biodiversität.»

Hier kommt dann die Fledermaus ins Spiel, die sich zwischen den Obstgärten wohl fühlt und vom Jurapark Aargau im Wegenstettertal geschickt beworben wird. Fakt ist: Die Fledermosti trägt letztlich auch zur Förderung hiesiger Hochstammbäume bei.

Herzblut
Normalerweise lädt der Verein einmal im Jahr zum Mosti-Fest. Heuer fällt es ins Wasser, wegen Corona. Das aber lässt die Macher nicht davon abhalten, die angelieferten Äpfel zu verwerten und daraus den süssen Saft zu pressen. In der Regel fährt Mosti-Meister Schlienger mittwochs und freitags die Maschinen hoch – je nach angelieferter Menge. «Jeder kann hier mit seinen Äpfeln seinen eigenen Most pressen lassen», sagt Amandus Brogle. Auch können Interessierte gepressten Most kaufen.

Eines ist klar: Auch wenn der Saft beinahe die Farbe des Goldes hat – reich wird damit keiner. Das aber hat auch nie jemand vorgehabt. Man spürt das Herzblut, das die Macher in Hellikon in ihr Tun investieren. «Mit dem Erlös unterhalten wir die Infrastruktur», sagen Amandus Brogle und Mosti-Meister Schlienger. Ohne diesen Verein wären hier am Helliker Sagiweg die Zeit und die Maschinen still gestanden. Jetzt aber laufen sie wieder – so lange im Tal die Äpfel von den Bäumen fallen.

Alle Infos zu den Preisen und Verkaufsstellen im Internet.

www.fledermosti.ch

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