100 Jahre Sport und Gemeinschaft
30.07.2026 ZeihenUnter grosser Anteilnahme der Bevölkerung feierte der Turnverein Zeihen sein Jubiläum
«Zusammenhalt» und «Gemeinschaft» waren Stichworte, die sich wie Leitmotive durch die 100-Jahr-Feier des Turnvereins Zeihen am Wochenende zogen. Es ging und geht beim TV ...
Unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung feierte der Turnverein Zeihen sein Jubiläum
«Zusammenhalt» und «Gemeinschaft» waren Stichworte, die sich wie Leitmotive durch die 100-Jahr-Feier des Turnvereins Zeihen am Wochenende zogen. Es ging und geht beim TV eben um mehr als sportliche Leistungen.
Michael Gottstein
Dass die ehrenamtliche Vereinsarbeit ein regelrechter Kitt ist, der die Dorfgemeinschaft zusammenhält, zeigte sich bereits im Vorfeld des Eichwaldfestes. Die 36 Aktivmitglieder des TV hatten beim Aufbau Unterstützung von zahlreichen Helferinnen, Helfern und Vereinen, etwa dem Männer- und dem Frauenturnverein, den Jägern und den Schützen sowie «Body fit» erhalten. An drei Abenden und einem Samstag hatten sie den Eichwald in ein idyllisches Festgelände verwandelt, das einen weiten Blick über die umliegenden Felder bot und zur Bühne für ein denkwürdiges Fest wurde. Laut Schätzung des TV-Präsidenten Michel Schenk kamen zwischen 1000 und 1200 Besucher – also fast das gesamte Dorf.
Nach dem Fest waren Helfer die ganze Nacht über f leissig, um die Stände wieder abzubauen. Schenk zeigte sich mit dem Jubiläumsfest sehr zufrieden, umso mehr, da das Wetter, anders als in den meisten Vorjahren, den Feiernden dieses Mal relativ gnädig war: Nur ab und zu erinnerten ein paar Regentropfen daran, dass es den «Fluch vom Eichwald» noch gibt, aber dank der jungen Damen, die grüne Regenpelerinen verteilt hatten, waren die Besucher gerüstet.
Der TV trotzte allen Widrigkeiten
Mit dem traditionellen Fahnengruss, bei dem die farbenfrohen Fahnen anderer Vereine präsentiert und geschwenkt wurden, begann der offizielle Teil des Festes. Hinter der ersten Vereinsfahne von 1937 stehend, erwähnte Michel Schenk die unzähligen Trainingsstunden, Siege und Niederlagen, Wettkämpfe, Sitzungen, Feste und Arbeitseinsätze, aber das Augenmerk richtete er auf die Menschen, die bereit sind und waren, gemeinsam zu trainieren, Verantwortung zu übernehmen und einander zu helfen: Das waren vor allem die 14 Turner, die im Mai 1926 unter bescheidenen Verhältnissen, aber mit viel Idealismus, den Turnverein ins Leben gerufen hatten. Beim Kantonalturnfest 1927 erzielten die Zeiher den 49. und damit letzten Platz, doch sie liessen sich nicht entmutigen. «Wenn etwas nicht gelingt, dann packen wir es eben erneut an», beschrieb Michel Schenk jene Geisteshaltung, die noch heute den Verein präge und dazu beigetragen habe, die Krisen zu überstehen: Etwa, als im Zweiten Weltkrieg die Turner zum Schutz der Landesgrenzen abberufen wurden, oder (kurz, nachdem Michel Schenk die Präsidentschaft übernommen hatte) der Corona-Lockdown das soziale Leben zum Erliegen brachte. Oder auch die gesellschaftliche Skepsis, die es zu überwinden galt, als 1966 erst eine Damenriege, drei Jahre später dann der Frauenturnverein gegründet wurde – ein Ehrenmitglied bezeichnete diesen Schritt als die einschneidendste Veränderung der Vereinsgeschichte. «Wir müssen bereit sein, neue Wege zu gehen, denn Veränderungen sind nicht unbedingt ein Bruch mit der Tradition, sondern können ihre Fortsetzung sein», so der Präsident.
Was im Gedächtnis bleibt, sind die gemeinsamen Erlebnisse
Vor allem hielt Michel Schenk Rückblick auf gemeinsame Erlebnisse. «Sportliche Ergebnisse vergisst man, aber ein Gemeinschaftserlebnis, das bleibt im Gedächtnis.» Dass der Verein auch ambitioniert Sport treibt, zeigten die jungen Turnerinnen Madelaina und Emilia mit kunstfertigen Vorführungen am Boden und am Schulbarren sowie die Aktiven, die in den diversen Kostümen der vergangenen Jahre eine witzige und akrobatische Moden-Turn-Schau mit Heiterkeit, Können und Ironie vorführten. Michel Schenk dankte allen Mitgliedern, Helfern, Sponsoren und denjenigen, die zur Vereinschronik beigetragen hatten (diese ist beim TV zu erwerben). Dass der Verein gelassen in die Zukunft blicken kann, zeigen die im Jubiläumsjahr neu aufgenommenen fünf Mitglieder.
«Ihr steht für das, was die Schweiz zusammenhält»
Céline Schenk, Präsidentin des Kreisturnverbands Fricktal, überbrachte Glückwünsche und unterstrich, wie der Verein Generationen von Menschen verbinde. Frau Gemeindeammann Nathalie Deiss meinte, der TV Zeihen sei kein Verein unter vielen, er sei eines der Herzstücke des Dorfes. «Ein Verein braucht das Dorf, und das Dorf braucht Vereine, sonst wäre Zeihen nur ein Ort, an dem man wohnt – dank euch wird das Dorf zur Heimat.»
Auch Nationalrat Christoph Riner (SVP) beglückwünschte den TV. Er sehe hier einen grossen Zusammenhalt und Menschen, die nicht fragten: «Was bringt mir das». Diese Haltung sei heute wichtiger denn je. «Die Schweiz fängt im Dorf an, nicht erst im Bundeshaus, und ihr steht für das, was die Schweiz zusammenhält.» Grüsse und Geschenke überbrachten Vertreter des Frauen- und Männerturnvereins sowie Gemeinderat Marco Bürgi stellvertretend für die anderen Dorfvereine.
Nach den Dankesworten durften sich die Gäste wieder der Geselligkeit sowie dem Weinbrunnen und den Verpflegungsständen mit deftiger Kost widmen. Das am Freitagund Samstagabend ausgetragene Beachvolleyballturnier verknüpfte vereinstypisch Spass mit Ambitionen, und DJ Brando garantierte für die festliche Stimmung. Beim abendlichen Auftritt des Duos «Moser und Schelker» schliesslich verwandelte sich der Eichwald in einen grossen, belebten Dorfplatz inmitten freier Natur.





