Die Diskussion rund um die 10-Millionen-Initiative zeigt, wie stark das Thema Migration unser Land bewegt. Die Sorgen über steigende Mieten, überlastete Infrastruktur, den Verlust von Kulturland und den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind real und verdienen eine sachliche Antwort. ...
Die Diskussion rund um die 10-Millionen-Initiative zeigt, wie stark das Thema Migration unser Land bewegt. Die Sorgen über steigende Mieten, überlastete Infrastruktur, den Verlust von Kulturland und den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind real und verdienen eine sachliche Antwort. Ebenso richtig ist jedoch: Migration ist nicht nur ein innenpolitisches Problem, sondern auch Ausdruck wirtschaftlicher Verflechtung, globaler Ungleichheit und unseres eigenen Bedarfs an Arbeitskräften. Ich kann nachvollziehen, dass Zuwanderung geordnet und für unser Land tragbar bleiben muss. Wer das fordert, handelt nicht automatisch aus Ablehnung gegenüber Menschen von aussen, sondern oft aus Verantwortung für das Gemeinwesen. Kritisch sehe ich jedoch eine Politik, deren Wirkung leicht dazu führen kann, Menschen vor allem nach ihrer Herkunft oder ihrer unmittelbaren Nützlichkeit zu beurteilen. Jeder Mensch besitzt Würde und hat Anspruch auf Respekt, Sicherheit und eine faire Perspektive. Deshalb überzeugt mich keine Vorlage, die den Anspruch erhebt, nachhaltige Lösungen anzustreben, in ihrer Wirkung aber vor allem auf Abgrenzung setzt. Die Herausforderungen unseres Landes lassen sich nicht lösen, indem man einzelne Gruppen symbolisch zum Hauptproblem erklärt. Solidarität bedeutet dabei nicht Grenzenlosigkeit. Sie setzt Ordnung, Eigenverantwortung und die Bereitschaft aller voraus, zum Gemeinwesen beizutragen. Was wir brauchen, sind klare Regeln, Investitionen in ökologischen Wohnraum und in die Infrastruktur, eine bessere Nutzung des inländischen Arbeitskräftepotenzials, der Schutz von Natur und Landschaft sowie eine gerechte Verteilung der Lasten. Die Zukunft unseres Landes sichern wir nicht durch gegenseitige Abwertung, sondern durch tragbare Lösungen und durch Respekt, der nicht von der Herkunft abhängt.
ROMAN PFISTER, VIZEAMMANN, ZEIHEN