Anno 1798

Die stillen Deponien im Wald

| Do, 13. Jul. 2017

Unbekannte haben am Fusse des Sonnenbergs in Möhlin grössere Mengen Bauschutt entsorgt. Die stillen Deponien häufen sich, sagen Fricktaler Revierförster.

von Ronny Wittenwiler

Das Bild, das der NFZ zugespielt wird, legt auf einen Blick die gesamte Dreistigkeit offen: Zur einen Hälfte auf dem Wegesrand, zur anderen Hälfte den Abhang hinunter lagern grosse Mengen Bauschutt. Unbekannte haben diesen vergangene Woche illegal entsorgt; im Gebiet «Strick» am Fusse des Sonnenbergs. Backsteine und Trümmerteile eines Kachelofens wurden herantransportiert und weggeworfen. «In diesem Ausmass haben wir das noch nie erlebt», sagt Urs Steck, Möhlins Revierförster. Die Art und Weise aber, nämlich dass sich Unbekannte ihres Mülls in freier Natur entledigen, ist schon lange kein Einzelfall mehr.

 

Der Wald als Müllhalde

«Die illegale Entsorgung im Wald nimmt zu», sagt Steck und spricht davon, wie der Forst immer wieder als Müllhalde missbraucht wird. Solche stillen Deponien fangen bei Grüngut wie Rasenschnitt und Gartenhecken an, gehen über zu Küchenabfällen und Kleinmist von Haustieren wie Meerschweinchen und Kaninchen. «Oft befinden sich in all den entsorgten Materialien nicht abbaubare Fremdstoffe», sagt Steck. Ein Paradebeispiel dafür sind Plastiktöpfe, die mit dem gesamten Gartenabfall gleich mitentsorgt werden. Ein bis zwei Tage pro Jahr sind Möhlins Forstmitarbeiter nur damit beschäftigt, den Wald von Gartenabfall zu befreien und auch wenn sich eine erdrückende Mehrheit an solchen illegalen Entsorgungsaktionen stört – davon ist auch Steck überzeugt – so scheinen ein paar Unverbesserliche nach einem ganz einfachen Prinzip zu handeln: «Und nach mir die Sintflut.» Unweit des jüngsten Schandflecks am Fuss des Sonnenbergs befindet sich eine Mergelgrube. «Dort wurden über Nacht auch schon Möbel entsorgt», sagt Steck. Wer die aktuelle Menge an Bauschutt betrachtet, der vergangene Woche in den Wald gekarrt wurde, kommt zum Schluss: mit einem normalen Auto wäre das gar nicht möglich gewesen. Die Unbekannten dürften mit einem Kipper zu diesem mit Fahrverbot belegten Weg vorgefahren sein.

 

«Das ist Bequemlichkeit»

«Vor zehn Minuten haben wir gerade eine Töff-Batterie aus dem Wald geholt, hundert Meter von der Strasse entfernt», antwortet Oliver Eichenberger auf die Frage der NFZ, ob illegale Entsorgung ein Problem sei. Eichenberger ist Revierförster in Kaisten. Auch er sagt: «Es wird immer schlimmer.» Pneus. Felgen. Abfallsäcke. Und obschon vieles heute in bestens geführten Werkhöfen gar gratis entsorgt werden könne, nimmt die illegale Entsorgung nicht ab. «Ja, das ist die Bequemlichkeit einiger Leute», glaubt er. Selbst eine Tierkadaverstelle scheint einige nicht zu interessieren, sie nehmen ein Verschleppen möglicher Krankheiten in Kauf. Nochmals Eichenberger: «Gerade erst haben wir im Wald drei tote Koi-Karpfen eingesammelt.»

 

Bildlegende Entsorgung Wald Bauschutt:

Den Möhliner Wald als Deponie missbraucht: Unbekannte entsorgen über Nacht grosse Mengen Bauschutt im Gebiet Sonnenberg.

 

Foto: zVg

 

Kommentare

Ein Artikel der viel mehr anprangert als es anzuprangern gibt: Reine Gartenabfälle verrotten; ob auf dem eigenen Kompost oder im Wald. Und nach kurzer Zeit wachsen daraus die kräftigsten Pflanzen. Was soll daran also falsch sein?

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