«Sie realisieren, dass sie niemanden haben»

Sa, 28. Mär. 2020
Foto: Simone Rufli

Minimalbesetzung im Schulheim Effingen

Mit stark reduziertem Personalbestand und nur noch jenen Buben, die niemanden haben, der sie bei sich aufnehmen kann, bemüht sich das Schulheim Effingen während der Corona-Krise über die Runden zu kommen. Ein Gespräch mit dem Schulheimleiter.

Simone Rufli

Das Gelände rund ums Schulheim in Effingen ist leer. Rotweisse Absperrbänder sind um den Sportplatz gezogen. Ganz verwaist ist das Schulheim aber nicht. Noch rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind auf den Wohngruppen. «Für alle anderen konnten wir in ihren Familien eine vorübergehende Lösung finden», erklärt Schulheimleiter Roger Willen auf telefonische Anfrage. «Die Schule ist gemäss den kantonalen Vorgaben geschlossen. Die Schüler, die bei uns geblieben sind, werden individuell und innerhalb der Wohngruppen beschult. Die Lehrpersonen sind in dieser speziellen Situation im Bereich Wohnen eingebunden.» Für diejenigen Buben, die jetzt noch im Schulheim seien, sei es eine schwierige Situation, betont der Schulheimleiter. «Sie realisieren, dass sie niemanden haben und an keinen anderen Ort hingehen können. Dazu kommt die Angst, die durch die Corona-Situation entstanden ist. Sie ist bei den Buben spürbar.» Der eine oder andere Bub erhalte auch jetzt noch Besuch. «Allerdings unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und nicht auf der Wohngruppe selber», wie Willen betont. «Wir sind hier so gut wie abgeriegelt. Es finden keine Besprechungen statt, keine Treffen mit Behörden. Wenigstens befinden wir uns inmitten einer landschaftlich schönen Umgebung.»

Wohngruppen verkleinert
Weil nur noch wenige Buben im Heim sind, konnten die Wohngruppen so eingeteilt werden, dass nicht mehr als fünf Kinder in einer Gruppe beisammen sind. «Für unsere Mitarbeitenden ist es aber schlicht nicht möglich, die zwei Meter Abstand im Alltag mit den Buben einzuhalten.» Trotzdem habe das Schulheim zurzeit keinen Zugriff auf kantonale Versorgungslager. «Es ist für mich nicht ganz zu verstehen, dass das Schulheim als nicht systemrelevante Einrichtung eingestuft wird und wir deshalb nicht mit Schutzartikeln beliefert werden. Wir versuchen nun – wie alle anderen auch – über den privaten Einkauf an Desinfektionsmittel und Schutzmasken zu kommen.»

Personalknappheit
Bislang sei glücklicherweise niemand vom Personal mit dem Coronavirus infiziert worden. «Wir müssen zurzeit aber gleichwohl auf viele Mitarbeitende verzichten, weil wir zahlreiche A ngehörige von Risiko-Gruppen heimschicken mussten.» Dazu gäbe es immer mehr Mitarbeitende, die wegen Kontakt zu jemandem mit Grippe-Symptomen aus Vorsicht zehn Tage zu Hause bleiben müssten. «Hätten wir auch nur 60 Prozent der Buben hier, wir könnten den Betrieb nicht aufrechterhalten», betont Willen. Roger Willen hofft, dass der Ausnahmezustand nicht allzu lange dauert. «Noch sind die meisten Familien froh, dass sie ihre Buben bei sich haben dürfen. Mit zunehmender Dauer könnte es aber zu Problemen kommen.»

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