«Ich sehe die steigende Armut als grosses Problem»

Mi, 16. Okt. 2019
«Meine Hunde sind mir sehr wichtig. Sie widerspiegeln auch meinen Tierschutzgedanken», sagt Nadja Bloch zur Wahl ihres Bildes. Foto: zVg

Susanne Hörth

NFZ: Wieso kandidieren Sie für den Nationalrat?
Nadja Bloch:
Mein Vater hat mich dazu angestiftet. Im Grunde hatte ich, aufgrund der politischen Lage, nie das Gefühl, mich politisch engagieren zu können, schon gar nicht, wenn man keiner Partei angehören möchte. Als Parteilose zu kandidieren wurde mir bei der Piratenpartei ermöglicht. Deshalb habe ich mich gerne aufstellen lassen. Ich setze mich gegen die sozialen Missstände in der Schweiz ein. Obwohl immer gesagt wird, dass es uns in der Schweiz sehr gut geht, so sehe ich die steigende Armut als grosses Problem. Ich selbst spüre die Missstände und wenn ich mir die Situation von Krankenkassen, Invalidenversicherung, Sozialhilfe, AHV und auch Arbeitslosenkasse ansehe, so sehe ich für unsere Zukunft und die der kommenden Generationen Schwarz. Es muss ein klares Umdenken und Umstrukturieren stattfinden, dazu braucht es neue Denker und neue Gesichter.

Wie wollen Sie sich für die Region einsetzen?
Ich möchte mich für die Jugendförderung und auch für den Tierschutz einsetzen. Dies bedeutet, dass die Jugend in vielen Bereichen mehr gefördert werden sollte, jedoch auch ein besseres Verständnis für Tiere und deren Verhalten und ihren Lebensräumen entwickeln sollten. Wir besitzen zu wenige Treffpunkte für Jugendliche. Dies führt dazu, dass sie sich auf öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen oder Spielplätzen treffen und dort auch oftmals Tabakwaren und Alkohol konsumieren. Unsere Zukunft besteht darin, die kommenden Generationen zu fördern, uns für den Umweltschutz einzusetzen, und die Lebensräume der Tiere zu erhalten und die Tiere besser zu schützen.

Was halten Sie vom Rahmenabkommen Schweiz-EU?
In dieser Hinsicht vertrete ich die Meinung meines Vaters. Wir haben dieses Thema eingehend besprochen und auch ausgedeutscht. Das Rahmenabkommen in der heutigen Form kann ich nicht unterstützen. Solange der Lohnschutz, gerade für unsere Region in Grenznähe, nicht ganz klar gewährleistet ist, wird dieser Vertrag der ansässigen Bevölkerung und den Handwerksbetrieben mehr schaden als nützen. Schon jetzt haben diese Betriebe eine sehr grosse Konkurrenz aus dem Süddeutschen Raum, welche sich noch steigern würde.

Ich sehe in der heutigen Form des Rahmenvertrages einen reinen Profitvertrag für Konzerne, Grossunternehmen und Grossaktionäre. Sozialpolitische Aspekte werden leider kaum oder gar nicht berücksichtigt.

Braucht die Schweiz neue Kampfjets?
Ein klares Nein meinerseits! Die Anschaffung von Kampfjets widerspricht meinem Umweltschutzgedanken, meinem Friedensförderungsgedanken und meinem Sozialförderungsgedanken. Die Geschichte hat gezeigt, dass die Schweiz kein Krieg liebendes Volk ist und das Geld sollte für die Erhaltung der AHV investiert werden, beziehungsweise in die Umstrukturierung der Sozialpolitik. Umwelttechnisch ist eine solche Anschaffung auch Nonsens, und was tun wir, wenn die Erde sich endgültig gegen das Verhalten der Menschheit wert?

Der menschengemachte Klimawandel ist ein viel diskutiertes Thema. Sollen das Autofahren und das Fliegen teurer werden?
Autofahren und Fliegen zu verteuern würde nur wieder der Mittelschicht schaden und nachhaltig Nichts lösen. Stattdessen sollten umweltfreundliche Verkehrsmittel attraktiver gestaltet werden und die Entwicklung umweltfreundlicher Transportmittel gefördert werden. Ausserdem sollten Unternehmen dafür «belohnt» werden, wenn sie Personen aus der umliegenden Region einstellen. Des Weiteren bin ich für eine stärkere Progression im Steuerbereich. Wer mehr verdient soll auch mehr bezahlen. Keine Pauschalen mehr.

Sind Sie für eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters?
Ein klares Nein. Bereits jetzt ist die Arbeitslosenzahl 50+ erstaunlich hoch. Selbst ich, in meinem relativ jungen Alter, habe keine gewünschte Stelle mehr in meinem gelernten Berufsfeld, im kaufmännischen Bereich, gefunden. Deshalb kann ich die Schwierigkeiten im Alter wahrscheinlich noch besser nachvollziehen. Solange keine Versorgung bis zum Rentenalter garantiert werden kann und die Kündigungsbedingungen massiv verschärft werden, kann ich eine solche Massnahme nicht unterstützen. Ausserdem ist eine solche Erhöhung nur eine temporäre Lösung.

Wie wichtig ist, dass auch junge Politiker in Bern mitmischen? Oder spielt das Alter keine Rolle?
Eine gesunde Mischung von Einstellung und Alter ist sicherlich nötig. Denn nur wer verschiedene Ansichten mitbringt, kann verschiedene Sichtweisen mit einbeziehen. Ich denke, dass wir, unabhängig vom Alter, alle unseren Gedankenhorizont erweitern sollten und uns vom eingebürgerten loslösen sollten. Natürlich hat dies auch mit dem Generationendenken zu tun, aber nur «jüngere» Generationen in Bern zu sehen würde mir ebenfalls missfallen. Ich denke die Mischung der richtigen Leute macht es. Engstirnige oder extreme Gedankensweisen polarisieren und unterhalten zwar, kosten uns aber viele Ressourcen und führen selten zu konstruktiven Lösungsansätzen.

Zum Schluss: Was wollten Sie den Fricktalern schon immer mal sagen?
Ich bin eigentlich eine auswärtig zugezogene Fricktalerin. Mittlerweile sehe ich mich selbst als zugehörig und sage anderen immer: «Wer einmal im Fricktal lebt, kommt niemals mehr ganz davon weg». Das Fricktal ist für mich eine ganz eigene Region, welche weitaus für sich als solche bekannt ist. Ich finde dies sollte auch so bleiben und ich möchte den Fricktalern gerne sagen, dass sie trotz ihrer Eigenheiten, welche sie auch irgendwo ausmachen, auch offen für neue Inputs und Innovationen sein sollen. Wenn nicht wir, wer dann? Eure eingewanderte Fricktalerin aus dem Schwarzbubenland.

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