Ein solches Hochwasser soll sich nicht wiederholen

Fr, 24. Jul. 2020
Die neue Fischerhütte bei der Kaisterbachmündung in den Rhein wurde auf den Kopf gestellt. Fotos: Kaister Rückspiegel

Ein verheerendes Unwetter richtete vor genau 20 Jahren massive Schäden in Kaisten an. Der über die Ufer getretene, zum reissenden Fluss gewordene Kaisterbach bahnte sich seinen Weg über Strassen, durch Häuser und Felder hinunter zum Rhein.

Susanne Hörth

«Wenn ein Gewitter aus Richtung des Schienberges kommt, wird es besonders schlimm», lassen alteingesessene Kaister immer wieder mal verlauten. Eine Weisheit, die sich vor 20 Jahren, genauer am 13. Juni 2000, mit aller Kraft bewahrheitete. An jenem Abend zog ein heftiges Gewitter über das Fricktal und vom Schienberg her eben auch über Kaisten. Es donnerte und blitzte, regnete und hagelte. Die heftigen Regenfälle liessen die Bäche schon bald einmal über die Ufer treten. Was dann folgte, wird in der Dorfchronik «Kaister Rückspiegel», Ausgabe des Jahres 2000, so beschrieben: «Die grossen Wassermassen trafen im Kaister Dorfzentrum aufeinander, machten die Hauptstrasse unpassierbar, wälzten sich beim Café Eichhörnli über die Schulstrasse Richtung Schulanlage.» Der damalige Feuerwehrkommandant Alois Amsler berichtete von Wellen bis zu einem Meter hoch auf der Schulstrasse. Die Feuerwehr musste in der Unwetternacht auch Personen vor den Wassermassen retten; sie hatten versucht, ihre Autos in Sicherheit zu bringen und brachten sich dabei selbst in Gefahr. Welch Kräfte in dieser Nacht am Wirken waren, zeigt auch ein Artikel-Ausschnitt des «Fricktaler Boten»: «Was dem Wasser auf seinem Weg vom Berg Richtung Rhein im Weg war, wurde zerstört oder mitgerissen. Kellerräume füllten sich bis zur Decke, Autoeinstellhallen waren teilweise randvoll. Für nicht rechtzeitig umparkierte Autos (es waren deren 30) gab es keine Rettung mehr. Fensterscheiben und Türen barsten unter dem gewaltigen Druck. Mancherorts f loss der Kaisterbach durch Stube und Küche.»

Feuerwehr im Dauereinsatz
Gegen 23 Uhr am Abend dieses 13. Junis 2000 beruhigte sich die Situation etwas. Bezogen aber lediglich auf das Wetter und die langsam abfliessenden Wassermassen. Schwerstarbeit leistete die Feuerwehr, die von der ersten Alarmierung um 21.11 Uhr rund 24 Stunden ohne Unterbruch im Einsatz stand. Auch die Chemiewehr der Stützpunktfeuerwehr Frick musste aufgeboten werden, um auslaufendes Heizöl abzupumpen.

Das ganze Ausmass der Schäden zeigte sich erst am nächsten Morgen bei beginnendem Tageslicht. Überall Dreck, Schlamm und Verwüstung. Die Aufräumarbeiten werden noch Wochen in Anspruch nehmen. «Einzelne Wohnhäuser waren nahezu unbewohnbar», heisst es dazu im «Kaister Rückspiegel». Im Schulpavillon hatte das Wasser im Untergeschoss schlimme Spuren im Werkraum sowie im Lager der Dorfvereine hinterlassen. Neben den grossen Schäden an und in Gebäuden wurden auch Strassen in Mitleidenschaft gezogen. Unter dem aufgeplatzten Asphalt kamen die Werkleitungen zum Vorschein.

Wahrhaftig auf den Kopf gestellt hatte das Hochwasser auch die neue Fischerhütte bei der Kaisterbachmündung in den Rhein. Vorübergehend musste aufgrund der verunreinigten Wasserversorgung das Trinkwasser für die Bevölkerung mit einer Zisterne herbeigeführt werden.

Zur Unterstützung bei den Aufräumarbeiten wurden auch Zivilschutzangehörige aufgeboten. Hilfe kam auch von der Nachbarsfeuerwehr aus Ittenthal. Im Jahre 2000 war Ittenthal noch eigenständige Gemeinde und nicht Ortsteil von Kaisten.

Fazit nach verheerendem Unwetter
Das Positive vorneweg: es kamen keine Personen zu Schaden. Der Sachschaden hingegen bezifferte sich auf über 12 Millionen Franken. Alleine bei den Gebäudeversicherungen gingen 241 Schadensmeldungen ein. Die Stunden, Tage und Wochen, welche die Bevölkerung in die Aufräumarbeiten steckten, können nicht in Zahlen beziffert werden. Was auch nicht fassbar ist, sind die vielen unwiederbringlichen Erinnerungsstücke, die den Wasser- und Schlammmassen zum Opfer fielen. Zwischenzeitlich hat die Gemeinde in Sachen Hochwasserschutz längst aufgerüstet. Der Schrecken des Hochwassers vom 13. Juni 2000 soll sich nicht noch einmal wiederholen.

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