Wenn Bubenträume wahr werden

Mi, 16. Mai. 2018

Markus Oggenfuss aus Sisseln sammelt leidenschaftlich Agro-Modelle.

Ziel und Zweck vom Agro-Modell-Club Schweiz sind es, Sammler von Landmaschinenmodellen und Modelltraktoren unter einem Hut zu vereinen, um gemeinsam das schöne Hobby zu pflegen. Markus Oggenfuss aus Sisseln ist einer von derzeit acht Aargauer Mitgliedern, die diesem Hobby frönen.

Bianca Ritter

Noch heute schwärmt der 42-jährige Markus Oggenfuss von seinen Landmaschinenmodellen, die er im ausgebauten Keller seines Hauses in Sisseln beherbergt. Böse Zungen würden nun vielleicht sagen, dass da dem Kind im Manne etwas viel Spielraum gewährt wird mit aktuell 1300 bis 1400 Modellen. Doch es ist, wie es halt so ist mit Hobbies und mit Leidenschaften. Das kann bisweilen fast in eine Sucht ausarten. Per se nichts Schlechtes, wenn man sich mit dem Hobby nicht an die Grenzen des Ruins bringt und einen Partner oder eine Partnerin hat, die dafür zumindest Toleranz aufbringen mag.

Item, wir wollen hier nicht philosophieren. Vielmehr darf die Verfasserin dieser Zeilen von einem nicht alltäglichen Hobby berichten. Oder eigentlich von zweien, denn nebst der Sammlerleidenschaft gibt es noch einen weiteren, nicht minder geliebten Freizeitvertreib: Motorrad und Motocross fahren. Begonnen hat diese Leidenschaft für Motocross bereits im zarten Alter von 16. Ab zirka 1999 bis 2006 war dies dann klar Hobby Nr. 1. Damals war Markus Oggenfuss auch dann und wann Mechaniker an Motocross-Rennen. Heute zieht es ihn samt seiner geliebten Maschine immer noch gerne auf die Piste, wenn es die Zeit zulässt.

Die Sammlerleidenschaft
Das Sammeln der Agro-Modelle begann zaghaft ab 2003. Zu jener Zeit drapierte Markus Oggenfuss seine Modelle aus der Kindheit in Vitrinen. Und 2005 brach die Sammlerleidenschaft so richtig aus. So brachte er zum Beispiel nach einem dreimonatigen Aufenthalt auf einer Farm in den USA etwa 25 Modelle mit nach Hause. Seither ist er häufiger Gast auf eBay Deutschland und besorgt für sich und teils auch andere aus dem Agro-Modell-Club begehrte Trouvaillen. Mittlerweile gibt es in Europa und in den USA Spezialfachgeschäfte, die solche Modelle anbieten. Und nicht zu vergessen, die Sammlerbörsen. Was Markus Oggenfuss gefällt, das kauft er sich in der Regel. Das teuerste je erstandene Modell kostete stolze 650 Franken.

Manche der Modelle, die er besitzt, würde er heute vielleicht nicht mehr kaufen. Doch sich von ihnen zu trennen... dafür ist die Zeit noch nicht reif. Im Schnitt, so meinte er im Gespräch, kosten gute Modelle heute zwischen 50 und 150 Franken. Auf die Frage, was ihn denn an Landmaschinen generell derart fasziniere, kam klar das Thema Technik zum Vorschein. Schon immer spürte er eine enge Verbundenheit mit Landmaschinen, das ist wie ein gelebter Bubentraum. Dass er seine Lehre als Mechaniker bei der Schweizer Eiken AG absolvierte, überrascht keinesfalls. Nach etlichen beruflichen Richtungswechseln, die ihn unter anderem auch 4½ Jahre in den einstigen Betrieb seiner Eltern, die Landi in Gipf-Oberfrick, führte, kehrte er vor über sechs Jahren wieder in seinen Lehrbetrieb in Eiken zurück; diesmal als Landmaschinenverkäufer.

Schattenseiten
Das akribische Suchen und Finden von Sammlerstücken ist das Eine, das Leben und die damit anstehenden Herausforderungen das Andere. Ohne jetzt allzu tief in die Psychologie zu wechseln sei erwähnt, dass Markus Oggenfuss nicht immer ein glücklicher Mensch war. Mittlerweile hat er aber seine eher schwierigen Jahre hinter sich gelassen und sieht wieder positiver in die Zukunft. Dennoch spürt man, dass noch so einiges unterschwellig drückz. Jeder ist bekanntlich seines eigenen Glückes Schmid, sagt man doch so schön.

Es mag an dieser eher düsteren Zeit liegen, dass Markus Oggenfuss heute behauptet, er sei kein lustiger Mensch mehr. Früher, so meinte er im Gespräch, konnte er Witze erzählen ohne Ende. Die obige Aussage stimmt einen schon etwas nachdenklich und es sei an der Stelle erlaubt, der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass diese «lustige» Zeit wieder vermehrt gelebt werden kann. Auch sonst hält sich unser Gast im «Persönlich» heute für einen eher ruhigen, introvertierten Typ. Er könne nicht so gut aus seinem Schneckenhaus herauskommen, gab er unumwunden zu und bereicherte das Gespräch damit aber ungemein mit Tiefe und mit Worten, die man ja in Normalfall auch nicht jedem unmittelbar auf die Nase bindet.

Ausser man tut es
Markus Oggenfuss hat noch einige Träume. So will er demnächst auf jeden Fall einen Städtetrip nach Hamburg machen und unbedingt wieder für länger in die USA, zum Motocross in Kalifornien. Das ist ein echter Traum. Und im Gespräch einigten wir uns ad hoc auf das Jahr 2020 für dieses Vorhaben. «Sounds good, doesn’t it?» Ja, und dann war doch noch was mit dem Stichwort Spanien. Dereinst im Pensionsalter könnte es durchaus passieren, dass der Mann aus Sisseln alle eidgenössischen Zelte abbricht und gen Süden auswandert. Ausser man tut es.

Was auch immer Idee bleibt oder nicht: wichtig ist, dass Träumen Luft gelassen wird. Dass man erkennt, was einem gut tut und was man besser hinter sich lässt. Wie Menschen, die sich zu einem in den Lebenszug setzen und eine gewisse Weile auch darin sitzen bleiben, um irgendwann nach kurzer oder auch längerer Zeit wieder auszusteigen.

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