«Zu viele graue Flächen auf dieser Welt»

  30.03.2022 Kunst, Wegenstetten

Wegenstetten lässt einen professionellen Sprayer ran

Am Anfang stand ein illegales Graffiti. Statt einer Anzeige gegen unbekannt wählte Wegenstetten den kreativen Weg. Und aus grau wurde bunt.

Ronny Wittenwiler

Er nennt sich Romanesco, mit bürgerlichem Namen heisst er Roman Schären. Der 37-jährige Stadtzürcher kam am Donnerstag mit dem ÖV nach Wegenstetten, im Gepäck sechzig Spraydosen, und er machte die Welt ein bisschen bunter – dort hinten an der Betonwand beim Mehrzweckhallen-Anbau. Auf jener Fläche hatte sich vergangenen September jemand unrechtmässigerweise als «Künstler» versucht und einen Graffiti-Schriftzug angebracht. Die Gemeinde liess darauf verlauten: «Man prüft in diesem Zusammenhang als Alternative zum Anbringen eines Spezialanstrichs, welcher die Haftbarkeit spontaner Sprayereien erschwert, die thematische Gesamtgestaltung der Wand mit einem originellen Graffiti-Gemälde in Auftrag zu geben.» So ist es dann gekommen. Künstler Romanesco machte das Rennen unter mehreren Bewerbungen. Und wann hat er das letzte Mal illegal etwas an eine Wand gesprayt? Lange her müsse das gewesen sein, «im jugendlichen Leichtsinn», sagt er und lächelt. «Ich will ein seriöser Künstler sein, habe keine Lust auf Stress und möchte mir Zeit nehmen, um Schönes zu malen. Wenn man illegal sprayt, leidet die Qualität extrem.» Klingt logisch.

Und so ist nun an dieser grauen Betonwand ein buntes Bild entstanden, das – so hofft man doch – jeglichen Leichtsinn davon abhält, ein solches Kunstwerk zu verunstalten. Romanesco freute sich: «Ich schätze diesen Mut, etwas anderes zu wagen.» Er meinte damit die Idee der Gemeinde Wegenstetten, diesen Weg zu beschreiten. «Es gibt zu viele graue Flächen auf dieser Welt.»

Gemeinderat Christoph Schreiber zeigte sich sehr zufrieden mit dem Resultat. «Es ist so rausgekommen, wie wir uns das vorgestellt haben. Uns war wichtig, dass das Abgebildete etwas mit der Mehrzweckhalle zu tun hat und wir hoffen nun, dass die Leute an dieser Gestaltung ihre Freude haben. Das Echo war bis jetzt durchwegs positiv.»

Bleibt noch die Frage, was eigentlich damals im September illegal an die Wand gesprayt wurde. Romanesco weiss es: «Love.» Der Künstler überlegt kurz und sagt dann: «Ich fand das immerhin noch eine schöne Botschaft.» Mit viel Liebe ist nun aber auch ein schönes Gesamtwerk entstanden.


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