10-Millionen-Schweiz = christliches Abendland? Nein
05.06.2026 LeserbriefeSchon öfters ist mir in TV-Sendungen aufgefallen, dass Vertreterinnen und Vertreter der SVP sich auf das christliche Abendland berufen. Haben sich diese Leute schon einmal überlegt, was christlich heisst? Können sie allen Ernstes im Vaterunser «Dein Reich komme» ...
Schon öfters ist mir in TV-Sendungen aufgefallen, dass Vertreterinnen und Vertreter der SVP sich auf das christliche Abendland berufen. Haben sich diese Leute schon einmal überlegt, was christlich heisst? Können sie allen Ernstes im Vaterunser «Dein Reich komme» beten? Das Vaterunser richtet sich an den Gott der Befreiung von jeglicher Art von Unterdrückung, Ausbeutung und Ausgrenzung. Was Jesus Chistus mit diesem Reich meint, findet man insbesondere in Matthäus 25: 31-46: Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.
Bemerkenswert sind auch die Aussagen vom Apostel Paulus im 1. Korintherbrief – 1.18-19 und 25-29: Das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft. In der Schrift steht nämlich: Ich werde die Weisheit der Weisen vernichten / und die Klugheit der Klugen verwerfen… Denn die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind. Sehet an, liebe Brüder und Schwestern, eure Berufung: nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Gewaltige, nicht viele Edle sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Unedle vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das da nichts ist, damit er zunichtemache, was etwas ist, auf dass sich vor Gott kein Fleisch rühme.
Die grossen christlichen Kirchen in der Schweiz wollen zur «10 Millionen Schweiz» keine Stellung nehmen: Der Inhalt der Initiative sei zu komplex, man wolle Brücken bauen, die Kirche sei nicht unmittelbar betroffen. Für mich ist das völlig unverständlich. Fürchtet man/frau sich davor, irgendwelche Politikerinnen und Politiker zu vergraulen oder ein paar Schäfchen mehr zu verlieren?
JÖRG BÜRGI, LAUFENBURG
