Nachhaltig in jeder Beziehung

| So, 15. Okt. 2017

Das Engagement vom Team des SoKuGartens Frick ist vielfältig: Mit der ReparierBar hat alles begonnen und etwas später ist der Gemüseanbau dazu gekommen. Am Samstag, 21. Oktober, wird die ReparierBar bereits zum vierten Mal durchgeführt, diesmal im Saal des reformierten Kirchgemeindehauses Frick.

 Aus dem kleinen Gartenprojekt am Juraweg in Frick, das im Frühling des letzten Jahres startete, hat sich ein grosses soziokulturelles Projekt entwickelt, das eine Reihe von nachhaltigen Bereichen beinhaltet. Der Garten hat seit dem März einen neuen Standort an der Industriestrasse Frick, Nähe Busstation Bänihübel. Es war ein beträchtliches Stück Arbeit, aus der grünen Wiese einen Gemüsegarten zu gestalten, doch heute wirkt er so, als wäre er schon immer dort gewesen. Das ist dem Glauben der Initiantin, Su Freytag, an eine gute Sache zu verdanken und einem ehrenamtlichen Begleiter Team, das sich für das Projekt begeistern liess.

Die Gartenarbeit ist eine gute Gelegenheit für die soziale  Integration von Migranten. Da der Standort des Gartens in Gehdistanz zum Werkhof Frick liegt, in den dieses Jahr 150 Männer aus Krisengebieten eingezogen sind, bietet er eine willkommene Arbeitsmöglichkeit. Es wird Bio-Gemüse angepflanzt und man findet dort auch seltene Sorten - pro specie rara - wie zum Beispiel dunkle Tomaten, schwarze Peperoni oder runde, scharfe Rettiche mit rauer schwarzer Schale. Der Ertrag ist zur gemeinsamen Nutzung bestimmt und was übrig bleibt, nimmt die Pizzeria in der Nähe ab und offeriert als Gegenleistung den Asylanten einen Kaffee und in der kühleren Jahreszeit einen kurzen Aufenthalt an der Wärme.

Beim Besuch der Presse hatten drei Männer aus dem Werkhof im SoKuGarten gearbeitet. M. und H. stammen aus Afghanistan, A. ist Eritreer. Zum Begleiter-Team gehörten an diesem Tag Willem, ein Niederländer, und Carmen, eine junge Frau aus Barcelona, die ein Praktikum im FiBL machte. Zusammen nahmen sie am Gartentisch das Mittagessen ein. H. hatte bereits im Camp Reis zubereitet. Im Moment sassen sie beim Kaffee, dazu gab es Zwetschgenwähe aus Sus Küche. Alle drei Migranten konnten sich erstaunlich gut auf Deutsch verständigen.H. hatte in seinem Heimatland während gut zwei Jahren Journalistik studiert und bedauert es, dass in Frick kein Deutschkurs für Fortgeschrittene angeboten wird. Er weiss viel über die europäische Geschichte, hatte schon während seines Studiums viel darüber gelesen. Seine Flucht war gefährlich. Drei Monate lang war er zu Fuss durch Pakistan und Iran unterwegs, musste sich immer wieder verstecken und kam dann mit vielen anderen Flüchtlingen mit einem Bus in die Türkei und mit dem Schiff nach Griechenland. Insgesamt sei er durch elf Länder unterwegs gewesen und schliesslich via Deutschland in die Schweiz nach Kreuzlingen gekommen, erzählte er. Geflüchtet sei er, weil er in seinem Heimatland keine Möglichkeit gesehen habe, frei zu schreiben, frei seine Meinung zu äussern und weil die Zensur immer restriktiver geworden sei. Als er es dennoch getan hatte, war er vom Regime verfolgt worden.

Die Welt rückt zusammen, wenn man solche Berichte vernimmt. Plötzlich ist Afghanistan nicht mehr das weit entfernte Land und man erinnert sich, dass man bei Khaled Hosseini, dem Autor des «Drachenläufers», schon einmal mit einer Geschichte von dort in Berührung gekommen war. (Der «Drachenläufer» wurde vor ein paar Jahren verfilmt).

 

Wehret den Abfallbergen!

Mit zum soziokulturellen Engagement von SoKuGarten Frick gehört die ReparierBar, ein ökologisches Projekt. Reparieren statt Wegwerfen schont das Portemonnaie und macht die Abfallberge kleiner. Am Samstag, 21. Oktober, werden im Reformierten Kirchgemeindehaus Frick von 11 bis 16 Uhr von handwerklich geschickten Leuten Elektrogeräte repariert, Messer geschliffen, Kleider geflickt und vieles mehr wieder «in Schuss gebracht». Für die Kinder wird von der Jugendgruppe Bözen eine Bastelecke eingerichtet. Die Migranten werden gemeinsam mit der Jugendgruppe C-4 Frick Schuhputz-Sercice, Velo-Putzete und Auto-Innenreinigung anbieten. Zur Verpflegung gibt es eine Kaffee- und Kuchenbar und ab 12 Uhr exotisches Mittagessen vom Speisezettel der Migranten. Die Veranstaltung ist nicht profitorientiert, aber ein Beitrag in die Kollekte zur Unkostendeckung ist willkommen. Die soziokulturellen Projekte - der SoKuGarten Frick und die ReparierBar Frick - werden durch Spenden von Swisslos in  Zusammenarbeit mit «mit.dabei Fricktal» getragen. (scha/)

 

www.sokugarten-frick.ch

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