Der Bunker ist Geschichte

Do, 14. Mai. 2020
Foto: zVg

Vergangene Woche wurde in einem Zeininger Privatgarten ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgebaut.

Janine Tschopp

«Ursprünglich wollten sie den Bunker mitten im Garten bauen, am schönsten Ort. Als mein Vater am Wochenende vom Dienst heimkam, wehrte er sich», erinnert sich Bruno Tschopp (87). Schliesslich platzierte das Militär den Schutzbau aus Beton am äusseren Rand des privaten Gartens. Relevant war die Schussrichtung gegen das Mitteldorf. «Weil sie in der Schussrichtung standen, hat das Militär zwei grosse Silbertannen vor der Metzgerei gefällt, ohne jemanden zu fragen. Den Metzger freute das gar nicht», dies ist eine weitere Begebenheit während des Zweiten Weltkriegs, an die sich der Zeininger Bruno Tschopp erinnert, als ob es gestern gewesen wäre.

«Tag und Nacht hielten zwei Soldaten vom Bunker aus Wache. Zwischendurch schossen sie mit Leuchtspurmunition, zu Übungszwecken», erzählt er weiter. Besonders spektakulär war für den kleinen Buben damals, dass er manchmal zu den beiden Soldaten in den Bunker hinunterklettern durfte. «Das Essen bekamen die Soldaten jeweils von der Militärküche, die während des Krieges auf dem Turnhallenplatz positioniert war. In Zeiningen hatte es viele Soldaten zu dieser Zeit.»

Jetzt ist er weg
Mittlerweile hat Bruno Tschopps Sohn Martin das Haus übernommen. Da der Bunker mit einer Fläche von zirka 36 Quadratmetern und einer Höhe von 3,6 Meter (zirka 1,8 Meter unterirdisch) seit Jahrzehnten keine Funktion mehr hatte, beschloss er, diesen entfernen zu lassen.

«Dass er so hart ist, hätten wir nicht gedacht», sagt Piotr Wojakiewicz von der Firma Schauli, welche den Auftrag für den Bunker-Rückbau erhielt. Im Dorf war es während zwei Tagen nicht zu überhören, dass er oder Firmeninhaber Andreas Schauli im 12-Tonnen-Bagger sassen und «auf Abbruch schafften». Es wurden ungefähr 36 Kubikmeter Erde und gleich viel Beton abgetragen. Schon allein die Bunkerdecke war zirka einen Meter dick und die galt es mit dem Spitzhammer aufzubrechen. Dem Abbruchteam ist aufgefallen, dass der Beton sehr viele bis zu 15 Millimeter starke Eisenprofile enthielt. «Wir haben etwa eine Tonne Eisen abgeführt», berichtet Wojakiewicz.

«Nun haben wir plötzlich ganz viel Platz im Garten», freuen sich Martin Tschopp und seine Tochter Linda. Und was sagt Grossvater Bruno dazu, dass der bombensichere Bunker nun verschwunden ist? «Ich finde es gut, dass der Hübel weg ist.» Seine Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, als er noch ein kleiner Bub war, bleiben ihm auch ohne das Denkmal im Garten. Bruno Tschopp erzählt von einem weiteren Tag, an welchen er sich noch sehr gut erinnert: «Die Kirchenglocken läuteten und Gremper Karl, ein Mann aus dem Dorf, kam zu uns Kindern auf den Schulhausplatz und sagte: ‹Buebe, jetzt isch dr Chrieg fertig.›» Das war am 8. Mai 1945, genau 75 Jahre, bevor der historische Schutzbau aus dem Garten im Herzen von Zeiningen verschwand.

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