Abfall war einmal – heute wird recycliert

So, 10. Nov. 2019
Das Mittner-Team kennt auf alle Fragen zur korrekten Entsorgung eine Antwort. Rechts Firmeninhaber Andreas Mittner. Fotos: Simone Rufli

Das Bewusstsein, dass Rohstoffe in der Natur nicht unbegrenzt vorhanden sind, führt dazu, dass auch in Fricktaler Firmen und Privathaushalten immer konsequenter Abfall getrennt wird. Das spürt Andreas Mittner, Inhaber von «Muldenservice Recycling beim Kreisel» in Etzgen jeden Tag aufs Neue. Die NFZ besuchte den Entsorgungsspezialisten an seinem Arbeitsplatz.

Simone Rufli

«Die Korkzapfen da werden gesammelt und zu Korklaminat verarbeitet und kehren dann in den Kreislauf zurück», erklärt Andreas Mittner auf dem Rundgang durch seinen Entsorgungsbetrieb. Wir kommen zum Behälter mit dem Papier, wo keine Papier-Tragtaschen hinein gehören. «Die gehören wegen den verleimten Henkeln in die Kartonpresse.» Der Firmeninhaber betont: «Die dürfen auf keinen Fall im Alt-Papier landen, sonst führt das zu Verklebungen an den Maschinen in der Papierfabrik.» Apropos Papierfabrik: Eine einzige Schweizer Papierfabrik gibt es noch. Jene in Perlen (Luzern) zwischen Zuger- und Vierwaldstättersee, gegründet anno 1873. Vor 35 Jahren, als Susanne Mittner zusammen mit ihrem Mann in Etzgen den Muldenservice aufbaute, gab es noch mindestens sechs Papierfabriken in der Schweiz.Andreas Mittner hat das Unternehmen im 2013 übernommen und zu einem richtigen Entsorgungspark ausgebaut.

Glas, wo man es nicht erwarten würde
Inzwischen sind wir bei den Glascontainern angekommen. Mittner versichert: «Glas bleibt von hier bis zur Sortieranlage in Dagmersellen getrennt. Manche Kunden bezweifeln das, weil bei den Grosscontainern von aussen keine Trennwände sichtbar sind.» Konsequente Trennung macht Sinn, wenn Mittner erklärt, wozu grünes Glas später wieder verwendet wird: Im Hochbau kommt Schaumglasschotter seines geringen Gewichtes und der isolierenden Eigenschaften wegen immer häufiger zur Anwendung. Und manch einer weiss wohl gar nicht, dass er die Hornhaut an den Füssen mit einem Stein aus Glas wegrubbelt. 140 Tonnen Glas sammelten Mittners im vergangenen Jahr. Im 2019 sind sie im dritten Quartal schon beinahe bei dieser Menge angekommen.
Etwas quer in der Landschaft der Entsorgungshalle steht ein Bücherregal, gefüllt mit Büchern. Susanne Mittner lacht. «Ich tue mich schwer mit dem Entsorgen von Büchern. Darum haben wir hier eine Holund Bring-Ecke eingerichtet, die rege genutzt wird.» Gleich nebenan liegen Druckerpatronen. Das ist doch Abfall? Nein, sagen Mittners, Druckerpatronen kann man wiederauffüllen. Beim Plastik wird es richtig kompliziert. «Davon gibt es über 100 verschiedene Sorten», erklärt der Geschäftsführer, «und nur ca. sieben Sorten sind wiederverwertbar.»

Ein Lob auf den Kreisel
An einem Samstag zählen Mittners regelmässig um die 150 Autos, die in die Entsorgungsstrasse einfahren. Im Dezember 2018 erst haben sie eine 16 Meter lange LkW-Waage eingebaut. «Der Kreisel ist für uns Gold wert», sagen Mittners. «Einmal gesammelt und getrennt, muss das Material schliesslich wieder weg von hier und eine bessere Wendemöglichkeit für die Lastwagen gibt es nicht.» Kein Wunder, dass der Kreisel den Weg ins Firmenlogo gefunden hat. Das Material, das wieder weg muss, sind die Rohstoffe für künftige Baumaterialien, Isolationen und all die anderen Sachen, die man heutzutage aus wiederaufbereiteten Abfallprodukten herstellen kann. «Früher war das ganz anders», Andreas Mittner lacht. «Da fuhren die Last-wagen mit den Mulden direkt zur Grube Seckenberg.» Endstation. Heute denkt man nicht mehr daran, den wertvollen Abfall auf diese Weise aus dem Verkehr zu ziehen.

Kundschaft aus fernen Ländern
Die Kundschaft kommt längst aus dem ganzen Mettauertal hinab zum Kreisel – und manchmal sogar aus dem fernen Ausland. Mittners erinnern sich an einen Kunden, der aus beruflichen Gründen von derrussischen Hafenstadt St. Petersburg nach Schwaderloch umgezogen ist. «Am Tag seiner Ankunft in der Schweiz brachte er all die Sachen zu uns, die er in seinemneuen Daheim nicht mehr gebrauchen konnte.»
Selbst in China ist der Etzger Familienbetrieb ein Begriff. Mittners erinnern sich an chinesische Besucher: «Sie sahen sich alles genau an und fotografierten alles.
Als wir nach dem Grund fragten, meinten sie, dass sie daheim in China auch einen Entsorgungsbetrieb aufbauen wollten.»

Rohstoffpreise im Keller
«Im Moment lagert einiges an Material bei uns, das ist nicht immer so», erklärt Andreas Mittner und verweist auf die Rohstoffpreise, die zurzeit im Keller sind. Auch Holz kann man zu Mittners bringen. Altholz wird geschreddert und zu neuen Spanplatten gepresst. «Am Ende kaufen wir es in der Ikea wieder», ergänzt Mittner augenzwinkernd. Anderes Holz landet in Fernwärmeheizungen. Nicht zu gebrauchen ist Holz der Klasse A4 mit Druckimprägnierung. «Das geht in die Verbrennung.»
Eben erst hat Mittner einen neuen Versuch gestartet. Des Kupferanteils wegen sammelt er nun Stecker separat. Eine Kabel-schälmaschine fördert ebenfalls Kupfer zutage und in den aufgestapelten Motoren schlummern Edelmetalle. Rohstoffe soweit das Auge reicht. Tendenz zunehmend in allen Bereichen.

TV-Geräte im Kleidercontainer
Beeindruckend ist die Menge Kleider, die Woche für Woche in den Altkleider-Containern der Region deponiert werden. 10 Tonnen kamen im 2018 zusammen. Zwei- bis dreimal pro Woche werden die Container geleert. «Jedes Mal kommen 100 bis 250 Kilo Altkleider zusammen», erklärt Andreas Mittner.
Seit Jahren unterstützt das Etzger Unternehmen mit der Kleidersammlung die Schweizer Berghilfe. Was Mittners nicht verstehen, ist dass neben alten Kleidern vom Hauskehricht bis zum TV-Gerät alles Unmögliche den Weg in diese Container findet.
Apropos unmöglich: Die wenigen Sachen, die keiner Wiederverwertung zugeführt werden können, die sogenannten Inertstoffe, wandern in die spezielle Inertstoff-Deponie in Sissach.
Und ganz wenige Sachen werden von Mittners gar nicht erst angenommen: Chemieabfälle, Farben, Verdünner und Giftstoffe.

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