«Ich investiere viel ins Tennis»

Fr, 24. Apr. 2020
Die Aussenplätze des Tennis-Club Kraftwerk Laufenburg (TC KWL) wären bereit – doch der Tennis-Sport bleibt weiterhin untersagt. Valeri Bonev sorgt dafür, dass die wunderbare Anlage am Rhein in Schuss bleibt – und die Vereinsmitglieder aus Deutschland und der Schweiz bald wieder ihrem Lieblingssport frönen können. Fotos: zVg

Valeri Bonev: ein Wassersportler auf dem Sandplatz

Die Folgen der Corona-Pandemie bleiben auch beim Tennis-Club Kraftwerk Laufenburg (TC KWL) nicht ohne Auswirkungen: Der Tennissport bleibt weiter verboten, obwohl der Club dank Freiwilligenarbeit in den letzten Wochen die Aussenplätze perfekt hergerichtet hat. Federführend dabei war Valeri Bonev (66) aus Rheinsulz – ein Mann mit bewegter Vergangenheit.

Christoph Grenacher

NFZ: Valeri Bonev, Sie waren Nationaltrainer der Kanuten in Bulgarien und der Schweiz. Wieso spielen Sie jetzt als Wassersportler Tennis?
Valeri Bonev:
Als Nationaltrainer war ich ständig unterwegs, vier Olympiaden, 20 Weltmeisterschaften, gegen 100 Weltcuprennen – da blieb keine Zeit für einen Verein, nur für etwas Jogging und Fitness. Nach meinem Trainer-Rücktritt machte ich 2006 zuerst etwas Faustball mit der Männerriege Sulz, aber das ist mehr ein Sonntagssport, man trinkt nachher noch ein Bier.

Haben Sie was gegen Gerstensaft?
Nein, ich mag Bier, aber ich mag auch den Wettkampf; etwas, wo ich nur auf mich gestellt bin, nur auf meine Kräfte und mein Können – und so kam ich mit 60 Jahren zum Tennis.

Es heisst, Sie seien besonders ehrgeizig...
...ich investiere viel ins Tennis, ja, ich trainiere häufig: Von nichts kommt nichts, das sieht man dann auch an den Resultaten. Als ich anfing Turniere zu spielen, war ich der Drittletzte der ganzen Schweiz. Jetzt reicht es schon knapp für R5.

Sie kennen viele Klubs in der Nordwestschweiz und Süddeutsch land. Was ist speziell beim Tennis-Club Kraftwerk Laufenburg?
Die Ruhe, kein Rambazamba, eine wunderschöne Anlage mit Halle, die es möglich macht, das ganze Jahr Tennis zu spielen – und das erst noch zu finanziell interessanten Konditionen, die seinesgleichen suchen.

Wieso sind Sie im Vorstand des TC KWL?
Es brauchte Leute im Club, die anpacken, mithelfen, dass der TC KWL wieder revitalisiert wird. Bei uns im Vorstand hat zwar jeder ein Ämtli, aber keiner ist der grosse Chef, wir unterstützen uns alle, lernen Woche für Woche dazu – gerade jetzt auch, während der Corona-Pandemie, wo es unseren deutschen Vorstandskollegen verwehrt ist, uns vor Ort zu helfen. Aber sie unterstützen uns auch so, telefonisch, per Mail, WhatsApp, Facetime, mit vielen Ratschlägen. Das macht viel Freude, auch weil ich sehe: Gemeinsam sind wir fähig, diesen Klub wieder zu beleben, gemeinsam sind wir stark.

Was genau machen Sie als Spielleiter?
Ich habe das noch nie gemacht, ich war bis jetzt eher im Bereich von KidsTennis aktiv, nachdem ich vor drei Jahren die Ausbildung zum Tennisleiter gemacht habe. Das ist meine Stärke, mit den Menschen zu arbeiten – auch jetzt, wo es darum ging, die Plätze spielbereit zu machen.

Was war da wichtig?
Wir mussten lernen, von Anfang an, der ehemalige Platzwart Gino hat uns noch geholfen. Dann ging es «step by step» weiter, mit meinen Kollegen, niemand wusste genau, wie das geht; aber jetzt sind die Plätze praktisch spielbereit. Ich wässere sie jeden Tag zweimal, damit die Unterlage optimal bindet und perfekte Verhältnisse herrschen, wenn die Behörden wieder erlauben, Tennis zu spielen.

Wer ist eigentlich Ihr Lieblings-Tennisspieler?
Roger Federer und Raffael Nadal.

Und bei den Frauen?
Die hübschen Frauen!


Der Nationaltrainer, der Olympiasieger wurde

Valeri Bonev (66) wohnt in Rheinsulz und war bis 2005 erfolgreicher Nationaltrainer der Kanuten in Bulgarien und der Schweiz. 1996 gewann er mit dem Kanu-Vierer der Frauen in Atlanta die erste Schweizer Olympiamedaille in dieser Sportart; schon als bulgarischer Nationaltrainer konnte er 1988 einen Olympiasieg feiern.

In seiner Zeit als Sportlehrer in der Schweiz gewann er 2010 und 2014 mit der Bezirksschule Mellingen den Crédit Suisse Cup, das grösste Fussball-Schülerturnier der Schweiz und war mit dieser Equipe auch dreimaliger Aargauer Meister. Noch heute trägt Bonev, der in der Kanu-Szene als härtester Trainer der Welt galt, das Bild der Heiligen Jungfrau Maria mit sich, das ihm seine Mutter schenkte, die er zusammen mit seiner Frau Harriet noch jeden Sommer in Bulgarien besucht.

Beim TC KWL amtiert Bonev als Spielleiter und war auch federführend bei der Aufbereitung der Aussenplätze. Der Tennissport ist aufgrund der behördlichen Auflagen nach wie vor verboten. Nach den ersten bekannten Lockerungen ab dem 27. April hat der Bundesrat weitere Lockerungen auf den 11. Mai und den 8. Juni angekündigt.

Der TC KWL rechnet damit, dass der Spielbetrieb Mitte Mai oder spätestens Mitte Juni wieder aufgenommen werden kann – mitsamt dem Umstand, dass dann auch wieder die zahlreichen Vereinsmitglieder aus Deutschland wieder von einem ungehinderten Grenzverkehr profitieren können.

Mehr Infos: www.tckwl.ch

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