«De Honigmaa vo Sissle»

Mo, 10. Aug. 2020
Patrick Grossmann, der «Honigmaa vo Sissle» ist fasziniert von der Imkerei. Foto: Hildegard Siebold

Patrick Grossmann aus Sisseln ist fasziniert von der Imkerei

Die einen haben sich dem Hund verschrieben, andere können sich ein Leben ohne eine schnurrende Katze nicht vorstellen. Patrick Grossmanns Leidenschaft gehört seinen summenden Bienenvölkern. Seit 2014 frönt der «Honigmaa vo Sissle» der Imkerei.

Hildegard Siebold

«Ich wollte einfach etwas mit meinen Händen machen», antwortet er auf die Frage, wie er auf die Bienen gekommen sei. Draussen sollte es sein, in der freien Natur. Auf der Suche nach einem naturnahen Handwerk – das Werkeln mit den Händen hatte er in seinem Beruf als Grenzwächter irgendwann vermisst – schwebte ihm die Imkerei vor – oder die Jagd. Und weil er «Tierli lieber sieht als sie zu töten», wählte er die Imkerei und begann 2014 beim Bienenverein Fricktal seine Bienenausbildung.

«Ein ganz braver Schwarm»
«Völlig unbedarft» ging er an die Sache heran. «Ich bin der erste Imker in der Familie», erklärt er trocken. Natürlich könne man ein Bienenvolk samt Königin kaufen, er wollte sie aber selbst züchten. Als die Bienen im Frühling schwärmten, fing er seinen ersten Schwarm. Der hing an einem Baum zwischen Eiken und Schupfart. Ein Nachbar hatte ihm den Tipp gegeben. «Das war ein ganz braver Schwarm, so richtig schön auf Arbeitshöhe», schmunzelt er und lässt den ihm eigenen Humor hervorblitzen. Seine ersten Bienen fanden ihr Zuhause in einem alten Bienenwagen, den er mit einem Kumpel restauriert hatte. «Das Ding war wirklich uralt», erzählt er. Schnell wurde Patrick Grossmann klar, dass er sein Hobby ausbauen wollte. Sein Wissensdurst wurde durch den Verein nicht mehr gestillt, er wollte tiefer in die Materie der Imkerei eintauchen. So entschloss er sich, die Ausbildung zum Imker mit eidgenössischen Fachausweis anzugehen. Fünf Jahre dauert diese, im Moment absolviert er den zweiten von fünf Teilen.

Der Kontrast: brav und süss versus bös
Dahinter verbirgt sich blockweise Unterricht, vor allem im Winter und vor allem Theorie mit Profi-Referenten vom Fach. Nach vierjähriger Ausbildung hat jeder «Schüler» ein Jahr Zeit, um seine Abschlussarbeit zu sch rei ben. Sei ne A rbeit a ls Grenzwächter lässt ihm Zeit für sein Hobby. «Ich arbeite im Schichtbetrieb», erklärt er. Seit 25 Jahren. Grenzwächter oder Polizist waren seit jeher sein Traumjob. Er hätte beides wählen können, entschied sich dann aber doch für den Dienst an der Grenze. «Der Reiz ist, die richtig Bösen zu erwischen», sagt er. Der Job sei tiefgründig, kein Tag wie der andere. Im Laufe der Zeit entwickle man ein Warnsystem, man spüre, wenn etwas nicht stimmt. Vor seiner Ausbildung als Grenzwächter wählte er jedoch einen ganz anderen Beruf. Aufgewachsen in Seengen am Hallwilersee, begann er nach der Schule zuerst eine Lehre als Bäcker-Konditor. «Ich esse gerne Süsses», erklärt er diese Berufswahl mit einem tiefen Schmunzeln. Im Grunde war es eine Überbrückung bis er das Alter für die Ausbildung zum Grenzwächter hatte. Nach drei Jahren Lehre folgte das Militär. Danach ging er auf Reisen. Drei Monate nach England, um Englisch zu lernen, vier Monate mit einem Kollegen nach Amerika, um das Land zu entdecken. Fast wäre er hängengeblieben. In der Nähe von Miami wollte ihm ein Bäcker seine Bäckerei verkaufen. «Wir hatten uns verfahren», erzählt er. In einem Ladengeschäft namens «Swiss Bakery» wollten sie nach dem Weg fragen, und trafen auf reinstes «Schwyzerdütsch». Da hatte sich ein Landsmann in Amerika niedergelassen. Er war 65 Jahre alt und wollte in den Ruhestand. «Aber ich hatte schon das OK von der Grenzwacht», sagt er. Und dann gab es da in der Heimat noch ein Mädchen namens Nicole, das ihn heute als Frau an seiner Seite bei der Imkerei unterstützt.

Wissenschaft und Humor
20 Bienenvölker besitzt der «Bienemaa vo Sissle» inzwischen, jedes Volk zählt zwischen 30 000 und 50 000 Bienen. Reich wird er als Imker nicht, aber die Arbeit mit den Bienen in der Natur fasziniert ihn einfach. Und dabei entwickelt er immer neue Ideen. So vermietet Patrick Grossmann, der sich als Aktuar auch im Verein für Natur und Umwelt Sisseln engagiert, etwa Bienenvölker an Firmen oder an Bauern und Obstproduzenten für die Bestäubung. Selbst Privatpersonen können bei ihm ein Bienenvolk mieten und dessen Treiben im eigenen Garten beobachten. Auch Standbesuche beim Bienenwagen von Patrick Grossmann sind möglich: Dann taucht er mit Familien, Schulen oder Firmen ein in die Wissenschaft der Imkerei. Der Bienenwagen hat seinen Standort in Sisseln direkt am Ufer des Sissler Bachs, in unmittelbarer Nähe eines kleinen Biotops. Weitere seiner Bienenvölker sind in Obermumpf zuhause. «Schwarz mögen sie gar nicht», erklärt Patrick Grossmann schmunzelnd mit Blick auf die Bekleidung der Besucherin. Da ist er wieder, dieser spezielle Humor, mit dem er vermutlich jedes Gegenüber einnimmt. Erst als er über seine schwarzen Handschuhe ein weiteres leuchtend blaues Paar stülpt, wird deutlich, dass er das wohl ernst gemeint hat. Ein bisschen flau ist das Gefühl in der Magengegend jetzt doch. Aber die Bienen summen völlig unaufgeregt weiter, selbst als der Honigmaa mit ruhiger und besonnener Hand ein Magazin mit einem jungen Volk öffnet. Die oberste Prämisse bei der Bienenzucht ist für ihn, dass es richtig gemacht wird und der Imker mit Herzblut dahintersteht. Seine Bienen sammeln eifrig Pollen und im Hause Grossmann entstehen feine, zertifizierte Spezialitäten: Cremig gerührter Sissler Rapshonig mit einem 90,7-prozentigen Anteil an Raps-Pollen, herzhaft aromatischer Sommerhonig, würziger Waldhonig und Wabenhonig. Dahinter verbirgt sich Honig in seiner reinsten Form, der in der Wabe geerntet und verzehrt wird. Dazu gesellt sich Propolis, ein Bienenprodukt mit antibakterieller und entzündungshemmender Wirkung.

Weitere Infos von Patrick Grossmann und seinen Bienen gibt es im Internet unter www.honigmaa.ch

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