Hacken und Striegeln gegen das Unkraut

Fr, 21. Jun. 2019

Neuer Feldversuch in Wallbach

In Wallbach wird derzeit untersucht, welche Wirkung verschiedene Recyclingdünger unter den Bedingungen des Biolandbaus haben.

Aus der Luft bot sich Anfang Mai in Wallbach auf einem Feld des Kiesholzhofs ein merkwürdiges Bild: Dunkel- und hellgrün gefärbte Rechtecke wechselten sich wie Fliesen ab. Hier untersuchen das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung (Agroscope) seit 2018 die Wirkung verschiedener Recyclingdünger unter den Bedingungen des Biolandbaus.

Recyclingdünger werden aus Abfallprodukten hergestellt. In einer Biogasanlage kann beispielsweise zuerst Energie aus organischen Abfällen aus Landwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie und kommunaler Sammlung gewonnen werden. Die Restprodukte, die je nach Anlagetyp als Biogasgülle oder als flüssiges und festes Gärgut bezeichnet werden, können dann als Dünger eingesetzt werden. Diese Recyclingdünger sind jedoch neu und wenig erforscht.

Im neuen Feldversuch geht es darum, Antworten auf diese Fragen zu finden: Wie wirken verschiedene organische Dünger auf die Erträge von Mais, Weizen und Gerste? Wieviel Stickstoff aus den Düngern wird von den Pflanzen aufgenommen? Geht ein Teil des Stickstoffs aus den Düngern als Ammoniak oder Lachgas in die Luft verloren, oder wird ein Teil als Nitrat ausgewaschen? Verändert sich die Qualität der Getreidekörner durch die unterschiedliche Düngung? Längerfristig möchte man auch wissen, welche Auswirkungen die Dünger auf den Boden haben.

Im Moment steht Winterweizen im Feld. Im Kontrollverfahren mit Mineraldünger sieht der Bestand aus der Luft dunkelgrün aus, was auf einen hohen Chlorophyllgehalt in den Blättern hindeutet. Da das Chlorophyll die Energie für das Pflanzenwachstum bereitstellt, bedeuten dunkelgrünere Blätter meist auch mehr Ertrag. Die flüssigen organischen Dünger (Rindergülle, Biogasgülle, flüssiges Gärgut) sind bei der gleichen Gabe von Stickstoff etwas heller, während Parzellen mit festem Gärgut aus der Luft am hellsten aussehen und sich nicht von der ungedüngten Kontrolle unterscheiden. Zusätzlich gibt es zwei Verfahren, in denen je ein flüssiger und ein fester organischer Dünger mit Pflanzenkohle versetzt wurden. Bislang sind keine deutlichen Auswirkungen der Pflanzenkohle zu erkennen. Die Resultate des Hitzesommers 2018 lassen vermuten, dass die Erträge mit den Recyclingdüngern den Erträgen mit herkömmlicher Rindergülle entsprechen. Dies kann aber in Jahren mit anderen Witterungen anders aussehen, die Versuche werden daher während mindestens drei Jahren wiederholt.

Der Versuch wurde am 18. Juni bei zwei Anlässen präsentiert. Am Vormittag traf sich die Begleitgruppe des Projekts «Recycle4Bio» zur jährlichen Feldbegehung. Die wissenschaftlichen Projektpartner, Vertreter der Bundesämter für Landwirtschaft, Umwelt und Energie sowie Betreiber von Biogasanlagen, ein Produzent von Pflanzenkohle und ein Lohnunternehmer diskutierten über den Stand der Kultur, bisherige Ergebnisse und die weitere Versuchsplanung. Besonders interessant waren die Resultate zu den Lachgasemissionen, die deutlich anstiegen, wenn gleich nach der Düngerausbringung feuchte Witterung herrschte. Am Abend fand ein Flurgang statt, der vom landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg und vom FiBL organisiert wurde. Betriebsleiter Anton Obrist stellte seinen Betrieb etwa 20 Biolandwirten vor. Im Zusammenhang mit dem Feldversuch wurde intensiv darüber diskutiert, wie man mit Hilfe von Recyclingdüngern Nährstoffkreisläufe schliessen kann. Auch andere Kulturen wie Gerste, Mais, Luzernemischung und Eiweisserbse-Gerste-Mischung auf dem Betrieb Obrist wurden angeschaut. Es fiel auf, wie erfolgreich die Unkrautbekämpfung durch Hacken und Striegeln ist, also ohne Verwendung chemischer Unkrautvernichtungsmittel wie etwa Glyphosat. (mgt)

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